Parkplatz statt Kirche, Graffiti statt Garnison

Parkplatz statt Kirche, Graffiti statt Garnison

Auf dem Gelände der Deutschherrenkommende treffen mehrere Baustil-Epochen aufeinander, doch Parkplätze und hässliche Ecken trüben das Bild. Das Trier-Forum rief nun zur Diskussion zwischen Bürgern und Stadt auf.

Trier. Optisch einladend ist der Ort nicht, den das Trier-Forum als Treffpunkt für die dritte Veranstaltung seiner Vor-Ort-Reihe angesetzt hat: Überall auf dem großen Parkplatz vor der Deutschherrenkommende in der Ausoniusstraße, direkt angrenzend an die Berufsbildende Schule, liegen Zigarettenkippen herum. Die Dächer der zahlreichen geparkten Autos glänzen im Licht der Abendsonne. Die Anlage mit der dazugehörigen Orangerie aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ein Nebengebäude, in dem heute ein Kulissenlager des Theaters und der Musikclub Villa Wuller untergebracht sind, ist noch älter und diente vor langer Zeit als Wohn- und Arbeitsstätte des Garnisonsbäckers. Und heute? Das Gras sprießt, die alten Häuserwände sind mit zahlreichen Graffiti verunziert. Von den herrschaftlichen Gebäuden und der großen Parkanlage mit exotischen Pflanzen und Statuen von einst ist nicht mehr viel übrig. "Wir wollen ein Gespräch zwischen Bürgern und Stadt anstoßen. Hier ist viel stadtgestalterisches Potenzial. Man muss nur sehen, wie man es nutzen kann", erläutert Trier-Forum-Vorsitzende Constanze Küsel den Sinn der Veranstaltung, die Bewusstsein schärfen und Diskussionen anregen will. Das historische Wissen über das Gelände liefert der promovierte Kunsthistoriker Jens Fachbach, der die Gruppe zu den verschiedenen noch erhaltenen Gebäuden führt und in seinem Vortrag auf die geschichtlichen Hintergründe der Bauten eingeht. Während er auf den Parkplatz blickt, erzählt er von einer Kirche, die im 14. Jahrhundert an dieser Stelle gestanden und von französischen Besatzern zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als man den Deutschorden auflöste, abgerissen wurde. Anders als die alte Kirche steht die Trierer Stadtmauer aus dem Mittelalter teilweise noch, sie sitzt auf Fundamenten, die sogar noch weiter zurück, nämlich bis in die Zeit der Römer, datieren. "Das Besondere an diesem Gelände ist, dass viele Epochen und Aspekte auf engem Raum aufeinandertreffen", betont Constanze Küsel.
Etwa 30 Besucher sind gekommen, darunter auch Mitarbeiter des städtischen Bauamts und Jürgen Grabbe, Triers Bürgermeister und Kulturdezernent von 1992 bis 2002. Grabbe wehrt sich gegen den Vorwurf, das Gelände sei im Rathaus in Vergessenheit geraten: Zu seiner aktiven Zeit, erzählt er, habe der Plan bestanden, die Musikschule in das Gebäude der Deutschherrenkommende ziehen zu lassen und in der Orangerie eine Art Kammermusiksaal einzurichten. Der Plan sei aber obsolet geworden, als die Musikschule dann stattdessen in das frei gewordene Gebäude der Grundschule St. Paulin zog.
Auch die Mitarbeiter der Verwaltung weisen Kritik zurück: "Wir haben diesen Bereich als entwicklungsbedürftig erkannt", sagen sie. "Trier hat derzeit aber viele Projekte gleichzeitig in der Pipeline. Wir haben derzeit nicht das Budget, ganz neue Projekte anzugehen. An Ideen, wie man das Gelände angemessen nutzen könnte, mangelt es nicht." Dass das Gelände stadtgestalterisches Potenzial hat, darin scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein - wann sich am Status quo etwas ändert, bleibt am Ende der Diskussion aber offen.Extra

Beim vierten und letzten Teil der Vor-Ort-Reihe des Vereins Trier Forum geht es um mögliche neue Standorte für die Hauptfeuerwache. Termin: Donnerstag, 29. September. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr am Eingang ehemaliges Polizeipräsidium (Südallee). daf

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