Parken auf dem Petrisberg: Wenn 10 Minuten Fußweg zu viel sind

Kostenpflichtiger Inhalt: Parken auf dem Trierer Petrisberg : Parken auf dem Petrisberg Trier: Um 8 Uhr fangen die Pöbeleien an

Während auf der Parkfläche am Turm Luxemburg in Trier gähnende Leere herrscht, gibt’s 800 Meter weiter jeden Morgen Streit um rare Stellplätze. Die Grünen wollten Abhilfe schaffen – setzten sich im Stadtrat allerdings nicht durch.

Stefanie Lieser-Boesen kann das Schauspiel jeden Morgen aus der ersten Reihe beobachten: Vom erhöhten Verkaufsfenster ihres Bäckereiwagens hat sie den besten Blick über den Parkplatz vor dem Ärztehaus auf dem Trierer Petrisberg. „Um 8 Uhr ist alles voll. Dann fangen die Pöbeleien an, weil alle sehr gereizt sind auf der Suche nach einem Parkplatz“, berichtet die Verkäuferin. Wer zu spät kommt, aber dringend zur Arbeit oder zu einem Arzttermin muss, stellt sein Auto dann auch schon mal in den Zufahrten, auf den Schotter- und Grünflächen oder auf einem der gemieteten und reservierten Privatparkplätze ab. „Dann kommt der Abschleppdienst – und es gibt noch mehr Streit“, sagt Lieser-Boesen. Besonders bitter sei das für die Patienten, die zum orthopädischen Praxiszentrum müssen. „Da können viele schlecht laufen oder haben Schmerzen – und können deswegen gar nicht weiter weg parken.“

Parken auf dem Petrisberg: Während auf der Stellfläche am Turm Luxemburg gähnende Leere herrscht, ist 800 Meter weiter der Parkplatz beim Wissenschaftspark und Ärztehaus überbelegt. Foto: Christiane Wolff

Der tägliche Kampf um einen der kostenlosen öffentlichen Parkplätze vor dem Ärztehaus oder entlang der benachbarten Max-Planck-Straße dauert schon Jahre. „Als das Viertel entwickelt wurde, wurden einfach viel zu wenig Parkplätze angelegt“, schimpft die Mitarbeiterin einer der ansässigen Läden. Ebenfalls seit Jahren ist die Stadt auf der Suche nach einer Lösung für das Problem. Der aktuelle Plan: Eine neue, öffentliche Parkfläche mit knapp 200 Stellplätzen soll hinter den Häusern der Max-Planck-Straße entstehen. Ist diese große Stellplatzanlage einst fertig, sollen die Langzeitparker dort ihre Autos abstellen. Die öffentlichen Parkplätze vor dem Ärztehaus und entlang der Straße stünden dann Patienten und Kunden zur Verfügung, die nur kurz auf dem Petrisberg verweilen. Damit diese Stellplätze nicht trotzdem dauerhaft belegt werden, sind Parkscheinautomaten geplant.

Die Trierer Grünen wollen allerdings mehr: „Die Parkplätze am Ärztehaus und entlang der Straße sollen schnellstmöglich kostenpflichtig werden – bevor der neue große Parkplatz gebaut wird“, sagt Ole Seidel. Seine Forderung hat der Ortsvorsteher von Trier-Kürenz und verkehrspolitische Sprecher der Grünen in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich gemacht. Die Theorie: Sobald die Gratis-Parkplätze etwas kosten, würden die Arbeitnehmer, die ihr Auto dort den ganzen Tag abstellen, nach Ausweichmöglichkeiten suchen. „Und auf dem großen Parkplatz am Turm Luxemburg stehen dafür 120 Parkplätze zur Verfügung, die während der Woche kaum belegt sind.“ Stadt und Politik müssten daher „lenkende Maßnahmen“ einleiten, um die Langzeitparker auf den Platz am Turm Luxemburg umzuleiten. Der geplante neue Parkplatz, für den immerhin rund 6000 Quadratmeter Wiesen- und Ackerland weichen sollen, könnte anschließend wesentlich kleiner ausfallen. „Naturfläche ist ein kostbares Gut, das man nicht leichtfertig für die Schaffung eines Parkplatzes versiegeln darf“, betont Ole Seidel.

Am heutigen Montagvormittag war die große Stellfläche am Turm Luxemburg tatsächlich nahezu komplett frei. Von dort bis zum Ärztehaus am Wissenschaftspark sind es rund 800 Meter Fußweg. Acht bis zehn Minuten Gehzeit also.

Die Bildmontage zeigt: Die neue öffentliche Stellfläche mit insgesamt 192 Parkplätzen soll – je nach Blickrichtung – vor beziehungsweise hinter den so genannten Kronengebäuden entstehen. Foto: Stadt Trier/Stadtplanungsamt

„Grundsätzlich kann man diese Strecke natürlich auf sich nehmen – ein paar Meter zu Fuß tun schließlich ja auch gut“, sagt Anne Thönnes. Die junge Frau arbeitet im Sanitätshaus Kersting und ist eine von denen, die jeden Morgen ihren Wagen auf dem kleinen, überfüllten Parkplatz für den kompletten Arbeitstag abstellen. „Aber für mich kommt es trotzdem nicht infrage, am Turm Luxemburg zu parken. Denn der Kindergarten meines Sohnes macht erst um 7.30 Uhr auf, um 8 Uhr habe ich Arbeitsbeginn – das schaffe ich von Köwerich aus gerade so. Zehn Minuten Fußweg zusätzlich sind da leider nicht drin“, bedauert Anne Thönnes.

Der Vorschlag der Grünen stieß auch im Stadtrat auf Ablehnung. Würden die Planungen für den Bau des neuen Parkplatzes jetzt auf Eis gelegt, bedeute das eine monatelange Verschiebung der dringend benötigten Stellfläche, sagte Baudezernent Andreas Ludwig (CDU). Der CDU-Fraktionsvorsitzende Udo Köhler meinte, dass es den Langzeitparkern kaum zuzumuten sei, auf dem Parkplatz am Turm Luxemburg zu parken. Auch SPD-Sprecher Andreas Schleimer sprach sich dafür aus, den neuen Parkplatz wie geplant zu bauen. Mit großer Mehrheit stimmte der Rat schließlich den Vorplanungen dafür zu. Wann der Bau der großen Stellplatzanlage auf den Äckern und Wiesen beginnt, steht noch nicht fest.

Mehr von Volksfreund