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Partnerschaft Trier - Weimar: So feierten Ost und West die lang ersehnte Einheit

Partnerschaft Trier - Weimar : So feierten Ost und West die ersehnte Einheit

Letzter Teil der Serie zur deutsch-deutschen Städtepartnerschaft: Wie die großen Festakte am 3. Oktober 1990 abliefen, wie Bürger die Einheit mit Leben füllen und was den Umgang der Menschen aus Trier und Weimar miteinander ausmacht.

Am 6. Mai 1990 fanden in der DDR die ersten demokratischen Kommunalwahlen statt. In der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Weimar am 6. Juni 1990 wurde Wolfgang Hentzschel (CDU), Professor an der Hochschule für Architektur und Bauwesen, zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Aber bereits am 2. Juli 1990 erklärte er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt.

Am 27. Juli 1990 wurde der von der CDU vorgeschlagene Verwaltungsjurist Dr. Klaus Büttner mit Mehrheit zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Weimar gewählt. Am 23. August beschloss die DDR-Volkskammer mit großer Mehrheit den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Am Morgen des 20. September stimmte die Volkskammer mit 299 gegen 90 Stimmen für den Einigungsvertrag. Ebenfalls am 20. September 1990 erfolgte die Abstimmung des Bundestages: 442 Abgeordnete stimmten für, 47 Abgeordnete gegen den Vertrag. Als Datum für den Beitritt wurde der 3. Oktober 1990 beschlossen.

Den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 zu feiern, war für die Partnerstädte Trier und Weimar selbstverständlich. Hatten sie doch die Entwicklung von einem sehr schwierigen deutsch-deutschen Verhältnis im Jahr 1986 (der Kalte Krieg bestimmte die politische Situation) bis zur Wiedervereinigung miterlebt. Sie hatten ein Stück Geschichte über eine lebendige Städtepartnerschaft mitgestaltet.

Der „Festplatz“ war in Trier vorgegeben: der Trierer Hauptmarkt. Er ist ein Symbol für die Geschichte der Stadt. Für  den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 war der Trierer Hauptmarkt der angemessene Platz. Die Feier begann nachmittags gegen 17 Uhr. Der Hauptmarkt war überfüllt.

Ein Redner war Regierungspräsident Gerhard Schwetje. Er richtete den Blick nach Europa. In meiner Rede als Trierer Oberbürgermeister wies ich auf die bevorstehenden großen Aufgaben hin. Wer die Planwirtschaft abschaffe, lande nicht zwangsläufig in der Marktwirtschaft. Ich sagte: „Wir stehen erst am Anfang eines geeinten Deutschlands, das durch eine friedliche Revolution der Bürger und durch eine große politische Leistung in Ost und West möglich geworden ist.“

Die Grüße der Partnerstadt Weimar übermittelte Asta-Sibylle Schröder, die Weimarer Sozialdezernentin. Der Trierische Volksfreund stellte ihre Rede an den Anfang der Berichterstattung über diesen großen Tag: „‚Mein Herz ist voll!‘ Diese tief bewegenden Worte der Vertreterin der Stadt Weimar drückten mehr aus als alle Festreden. Denn nur die Menschen, die selbst die Tyrannei und Unfreiheit, die Bevormundung und Bespitzelung, das Eingeschlossensein hinter Mauern und Stacheldraht in diesen 40 Jahren bis in die Privatsphäre der Familien hinein erdulden mussten, können ermessen, was es heißt, in der Gemeinschaft eines freien Volkes ihre Zukunft zu gestalten. Dass sie dabei unserer Hilfe und Solidarität bedürfen, sollte für uns alle, die wir das Glück hatten, in einem der freiheitlichsten Länder dieser Erde aufzuwachsen, ein Akt selbstverständlicher Nächstenhilfe und Nächstenliebe sein.“

Den Abschluss des Tages bildete im Trierer Dom ein ökumenischer Gottesdienst, in dessen Verlauf Superintendent Ernst Volk und Bischof Hermann-Josef Spital zu den Gläubigen sprachen. Ein würdiger Abschluss eines großen Tages in der langen Trierer Geschichte.

Natürlich wurde auch in der Partnerstadt Weimar angemessen gefeiert. Die Grüße der Stadt Trier überbrachte Bürgermeister Walter Blankenburg. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand dort eine feierliche Versammlung der Stadtverordneten im Deutschen Nationaltheater. Das „Thüringer Tageblatt“ berichtete: „Die neue, alte Nationalhymne fand einen wunderbaren Rahmen. (...) Fast andächtig und besinnlich, sich der Tragweite ohne enthusiastischen Bombast bewusst, erhoben sich alle Anwesenden und lauschten der von einem Teil der Staatskapelle intonierten Hymne.“

Die deutsche Einheit war formal vollzogen. Es blieb die Frage, ob eine deutsch-deutsche Städtepartnerschaft nach der Wiedervereinigung noch eine Berechtigung habe. Denn eine Partnerschaft zwischen zwei Städten aus demselben Land ist ungewöhnlich. Für Trier und Weimar gab es in dieser Frage sehr schnell eine Übereinstimmung. Die Partnerschaft war ein wertvolles Stück der Geschichte beider Städte. Konnte man sich aus dieser Geschichte verabschieden?

Nachdem die frei gewählte Stadtverordnetenversammlung in Weimar bereits am 31. August 1990 einstimmig die 1987 begründete Städtepartnerschaft bestätigt hatte, erfolgte am 19. Oktober 1990 in Trier ein entsprechendes Votum in einer feierlichen Stadtratssitzung. Eine Erklärung zur Fortführung der Städtepartnerschaft wurde vom Weimarer Oberbürgermeister und mir unterzeichnet. „Jeder, der die heute unterzeichnete Urkunde  mit der alten vergleicht“, sagte Klaus Büttner, „wird den neuen Geist, den die politische Entwicklung der vergangenen zwölf Monate hervorgebracht hat, verspüren. (...) Für Weimar kann ich sagen, dass die politische Kraft, die uns in die Gemeinschaft der freien Städte zurückgeführt hat, weiterwirken wird, fruchtbar werden wird für ein Miteinander der Menschen in unseren Städten. Die Menschen selbst werden die weitere Entwicklung gestalten.“

Sehr oft wurde am 3. Oktober und in den Wochen danach daran erinnert, es sei nun wichtig, die Einheit mit Leben zu erfüllen; sie müsse vor allem durch die Menschen vollzogen werden. Für die Deutschen in der ehemaligen DDR war die Wiedererlangung der Freiheit, die Vereinigung, ein täglicher Prozess mit großen Problemen. Vieles wurde anders. Und es stellte sich heraus, dass   Verständigungsprobleme zwischen den Menschen in Ost und West noch vorhanden waren. Die Mauer in den Köpfen war noch nicht ganz abgerissen. Die Folge war: Eine „Ossi-Wessi-Diskussion“ bestimmte lange Zeit nach der Wiedervereinigung das menschliche Miteinander in Deutschland.

Zwischen Trierern und Weimarern gab und gibt es diese Diskussion nicht. Die Partnerschaft Trier-Weimar ist auch nach dem 3. Oktober 1990 bis heute geprägt von zahlreichen Freundschaften, Begegnungen und Kontakten. Heute  leisten die beiden Partnerschaftsgesellschaften in Trier und Weimar verdienstvolle Arbeit, die regelmäßig zu Begegnungen der Bürger beider Städte führt.

Die Folgen dieses Miteinanders sind deutlich: Für die Trierer sind  die Weimarer keine Ossis, sondern  Freunde, die man mit ihren Sorgen und Problemen kennt. Für die Weimarer sind die Trierer keine Besserwessis, sondern man schätzt sich entgegen aller oberflächlichen Vorurteile. Man begegnet sich auf Augenhöhe.

Am 3. Oktober 1990 feierten Tausende die deutsche Einheit auf dem Hauptmarkt in Trier, darunter auch Gäste aus Weimar. Foto: Archiv Helmut Schröer
Vor dem Weimarer Rathaus weht auch die Trierer Stadtfahne mit Petrusfigur (links). Foto: Archiv Schröer
Dezernentin Asta-Sibylle Schröder überbringt am 3. Oktober 1990 in Trier Grüße aus Weimar. Foto: Archiv Helmut Schröer

Die deutsch-deutsche Städtepartnerschaft war 1987 ein erster, ein mutiger Schritt. Wohin führte dieser Schritt? Es ist deutlich: Für die innere Einheit in Deutschland, für das weitere Zusammenwachsen unseres Landes sind deutsch-deutsche Städtepartnerschaften auch heute noch von herausragender Bedeutung.