Panoramaweg Olewig: Stadt erlässt Anordnung gegen Eigentümer von Nell

Kostenpflichtiger Inhalt: Behördliche Anordnung : Trierer Winzer muss Panoramaweg frei geben

Die Stadt Trier will Fritz von Nell nun doch dazu zwingen, den so genannten Panoramaweg oberhalb der Weinberge im Tiergartental Spaziergängern wieder zugänglich zu machen. Der Winzer hatte den Weg 2014 gesperrt und zuletzt dort auch noch Hafer ausgesät.

Hafer ist Hafer ist Hafer? Falsch. Für den Trierer Winzer Fritz von Nell ist das Getreide, das er im Frühling erstmals auf dem Weg oberhalb seiner Weinberge im Tiergartental ausgesät hat, Lebensmittel und Viehfutter. Der Weg, der zu den weitläufigen Ländereien des Weinguts gehört, sei daher landwirtschaftliche Nutzfläche, die nicht betreten werden dürfe. Mit Baugittern und Zäunen versucht von Nell, Jogger und Spaziergänger von dem einst beliebten Panoramaweg, auf dem nun der Hafer wächst, abzuhalten.

Für die Bürgerinitiative (BI), die seit Jahren dafür kämpft, dass die Trasse – wie in den vergangenen Jahrzehnten – weiter genutzt werden darf, ist die Getreideaussaat dagegen nur vorgeschoben: „Der Hafer ist eine Inszenierung, um die Öffentlichkeit fernzuhalten – unrechtmäßig!“, ist Herbert Jakobs, Mitglied der BI, überzeugt.

Die Trierer Stadtverwaltung sieht das – mittlerweile zumindest – ähnlich: In der „sporadischen Einsaat von Hafer auf dem Weg kann keine landwirtschaftliche Nutzung gesehen werden“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus. Per behördlicher Anordnung will die Verwaltung nun Winzer von Nell dazu zwingen, den Weg wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der zuständige Beigeordnete im Stadtvorstand, Bau- und Umweltdezernent Andreas Ludwig (CDU), legt damit eine Kehrtwende hin. Denn noch vor vier Wochen hatte die Stadtverwaltung auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds erklärt, dass die Haferaussaat durchaus eine landwirtschaftliche Nutzung darstelle – und der Verwaltung die Hände gebunden seien. Der Eigentümer habe durch die Aussaat das Recht, den Weg zu sperren. „Unerheblich ist, zu welchem Zweck dort eingesät wurde“, hieß es dazu in einem Schreiben aus dem Hause Ludwig, das mittlerweile in der öffentlich zugänglichen Internet-Datenbank der Stadt nicht mehr hinterlegt ist.

Wie kommt es dazu, dass die Stadt die Situation heute ganz anders bewertet als noch Mitte August? Eine „neuerliche Überprüfung der Situation vor Ort am 13. September“ habe dazu den Ausschlag gegeben. Vor Ort sei „kein offensichtliches schutzwürdiges Interesse des Herrn von Nell erkennbar“ gewesen. Das „Betretungsrecht der freien Landschaft auf Wegen und ungenutzten Grundflächen zum Zwecke der Erholung überwiegt“, heißt es in dem aktuellen Schriftstück.

Auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds erklärt Baudezernent Ludwig dazu: „Wir haben uns noch einmal mit den Petenten getroffen und einen weiteren Ortstermin gemacht. Ergebnis ist, dass wir die Lage neu bewertet haben. Das hat sich so in den letzten vier Wochen herausgestellt. Wir stehen dazu, dass wir jetzt eine Verfügung erlassen haben, die das Öffnen der Tore verlangt.“

Mit der Anordnung zur Öffnung des Wegs wird ein neues Kapitel im seit Jahren schwelenden Streit zwischen von Nell, der Olewiger Bürgerinitiative und der Stadtverwaltung aufgeschlagen. BI und Stadt berufen sich dabei auf Paragraf 59, Absatz 1, des Bundesnaturschutzgesetzes. Laut diesem muss das Betreten von Straßen, Wegen und ungenutzten Grünflächen in der freien Landschaft zum Zweck der Erholung grundsätzlich geduldet werden. Auch wenn die Flächen in Privateigentum sind.

Schon vor der Haferaussaat hielt Winzer von Nell dagegen, dass er den Weg als Wendefläche für seine Maschinen, mit denen er in den Weinbergen arbeite, nutzen müsse. Jogger und Spaziergänger mit ihren Hunden seien dadurch gefährdet. Deshalb habe er den Weg abgesperrt.

Davon, dass die Stadtverwaltung ihn nun zwingen will, die Abpserrgitter zu öffnen, erfuhr Winzer von Nell am Montag durch den Anruf des Trierischen Volksfreunds. Ein entsprechender Brief aus dem Rathaus sei bei ihm noch nicht eingegangen, erklärte von Nell. „Deshalb kann ich mich so spontan zu der Sache auch gar nicht äußern. Aber ich bleibe dabei: Wer dort oben auf dem Weg unterwegs ist, begibt sich in Gefahr. Der Weg ist Wendefläche für unsere Maschinen, mit denen wir durch die Weinbergsreihen fahren. Wenn da mal jemand von einem Stein getroffen wird, bin ich gespannt, wie es mit der Haftung aussieht, wenn die Stadt jetzt die Leute da bewusst auf den Weg schicken will.“

Herbert Jakobs von der Bürger­initiative freut sich dagegen: „Wir sind froh, dass die Stadt sich doch noch von unserer Rechtsauffassung in der Sache hat überzeugen lassen – wenn es auch länger gedauert hat.“

Die Petition, die die Bürgerinitiative bereits im April bei der Stadt eingereicht hat um die Öffnung des Weges zu erreichen, ist am morgigen Dienstag, 24. September, Thema im Bauausschuss. Baudezernent Andreas Ludwig stellt in der öffentlichen Sitzung (17 Uhr, Raum Steipe, Rathaus am Augustinerhof) den Sachverhalt sowie die Stellungnahme und rechtliche Einschätzung der Stadtverwaltung vor.

Sowohl die Einreicher der Petition als auch Winzer Fritz von Nell sind zu der Sitzung des städtischen Bauausschusses eingeladen, um ihre Standpunkte darzulegen.

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