Palaver erwünscht

Integration ist ein in den vergangenen Monaten oft benutztes Schlagwort. Dabei geht es meist um das Zusammenleben von Deutschen und Geflüchteten. Der neue Integrationsladen "Palaver Begegnung und mehr" in Waldrach will mehr als nur das erreichen: Migranten, Rentner, behinderte Menschen oder einfach nur Interessierte sollen in Kontakt kommen.

Waldrach. Flüchtlingsnetzwerke gibt es im Landkreis Trier-Saarburg inzwischen einige. Sie veranstalten Treffen, kümmern sich um Migranten und Asylbegehrende und wirken oft im Verborgenen. In Waldrach wird es vermutlich ab Oktober einen Integrationsladen geben. Den ersten im Landkreis. Bereits seit 2015 besteht das "Netzwerk willkommen - Flüchtlinge im Ruwertal und auf den Höhen". Es entstand in einer Zeit, als innerhalb kurzer Zeit Hunderttausende Menschen Schutz vor Krieg und Gewalt in Europa suchten. Tausende kamen nach Deutschland, in der Folge mehrere Hundert in den Landkreis und somit auch in die Verbandsgemeinde Ruwer. Offen für alle Menschen

Aus der Unterstützergruppe ist im Juni 2016 ein Verein namens Netzwerk Willkommen geworden. Nach Auskunft der Initiatoren ist dabei der Zusatz Flüchtlinge gestrichen. Denn es geht dem Verein nicht nur um Asylbegehrende, sondern alle diejenigen, die in irgendeiner Weise gesellschaftlich benachteiligt sind. Das können Bezieher von Hartz-4-Leistungen sein, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Senioren. "Wir sind froh, dass wir so viel Unterstützung haben", sagt Jutta Raab, die gemeinsam mit gut einem Dutzend anderer Engagierter den Verein aus der Taufe gehoben hat. Hehre Ziele sind das eine, die Umsetzung derselben das andere. Die Ruwertaler haben sich dafür entschieden, einen Integrationsladen zu eröffnen. Entsprechende Räume waren schnell gefunden. Doch wer zahlt die Miete?, war eine der zu klärenden Fragen. Die Antwort darauf hat der Verbandsgemeinderat Ruwer in seiner jüngsten Sitzung gegeben. Die VG wird jährlich bis zu 8400 Euro für Miete und Nebenkosten zahlen. Einen Großteil dieser Summe bekommt die Verbandsgemeinde vom Landkreis Trier-Saarburg. Denn der stellt insgesamt 70 000 Euro bereit, um damit ehrenamtliche Arbeit mit Asylbewerbern zu unterstützen. Für die VG Ruwer sind das rund 6700 Euro. Da es in der näheren Region keinen Integrationsladen gibt, haben sich die Ruwertaler Anregungen in Büchenbeuren geholt. Dort gibt es bereits eine solche Einrichtung. Ebenfalls mit im Boot sind die beiden Kirchen, die sich auch finanziell engagieren. Weitere Unterstützer sind jederzeit willkommen. Und was soll im neuen Laden geschehen? Das lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Menschen sollen zusammenkommen. Geplant ist der Integrationsladen als Anlaufstelle für Ehrenamtliche und als Kontaktbörse. Es soll Informationen und Second-Hand-Kleidung geben, genauso wie einen Eine-Welt-Kiosk mit Produkten aus dem fairen Handel. Bis es jedoch soweit ist, müssen noch einige Aufgaben erledigt werden. Unter anderem fehlt noch die Einrichtung. Wer helfen will, kann sich unter anderem im Internet informieren unter der Adresse <%LINK auto="true" href="http://www.netzwerk-willkommen.de" text="www.netzwerk-willkommen.de" class="more"%>Meinung

Auf dem richtigen Weg In der Diskussion um den Umgang mit geflüchteten Menschen ist immer wieder ein Schein-Argument zu hören. Nämlich, dass für die Fremden alles und für hilfsbedürftige Deutsche nichts getan wird. Die Idee des Palaver-Ladens ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass dem nicht so ist. Es geht um Hilfe für Menschen. Egal woher sie kommen, was sie besitzen oder wie alt sie sind. Niemand soll vergessen, niemand soll ausgeschlossen sein. Dieser Idee kann man zwei Wünsche mit auf den Weg geben. Dass die materiellen Voraussetzungen bald geschaffen sind, um die Anlaufstelle zu eröffnen. Und noch viel wichtiger: dass sich viele Menschen finden, die sich einbringen. Geflüchtete wie Alteingesessene, Junge wie Alte, Menschen mit Beeinträchtigungen genauso wie solche, die das Fehlen von Hilfe für bedürftige Deutsche als Vorwand nehmen, um geflüchtete Menschen abzulehnen. Denn auch die Integration ausländerfeindlicher Menschen in die Gesellschaft ist bitter nötig. h.jansen@volksfreund.de