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Panorama Dom-Kreuzgang Trier: 1700 Jahre Baugeschichte auf einen Blick

Architektur : 1700 Jahre Baugeschichte auf einen Blick

Inspirieren lassen, staunen oder einfach nur genießen: Aus der Südost-Ecke des Dom-Kreuzgangs bietet sich ein unvergleichlicher Anblick.

Manche sprechen vom „Adenauer-Blick“: Als die Stadt Trier am 30. Juni 1966 den ersten Kanzler der Bundesrepublik zum Ehrenbürger ernannte, ging der feierlichen Ratssitzung eine Besichtigung unter anderem des Doms und des Kreuzgangs voraus. Besonders letztere machte beim hohen Gast mächtig Eindruck: „Als ich auf dem Friedhof des Domkapitels stand und dort die europäische Geschichte von fast zwei Jahrtausenden sah, römische Baudenkmale, frühchristliche und mittelalterliche Bauwerke. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, war ein so eindrucksvoller Anblick, wie ich ihn kaum jemals bekam“, sagte Konrad Adenauer später.

Der Kölner Star-Architekt Oswald Mathias Ungers besuchte im Gegensatz zu Adenauer den Dom-Kreuzgang häufig: „Ich lasse mich von diesem Anblick inspirieren“, so die Begründung von Ungers, der in Trier den Konstantin-Basilika-Vorplatz, den Viehmarktthermen-Schutzbau und das neue Kaiserthermen-Eingangsgebäude plante.

Aber auch fachlich weniger geschulte Augen erkennen, dass der sich vom Innenhof des Kreuzgangs bietende Anblick ein ganz besonderer ist: ein Panorama mit Zeugnissen aus 1700 Jahren (Kirchen-) Baugeschichte, die seit 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

Von links: Da ist zunächst die Liebfrauen-Basilika – wie der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert – einer der ältesten gotischen Bauten auf deutschem Boden.

Der Kirchturm rechts daneben ist der höchste im Bistum Trier. Auf rund 75 Meter gebracht wurde er um 1515 unter Erzbischof Richard von Greiffenklau – eine Reaktion auf die Aufstockung des Turms der Bürgerkirche St. Gangolf am benachbarten Hauptmarkt acht Jahre zuvor und eine Machtdemonstration. Um Gangolf zu übertreffen, ließ Greiffenklau den südlichen der beiden Kathedral-Türme am Domfreihof aufstocken. Dessen (aus dieser Sich verdeckter) Zwillingsbruder blieb auf der ursprünglichen Höhe des 11. Jahrhunderts.

Mehr als tausend Jahre jünger als die oberen Etagen des Greiffenklau-Turms ist der sich rechts anschließende, erkennbar antike Baukörper. Er stammt im Kern aus dem vierten Jahrhundert und damit aus den Anfangsjahren der ältesten Bischofskirche nördlich der Alpen. Mit einem Mix aus spätromanischem Stil und Gotik geht weiter: Der Dom-Ostchor wurde 1196 geweiht, die östlichen Türme stammen aus dem frühen 14.Jahrhundert. Den Abschluss des Doms nach Osten bildet die barocke, von 1702 bis 1702 an den Ostchor angebaute Heilig-Rock-Kapelle, von der hier lediglich das Kuppeldach zu sehen. In ihr wird die bedeutendste Relique des Bistums Trier aufbewahrt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Trierer Dom im Detail