Parade zum Christopher Street Day: Trier im Zeichen des Regenbogens

Kundgebung : Trier im Zeichen des Regenbogens

1000 Demonstranten ziehen am Christopher Street Day mit bunten Kostümen und Bannern durch die Stadt – mit Verstärkung von der EU.

Trotz Ankündigung einer großen Parade durch Trier ist die Mehrzahl der Innenstadt-Besucher am Samstag zunächst ahnungslos, als die Sambatrommeln ertönen. Neugierig bleiben sie stehen und beobachten die herannahende Menschenmenge. Vorneweg gehen in einer Reihe  Mitglieder des Vereins Schmit-z (Nele Engel, Stephanie Kirsch, Ulla Meyer und Alex Rollinger), Kulturdezernent Thomas Schmitt, Joachim Schulte vom Netzwerk QueerNet  sowie die Schirmherrin der Veranstaltung, Katarina Barley (SPD, Vizepräsidentin des EU-Parlaments). Sie tragen gemeinsam ein Transparent, auf dem das Motto der Parade zum Christopher Street Day (CSD) steht: „No fear – live queer“ („Keine Angst, lebe queer“, was so viel heißt wie: von der Norm abweichend)

Bereits kurz vor 13 Uhr gibt es in der Fleischstraße  kaum ein Durchkommen. Die insgesamt 20 Gruppen der Demo, die teilweise aus anderen Städten angereist sind, haben sich aufgestellt, um mit einem Zug durch die Innenstadt auf die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) aufmerksam zu machen. Die rund 1000 Demonstrierenden sind bunt gekleidet, tragen Transparente, schwingen Fahnen, singen und tanzen.

Am Straßenrand werden Handys gezückt, es wird gefilmt und fotografiert. In der Brotstraße warten Ilona (Ende 60) und Ursula (Anfang 80), dass die Demo gleich bei ihnen vorbeikommt. Sie stehen hinter dem Anliegen der Teilnehmer. „Total loyal“ sind auch Gertrud und Ansgar Lamberty, beide Anfang 60, die einige Meter weiter stehen. Wie viele andere Passanten finden sie es gut, dass diese Parade in Trier stattfindet und queer lebende Menschen für ihre Rechte demonstrieren.

Die meisten der  Zaungäste sind aber sicherlich zufällig Zeugen der Demo. Selbst bei den Bewohnern und Geschäftsinhabern der Straßen hat sich die Veranstaltung offensichtlich noch nicht so ganz herumgesprochen. Nicht nur Alex Rollinger findet: „Da geht noch mehr, wenn ich andere Städte so sehe.“

Umso beeindruckender ist die 25 Meter lange Regenbogenfahne, die von Demonstrierenden getragen wird und einem bunten Fluss gleicht, der an diesem Tag durch Triers schönste Innenstadtstraßen fließt. Jedoch gibt es auch Ewiggestrige, denen der Gedanke an gleichgeschlechtliche Liebe Angst macht. Katarina Barley hat eine schwulenfeindliche Beleidigung von einem der Passanten gehört, wie sie später auf der Bühne erzählt. Auch als der Umzug nach dem Rundgang wieder den Kornmarkt erreicht, raunt eine  offensichtlich bayerische Touristin mit grimmigem Blick auf die CSD-Bühne ihrem einen Meter hinter ihr folgenden Mann verächtlich zu: „Wenn i’ dös‘ scho‘ seh‘...!“

Dass bei den Rechten für LSBTI noch viel Luft nach oben ist, wird auch bei der flammenden Rede von Joachim Schulte klar. Der Bürgerrechtler erhielt im November 2012 für sein Engagement gegen Diskriminierung das Bundesverdienstkreuz am Bande.  „Stonewall war keine Online-Petition“, ruft er ins Mikrofon und erinnert damit an einen Aufstand von Trans- und Homosexuellen gegen Polizeiwillkür vor 50 Jahren in New York. Schulte betont, dass durch Demonstrationen und Sichtbarmachung in der Öffentlichkeit schon viel erreicht wurde.

Er nennt auch Gegenbeispiele, bei denen noch viel getan werden muss.  Schulte weist darauf hin, dass verheiratete schwule Männer, die noch nach 1945 wegen einvernehmlichen Sexes verurteilt wurden, rehabilitiert werden und eine Entschädigung erhalten können. „Über allem steht die Würde“, ruft er und erntet am Ende seiner Rede langanhaltenden Applaus.

Im Anschluss an die Grußworte – fast alle Fraktionen aus dem Stadtrat stehen hinter dem CSD – wird bis in die Nacht gefeiert.

Mal eben ein Spagat fürs Zeitungsbild: Diese Gruppe hat sichtlich Spaß beim Trierer CSD. Die Strecke durch die Fußgängerzone führte auch durch die Fleischstraße. Foto: Karin Pütz

Für das Kulturzentrum Schmit-z, die Trierer und das Ansehen der Stadt war dieser CSD ein voller Erfolg, da ist Alex Rollinger sicher und verkündet bereits für nächstes Jahr: Es wird wieder eine Demo durch die Stadt geben!

Mehr von Volksfreund