Palliener mit Leib und Seele

TRIER-WEST/PALLIEN. Klaus Blum ist waschechter Palliener. Er lebt dort, wo er aufgewachsen ist. In St. Simon und Juda wurde er getauft und ging zur Kommunion. Der künftige Ortsvorsteher kennt seinen Stadtteil in- und auswendig und will sich in seiner fünfjährigen Amtszeit stark machen für die Weststadt, die noch oft mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

Seit über 30 Jahren ist Klaus Blum (54) überzeugter Sozialdemokrat, seit 1979 engagiert er sich ohne Unterbrechung im Ortsbeirat. "Ich bin in Pallien verwurzelt", sagt er von sich selber. Die kommunalpolitische Karriereleiter stieg der Parkhaus-Wächter Sprosse für Sprosse hinauf. 1981 wurde er zum stellvertretenden, 1997 zum ersten Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Trier-West/Pallien gewählt. Von 1989 bis 1994 war er der Vize von Ortschef Helmut Kress. Blum vertrat seinen Stadtteil ab 1999 im Stadtrat, doch bei den Wahlen am 13. Juni kandidierte er nicht mehr für dieses Amt.Lieber Ortsvorsteher als Stadtratsmitglied

Er wollte sich lieber ganz auf den Wahlkampf um den Ortsvorsteher-Posten konzentrieren, nachdem der 75-jährige Helmut Kress auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte. Dessen Nachfolge konnte Klaus Blum aber nicht gleich im ersten Durchgang klar machen. Er musste sich mit CDU-Bewerber Frank Caspers zwei Wochen später ins Stechen begeben. "Die Nachricht, dass ich es geschafft habe, bekam ich von Ingeborg Sahler telefonisch im Auto auf dem Weg ins Rathaus. Aber erst als mir der Oberbürgermeister gratulierte, konnte ich das wirklich glauben", erinnert sich der künftige Ortschef. Vereidigt wird er in der Ortsbeiratssitzung am 15. September. Für sein kirchliches und soziales Engagement wird Blum in den nächsten Jahren weniger Zeit haben, denn es warten viele ungelöste Aufgaben und Probleme auf ihn. So wird die Zukunft der Kasernen in der Gneisenaustraße ein Kernthema sein, das Blum immer wieder vorbringen will: "Ich hoffe, dass uns das von der ADD angekündigte Gutachten in einer der ersten Ortsbeiratssitzungen vorliegt." Erst dann könne man weitere Schritte überlegen, denn bislang steht die oberste Denkmalbehörde den Abriss-Wünschen von Rathaus und Ortsbeirat immer noch im Wege. Dauerthemen werden weiterhin die Verkehrssituation und der Zustand der Straßen sein: "Der Ortsbeirat setzt sich seit Jahren immer wieder für eine Verbesserung ein, bekommt aber keine Resonanz. Eine meiner ersten Aufgaben wird sein, mich wegen der Straßenverhältnisse mit der Verwaltung in Verbindung zu setzen", kündigt Blum an. In der Tat hatte die bereits 1992 von Ratsmitglied Klaus Schmitt öffentlich geforderte Entschärfung an der Kreuzung Martinerfeld/Kölner Straße/Hornstraße bislang keinen Erfolg. Aber auch eine Sanierung etwa von Römer- und Luxemburger Straße will Klaus Blum immer wieder auf die Tagesordnung setzen. "Außerdem kommen etliche Probleme auf uns zu, wenn die Umgehung Biewer fertig ist und der ganze Verkehr durch Pallien und Trier-West rollt", rechnet Blum mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Seine Arbeitsliste ist noch viel länger. Darauf zu finden ist die Verbesserung des Wohnumfeldes in der Magnerichstraße, wo beladene Schrottautos nicht gerade zur Wohlfühl-Atmosphäre beitragen. Als "langfristigen Wunsch" nennt Blum, ein Bürgerhaus im Westen zu gründen, das nach Vorbild von Trier-Nord wichtige Arbeit leisten könnte. Die Zukunft des einstigen Bahnausbesserungswerks, Probleme mit den übermäßig vorhandenen Wildschweinen und die Umsetzung von Maßnahmen, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Stadtteilrahmenplanung gesammelt werden, zählt der künftige Stadtteil-Chef auf.Kooperation über Parteigrenzen hinweg

"Ich weiß, dass nicht alles machbar ist, was ich mir wünsche und gehe mein Amt deshalb realistisch an. Aber ich freue mich sehr auf diese Aufgabe", sagt der zweifache Vater. Vor allem aber liegt ihm eines am Herzen: "Wir in Trier-West müssen unser Image aufpolieren, denn der schlechte Ruf des Stadtteils wird uns immer noch nachgetragen." Er selbst trägt mit seinem kirchlichen und sozialen Engagement aktiv dazu bei, verteilt an Weihnachten auf eigene Faust und Rechnung an Bedürftige Hilfs-Pakete mit Lebensmitteln: "Es gibt noch sehr viele arme Menschen hier. Mir geht es gut und ich will davon etwas abgeben." Derart aktiv wird er sich auch politisch einsetzen und hofft "auf parteiübergreifende Kooperation im Ortsbeirat wie bisher".