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Palais übernimmt  Jugendtreff Blue in Trier-Ehrang

Nach der Exhaus-Pleite : Palais-Verein übernimmt  Jugendtreff Blue in Trier-Ehrang

Auch für den Bandproben-Bunker des Exhauses gibt’s einen neuen Betreiber – erstmal allerdings nur auf Zeit.

Das Fell des Bären kann erst verteilt werden, wenn dieser tot ist. Fürs Exhaus gilt das nur so halb: Für die einzelnen Sparten des insolventen Jugend- und Kulturzentrums, das Ende September seine Geschäftstätigkeit wegen Zahlungsunfähigkeit aufgeben musste, finden sich nach und nach neue Träger. Und das, obwohl das Bündnis „Exhaus bleibt!“ weiter aktiv daran arbeitet, das Jugendzentrum zu erhalten – möglichst in seiner alten Vielfältigkeit.

Der Spagat ist allerdings nötig, damit bei der Kinder- und Jugendarbeit keine Lücke entsteht. Der Exhaus-Kinderhort mit 45 Betreuungsplätzen ist deshalb schon aus dem alten Exhaus-Portfolio herausgetrennt worden.  Denn die extra gegründete Interims-Trägergesellschaft, die den Hort kurzfristig übernommen hat, steht für diesen Job nur bis zum 31. Dezember 2020 zur Verfügung. Danach wäre der Weiterbetrieb der Kindertagesstätte gefährdet gewesen. Der Hort war daher auf den Kinder- und Jugendhilfeverein Palais zugegangen um anzufragen, ob dieser die Einrichtung übernehmen will. Der Palais e.V stimmte zu (der TV berichtete). Der für Soziales zuständige städtische Dezernatsausschuss II gab am Donnerstagabend ebenfalls grünes Licht für den Trägerwechsel.

Auch der Jugendtreff Blue ist mittlerweile unter die Fittiche des Palais e.V. geschlüpft. Weil der Vermieter der Räumlichkeiten in Ehrang drängelte, musste die Stadtverwaltung auch hier eine schnelle Lösung finden, um das Angebot dauerhaft aufrechtzuerhalten. Partner auch hier: der Palais e.V. „Wir haben jetzt erstmal einen Mietvertrag für drei Monate unterschrieben“, bestätigt Palais-Chef Reinhold Spitzley gegenüber dem TV. Der Jugendtreff in der Niederstraße 7 in Trier-Ehrang ist damit – wie bisher – jeden Dienstag und Donnerstag von 17 bis 20 Uhr geöffnet. Betreut wird der Treff von zwei Palais-Mitarbeitern. Der Palais e.V. erhält für die Leistung monatlich den gleichen städtischen Zuschuss, die der Exhaus-Verein vorher überwiesen bekam, nämlich 1437,08 Euro. Die beiden Frauen, die bislang für das Exhaus im Blue gearbeitet haben, sind allerdings nicht mehr zuständig. Eine hat nach TV-Informationen den Verein verlassen, die andere ist mittlerweile zwar beim Palais angestellt, allerdings in einem anderen Bereich.

Dass das Blue nun zum Palais gehört, ist vorerst ein Wechsel auf Zeit: Sollte sich ein neuer Träger gründen, der die Nachfolge des Exhauses antreten und das Blue wieder übernehmen will, dann soll das möglich sein. Schließlich hatte der Stadtrat Anfang Oktober beschlossen, dass die Exhaus-Strukturen möglichst nicht zerschlagen werden sollen. In der Vorlage der Stadtverwaltung, die der Dezernatsausschuss zur Abstimmung in den Stadtrat weiterverwiesen hat, berücksichtigt diesen Ratsbeschluss. Die zeitlich befristete Lösung fürs Blue ermögliche es, „Entwicklungen in der Trägerbildung abzuwarten und nicht schon jetzt quasi irreversible Entscheidungen zu Gunsten eines anderen Trägers, der nicht alle Leistungen des insolventen Exzellenzhaus e.V. übernimmt, zu treffen“. Die Lösung auf Zeit könne allerdings nur so lange funktionieren, wie die Interims-Träger bereits seien, „die Leistungen unter unsicheren Zukunftsperspektiven zu erbringen.“

Auch für den  so genannten Bunker in der Karl-Grün-Straße 10 in Trier-Nord ist mittlerweile zumindest eine Interimslösung gefunden worden: Der Verein Musiknetzwerk Trier hatte sich bei der Stadt gemeldet, um die Verwaltung des städtischen Gebäudes zu übernehmen. Die Stadt hatte den Bunker bislang dem Exhaus-Verein kostenlos zur Verfügung gestellt, der die Proberäume darin dann an Bands vermietete. Aus den Mieten sollte das Exhaus Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im Inneren des Bunkers bestreiten – insbesondere die Heizungen und die sanitären Anlagen hätten das nötig gehabt. Die eingenommenen Mieten seien allerdings „offensichtlich für andere Zwecke eingesetzt wurden“, heißt es in der Beschlussvorlage, über die der Stadtrat am Dienstag, 8. Dezember, beraten soll.

Mit dem Verein Musiknetzwerk will die Stadt nun einen Mietvertrag abschließen. Die Höhe der Miete soll sich dabei an den Einnahmen durch die Untervermietung an Bands abzüglich der Verbrauchskosten orientieren. Der Aufwand, den dem Verein durch die Vermietung der Räumlickeiten und die Absprachen mit den Bands entsteht, wird seitens der Stadt vergütet. Außerdem will das Rathaus prüfen, ob die Sanierung von Heizung und Toiletten möglicherweise aus dem Bund-Land-Förderprogramm Soziale Stadt finanziert werden kann.

Der Mietvertrag mit dem Musiknetzwerk e.V. soll – sofern der Stadtrat zustimmt – zunächst bis zum 31. Dezember 2021 laufen. Sofern sich in dieser Zeit ein Träger als Nachfolger des alten Exhaus-Vereins gründet, sei das Musiknetzwerk allerdings auch bereit, schon vorher die Verantwortlichkeit für den Bunker an diesen abzutreten.