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Paten für Dachquadrate gesucht

Paten für Dachquadrate gesucht

Wenn die Trierer Welschnonnenkirche in diesen Tagen stattliche 300 Jahre alt wird, ist dies ein trauriger Geburtstag. Die Schäden an der Kirche sind gravierend, das Dach ist marode. Für die dringend notwendige Sanierung sucht die Marianische Bürgersodalität (MBS) Trier jetzt Dachpaten.

Trier. Durch das Dach der Welschnonnenkirche in der Flanderstraße im Schatten des Trierer Doms, pfeift der Wind und tropft der Regen. Die ersten Schieferplatten sind bereits heruntergefallen, das barocke Dachgebälk ist schadhaft, Feuchtigkeit dringt in die Mauern.
"Die Welschnonnen haben es geschafft, im Dialog mit den damaligen Trierern ihre Klosterkirche in drei Jahren zu erbauen und 1717 einzuweihen. Da sollten wir es doch auch schaffen, das Dach in drei Jahren im Dialog mit den heutigen Trierern bis 2017 zu sanieren", sagt Anton Viktor Wyrobisch, Präfekt der Marianischen Bürgersodalität (MBS) Trier, der Eigentümerin der Welschnonnenkirche.
Eine einzige Glocke erhalten


Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass nicht nur die Naturschiefereindeckung und der Dachstuhl dringend saniert werden müssen, sondern auch die Werksteine, der Putz, der Anstrich der Fassaden und des Innenraumes. Die Kostenberechnung von Bistumsarchitekt Marcell Hürtgen hat Gesamtbaukosten von rund 790 000 Euro ergeben.
Anton Viktor Wyrobisch steht mit hochgekrempelten Ärmeln mitten im barocken Dachstuhl am Seil zum Läuten der Pierre-Fourier-Glocke, der einzigen der drei Glocken, die erhalten ist.

Er erzählt, wie er gemeinsam mit polnischen Helfern vor zwei Wochen das Gewölbe im wahrsten Sinne des Wortes von den Lasten der Jahrhunderte befreit hat: Zehn Tonnen Bauschutt, Bruchsteine, Schieferstaub, Sand, Taubenkot und Dreck hat das mit Mundschutz ausgerüstete Team in Plastiksäcke gestopft, drei Container voll.
Der Anfang der Dachsanierung ist gemacht. "Mit jenem Geist, der beim Bau die Bewohner der Stadt prägte und die Kirche durch die Jahrhunderte erhalten hat, gilt es heute, dieses Wahrzeichen zu bewahren", sagt der ehemalige AVG-Religionslehrer, dem keine Stunde zu viel ist, sich für die Kirche zu engagieren.
Die Marianische Bürgersodalität, der Förderverein und die Schüler-Arbeitsgemeinschaft "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" am Auguste-Viktoria-Gymnasium setzen sich ein für ihre Idee der Dachpatenschaft: Dachquadrate können für 48,50 Euro erworben werden. 750 sind schon verkauft. Jeder Dach-Pate erhält eine Patenurkunde und eine Spendenbescheinigung, und es wird dokumentiert, für welches Quadrat der Dachfläche man Pate ist.
Spenden werden erbeten auf das Konto der Marianischen Bürgersodalität (MBS) Trier, Stichwort: Welschnonnenkirche sucht Dachpaten, Kontonummer: 106 1423, Sparkasse Trier, BLZ 585 501 30, IBAN: DE29585501300001061423, BIC: TRISDE55.
Extra

Welschnonnen: Fast 250 Jahre lang setzten sich die Trierer Welschnonnen für die Gleichbehandlung von Mädchen und Frauen ein und prägten in einer Zeit sozialer Umbrüche die Sozialgeschichte mit. Sie überstanden die Französische Revolution (Säkularisation), da sie als Schulorden einem "nützlichen Zweck" dienten. Erst die Preußische Verwaltung hat sie 1875 im "Kulturkampf" vertrieben. Nach der Aufhebung gingen Kloster und Schule in staatlichen, die Kirche in kirchlichen Besitz über. Das ehemalige Kloster- und Schulgebäude beherbergt heute das Auguste-Viktoria-Gymnasium und wird derzeit von der Stadt als Eigentümerin restauriert. sbn