Papa geht surfen

TRIER. Briefe tippen oder E-Mails senden: Für viele ist der Computer aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Andere entdecken zum ersten Mal die Vorteile des Arbeitens mit Tastatur und Maus – zum Beispiel in einem Computerkurs der Volkshochschule Trier.

"Mein siebenjähriger Sohn kann mit dem Computer umgehen - und ich nicht. Er sagt dann immer: ,Papa, lass mich mal.' Das ist mir irgendwann auf den Zeiger gegangen", erklärt Wulf Gottschalk seine Motivation, einen Computerkurs für Anfänger zu besuchen. "Das lasse ich mir jetzt beibringen", habe er sich gesagt - genauso wie die weiteren fünf Teilnehmer des Computerkurses an der Volkshochschule Trier. In dieser Woche lehrt Dozent Alexander Lindemann eine Gruppe von Einsteigern über 50 Jahren die Grundlagen des Textverarbeitungsprogramms "Word". "Farbbänder für die alte Triumph wird es irgendwann nicht mehr geben", führt er seinen Schützlingen die Vorteile von "Word", der "Superschreibmaschine", vor Augen. "Es macht also Sinn, sich mit dem Programm auseinander zu setzen. Außerdem lässt es sich sehr einfach lernen." Wie lege ich einen Ordner an? Wie speichere ich mein Dokument? Und wie spiele ich mit Farben, Schriftarten und -größen? "Tabulatoren" und "Autotext" sind nach einer Woche für die Teilnehmer keine Fremdwörter mehr. Praktisches Austesten gehört dazu. Hinter ihren Bildschirmen klicken sich die Computer-Neulinge selbst durch das Programm. Die Nachfrage nach Computerkursen für ältere Menschen habe stetig zugenommen, sagt der Kursleiter. Am Internet kommt im alltäglichen Leben kaum noch jemand vorbei. "Früher wurde in Fernsehsendungen ein Faxabruf oder eine Telefonnummer eingeblendet, heute gibt es nur noch die Internet-Adresse." Außerdem könne der Computer für die Kommunikation mit Familienmitgliedern genutzt werden. Das hat auch Maria Schmitz (Name geändert) in den Kurs getrieben. "Meine Tochter und mein Schwiegersohn wollen mir per E-Mail Fotos vom Enkelkind schicken", erzählt die 67-Jährige. Im April lernte sie in einem EDV-Kurs für Anfänger zum ersten Mal, mit dem Computer umzugehen. Inzwischen hat sie sich ein eigenes Gerät gekauft, regelmäßig geübt und einen Internet-Anschluss einrichten lassen. "Das Arbeiten am Computer ist ein gutes Gedächtnistraining, weil ich mir die einzelnen Schritte merken muss." Das Schreibprogramm will sie nun nutzen, um Briefe am Bildschirm zu verfassen. Das möchte auch Wulf Gottschalk in dem Einsteigerkurs lernen. "Seit knapp 20 Jahren nutze ich aus beruflichen Gründen den Computer", erzählt der Krankenhaus-Arzt. Mehr als das Abrufen von Befunden etwa habe er bisher nie gelernt. Zwar fänden sich bei Problemen immer hilfsbereite Kollegen. Doch ist das nicht immer angenehm: "Der Mitarbeiter beherrscht es und man selbst steht da wie ein Idiot." Sich das erste Mal intensiv mit dem Computer auseinander zu setzen, war für Gottschalk ein positives Erlebnis: "Ich habe Spaß daran und mache schnell Fortschritte. Vor zehn Tagen wusste ich nicht einmal, wie so ein Ding angeht. Ein Musik-Instrument lernt man jedenfalls nicht so rasch." Nächte Woche geht er zum ersten Mal "surfen" - im weltweiten Netz. Denn dann steht der Internetkurs auf dem Programm. "Ich war noch nie im Netz. Da gibt es bestimmt interessante Sachen zu entdecken." Das erste Mal: Neue Erfahrungen zu machen, bedeutet Aufregung und Abenteuer, Spannung und Emotion. Der TV stellt in einer Serie Menschen vor, die sich auf unbekanntes Terrain gewagt haben und erzählt, wie es ihnen dabei erging.

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