Partnerschaft über den Atlantik hinweg

Die meisten Bewohner der kleinen brasilianischen Stadt Bom Principio sind Nachkommen deutscher Auswanderer. Sie selbst nennen ihre Stadt Winterschneiss - angelehnt an den Namen des Gründers Wilhelm Winter. Auf der Suche nach ihren deutschen Wurzeln wurden die Winterschneisser in Klüsserath fündig. Das Ergebnis ist nun eine Partnerschaft zwischen den beiden Orten.

Klüsserath. Als die Gemeinden Klüsserath und Winterschneiss im vergangenen Jahr ihre Partnerschaft mit Urkunden und Gedenktafeln besiegelten, war dies nur der Schlusspunkt einer jahrelangen Entwicklung. Tatsächlich geht der erste transatlantische Kontakt schon auf den Januar 2005 zurück. Damals hatten Heimatforscher aus der kleinen Stadt im brasilianischen Süden nach den Ursprüngen des deutschen Auswanderers Wilhelm Winter gefragt. Winter gilt als Gründer der Siedlung, die später ihm zu Ehren auf Winterschneiss getauft wurde. Der Ort liegt im südlichsten brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul und zählt heute rund 12 000 Einwohner, von denen etwa 11 000 deutscher Abstammung sind. Die offizielle Amtssprache ist natürlich Portugiesisch, doch untereinander sprechen die Winterschneisser "Deitsch". Wie das für deutsche Ohren klingt, vermitteln Videofilme, die Klüsseraths Ortsbürgermeister Norbert Friedrich in Winterschneiss gedreht hat: Deitsch wirkt wie ein Verschnitt aus moselfränkischen, saarländischen und Hunsrücker Sprachelementen. Dem Dialekt ist anzumerken, dass die direkte Verbindung zum Deutschen schon seit rund 170 Jahren unterbrochen war.

1824 gingen die Winters in Bremerhaven auf die Reise



Die Anfrage aus Brasilien führte auch in Klüsserath zu intensiven Nachforschungen. Heute kann Ortsbürgermeister Friedrich die Ergebnisse der Erkundungen auf beiden Seiten des Atlantiks präsentieren: Anfang des 19. Jahrhunderts führten schwierige wirtschaftliche und soziale Verhältnisse zu einer Auswanderungswelle. Ab 1824 bot insbesondere Brasilien den deutschen Auswanderern gute Startbedingungen. Im Februar 1829 gingen die Klüsserather Eheleute Jakob und Irmina Winter, geb. Welter, in Bremerhaven auf ein Schiff in Richtung Brasilien. Mit dabei waren vier ihrer Kinder. Vater Winter überlebte die Überfahrt nicht, und die Mutter musste sich alleine durchschlagen. Ihr Sohn Wilhelm, bei der Einreise 23 Jahre alt, sollte es zum erfolgreichen Geschäftsmann und Stadtgründer bringen. Er starb 1890 als verehrter Bürger "seiner" Stadt. Der Name Winter existiert noch heute als einer von vielen deutschen Namen in Winterschneiss. Die Auswanderer haben Winterschneiss zu einem kleinen Industriezentrum gemacht. Schwerpunkte sind Qualitätsmöbel-Fabriken und Ziegelbrennereien. Ein starker Wirtschaftsfaktor ist auch der Erdbeeranbau. Diese Frucht, einst in der neuen Welt unbekannt, hatten die Einwanderer aus der Heimat mitgebracht.

Ortsbürgermeister Friedrich: "Die gewaltige Entfernung zum Partnerort ist natürlich problematisch. Doch dank Internet herrscht längst ein reger Austausch. Die Winterschneisser lechzen förmlich nach deutschem Kulturgut."

Über Pfingsten erwarten die Klüsserather eine Delegation aus dem Partnerort. Am 21. Mai ist ein Festakt geplant.

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