Pannenserie beim Überfall auf die Stammkneipe: Räuber vergessen Pistole, verlieren Magazin und verraten sich
Trier · Beim zweiten Verhandlungstag im Prozess um Überfälle und Einbrüche in Trier haben Zeuginnen Details der Fälle geschildert. Wegen haarsträubender Pannen hatten die beiden Täter kaum Beute gemacht und sich selbst überführt.
Zwei Angeklagte verantworten sich vor dem Landgericht Trier wegen diverser Überfälle und Einbrüche. Beim Prozessauftakt legen sie umfassende Geständnisse ab (der TV berichtete). Zeugenaussagen machen deutlich, wie dilettantisch die beiden Trierer bei ihren Raubzügen vorgegangen sind.
Die verdächtige Vorbereitung: Zielobjekt ist eine Gaststätte in der Nähe des Trierer Rathauses. Am Abend des Überfalls geht zunächst die Freundin des 40-jährigen Angeklagten in die Kneipe und schaut sich dort um. Sie fragt sogar die Bedienung nach ihrem Freund, der dort regelmäßig verkehrt. Vor Gericht sagt die Thekenfrau: "Damals habe ich mir noch nichts dabei gedacht." Als der letzte Gast die Kneipe verlässt, stürmen die beiden bewaffneten Männer sofort hinein.
Die mangelnde Tarnung: Beide Männer tragen zwar Masken. Doch Wirtin und Bedienung erkennen ihren Stammkunden an Augen und Stimme. Mehrfach spricht der 40-Jährige die Wirtin mit ihrem Vornamen an, versucht sie zu beruhigen: "Keine Angst, ich lass' die Musicbox in Ruhe."
Die Problemtür: Die Räuber wollen die Eingangstür abschließen, damit kein Gast mehr hineinkommt. Doch die Wirtin sagt, die Kneipe sei rund um die Uhr geöffnet, und sie habe deshalb keinen Schlüssel dabei. Der 40-Jährige versucht vergeblich, die Tür zu verrammeln. Stuhl, Gürtel und Stromkabel erweisen sich als untaugliche Hilfsmittel.
Die Automatenpleite: Der 38-jährige Komplize des Wortführers versucht mit verschiedenen Werkzeugen, mehrere Geldspielautomaten zu knacken. Das kostet wertvolle Zeit - und funktioniert schließlich nicht.
Die fast leere Kasse: Magere 85 Euro befinden sich in der Kasse an der Theke. Das ist alles, was den Männern an Beute bleibt.
Die überstürzte Flucht: Nach einer halben Stunde wählt die Wirtin heimlich den Notruf. Als die Räuber das mitbekommen, geraten sie in Panik. Hektisch packen sie das Werkzeug in ihre Tasche und verlassen fluchtartig die Kneipe. Dabei vergessen sie zunächst eine der Pistolen. Wenig später trauen Wirtin und Angestellte ihren Augen nicht: Statt der inzwischen alarmierten Polizei kehrt der 40-jährige Räuber zurück - ohne Maske, mit seiner Jacke über dem Kopf. Er schnappt sich die Waffe, lässt sie aber vor dem Ausgang fallen und verliert dabei das Magazin. cus
Die Verhandlung wird am Montag, 17. Februar, fortgesetzt. Dann wird vermutlich das Urteil fallen.Extra: Die Spielhalle
Ohne Beute: Wenige Tage vor dem Überfall auf seine Stammkneipe scheitert der 40-jährige Angeklagte bei dem Versuch, eine Spielhalle in Trier-Süd auszurauben. Auch dort erkennt die Bedienung trotz Maske ihren Kunden, der wenige Stunden zuvor noch dort gespielt hat. Sie spricht ihn mit Vornamen an und sagt: "Was soll das? Ich kenne dich! Du kannst mich doch nicht überfallen!" Daraufhin flieht der Enttarnte ohne Beute.
Vor Gericht spricht der Angeklagte die Bedienungen der Spielhalle und seiner Stammkneipe bei ihren Zeugenaussagen direkt an: "Es tut mir leid. Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich war in dieser Zeit ziemlich verballert." cus