Pendler im Dienste der Musik

"Die Chemie stimmte sofort": Stolz und Zufriedenheit schwingen in Jan Wilkes Worten mit. Nach mehrmonatiger, intensiver Sichtung von Bewerbern für die künstlerische Leitung des Trierer Spee-Chors fiel die Entscheidung zugunsten des 34-Jährigen aus dem Rhein-Neckar-Raum.

Trier. Jan Wilke ist seit November 2014 verantwortlich für den Erfolg des mit rund 80 Sängerinnen und Sängern gut aufgestellten Friedrich-Spee-Chors. Der studierte Schulmusiker, der für Chorleitung, Orgelspiel und Eigenkompositionen mehrfach ausgezeichnet wurde, verfügt über jahrelange Erfahrung in der Chorarbeit. Erst vor knapp einem halben Jahr kehrte er aus Birmingham zurück, wo er ein Aufbaustudium in Chorleitung mit Auszeichnung abschloss.
Der Trierer Chor bietet ihm, der sich im beruflichen Aufbau befindet, breiten Raum, sein Wissen und Können anzuwenden sowie seine Vorstellungen von Chorarbeit umzusetzen. Solange Musik museal bleibe, sei ihr Potenzial nicht ausgeschöpft. Sie müsse die Menschen von heute ansprechen, sagt der vielseitige Vollblutmusiker.
Für das Karfreitagskonzert werden fünf Werke aus dem 21. Jahrhundert geprobt. Allerdings betont Wilke, dass "die Leute keine Angst haben, sondern gespannt sein sollen, wenn sie zu mir ins Konzert gehen". Er lege viel Wert auf eine sorgfältige Programmplanung und verbringe viel Zeit mit der Suche nach neuer Chorliteratur. Auch eigene Kompositionen können zur Aufführung kommen - aber nur, wenn der Chor das wolle.
Offenheit gegenüber Neuem, das Bewahren traditionsreicher Chorliteratur sowie die Entdeckung unbekannter und zeitgenössischer Werke kennzeichnen den neuen Dirigenten. Die alte Chormusik stellt für Wilke einen "großen Schatz" dar, der bewahrt werden müsse. Innerhalb der Tradition gelte es, weiterzuarbeiten. So soll etwa das Weihnachtssingen beibehalten werden. Diese bei Trierern beliebte Tradition wurde von Karl Berg ins Leben gerufen, der den Friedrich-Spee-Chor 1964 gründete und über fast drei Jahrzehnte zu einem leistungsstarken und renommierten Klangkörper ausbildete. Es folgte für fünfzehn Jahre Martin Folz. Anschließend setzten Thomas Hofereiter und Sebastian Glas dessen erfolgreiche Chorarbeit auf hohem Niveau fort.
Für den nicht verheirateten Wilke, der in Heidelberg und Mannheim studiert hat, ist die wöchentliche Anreise kein Problem, wie er sagt. Schließlich sei die Arbeit mit "seinem" Chor spannend - und das Vertrauen, das man ihm schenke, von großer Bedeutung.
Wilke ist derzeit auch als Kantor an der Evangelischen Friedenskirche in Ludwigshafen tätig und geht seiner Leidenschaft als musikalischer Begleiter von Stummfilmen mit eigenen Kompositionen und Live-Auftritten nach. Nur, wenn er Romane liest, beschäftig er sich nicht mit Musik. mab