Per Handy zu den Stolpersteinen
Trier · Wer ein iPhone besitzt, kann sich seit Neuestem mit Hilfe einer kostenlosen App zu den Stolpersteinen in Trier leiten lassen - und sich näher über das Schicksal der Nazi-Opfer informieren. Ende des Jahres soll die App auch für Android-Handys zur Verfügung stehen.
Seit wenigen Tagen kann sie für das iPhone gratis heruntergeladen werden: die App unter dem Namen "Stolperstein Guide". Mit ihr kann man sich zu insgesamt 84 verlegten Gedenksteinen in Trier lotsen lassen. Sechs Routen werden aufgezeigt: Mitte, Süd, Nord, Kinder, Frauen und Widerstand. Sie sind zwischen zwei und vier Kilometern lang und dauern zwischen 19 und 48 Minuten. "Wir haben die bereits existierenden Routen der AGF übernommen", erklärt Alexander Prümm (24), Intermedia-Design-Student der Hochschule Trier. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Kim Becker (24) und Peter Nürnberger (25) hat er die App entwickelt. "Zu vielen Steinen gibt es Kurzbiografien, Fotos und Videos", sagt Becker. Weiteres Wissenswertes zu einzelnen Stolpersteinen können Nutzer der App in einem Lexikon nochmal nachschlagen.
Das Projekt startete bereits vor zwei Jahren im Hypermedia-Seminar Praxis-Kooperation unter der Leitung des Dozenten Marcus Haberkorn. Hinter dem Seminarnamen verbirgt sich, dass die Studenten ein Projekt für einen externen Partner verwirklichen sollten. Auch die AGF war mit dem Wunsch an die Hochschule herangetreten, das Projekt Stolpersteine quasi modern für Smartphones aufzubereiten.
Das Seminar ist längst abgeschlossen, aber das Studenten-Trio hat weitergemacht und dabei manche Hürde überwinden müssen: "Eine Karte, die wir verwendet hatten, wurde zwischendurch von Apple rausgenommen", erklärt Kim Becker. Das Projekt sei dadurch stark zurückgeworfen worden. Die kreativen jungen Männer haben dann "selbst eine gebastelt", wie sie sagen.
Vor wenigen Tagen gab es den Lohn für die Arbeit: Apple teilte in einer E-Mail mit, dass der Stolpersteine Guide ab sofort im AppStore zum Herunterladen bereitstehe.
Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) sagt: "Der Stolpersteine Guide ist ein sehr gutes und zukunftsweisendes Medium, um das Projekt Stolpersteine bekannter zu machen." Die App ergänze Broschüren und Führungen, und sie könne besonders jungen Menschen die Menschenverachtung der Nazis vergegenwärtigen.
Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Stolpersteine-Projekt an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dazu werden vor deren früheren Wohnorten kleine Gedenksteine in den Boden verlegt - zehn Kubikzentimeter große Betonwürfel, die auf ihrer Oberseite mit einer Messingplatte versehen sind. Darauf sind die Lebensdaten des Opfers eingraviert. Die AGF hatte Demnigs Projekt gemeinsam mit dem Kürenzer Kulturverein nach Trier gebracht. Laut Pflüger hat Demnig in Trier bislang 146 Stolpersteine verlegt. Die App wird weiter wachsen: "Wir verwalten die Datenbank und füttern sie mit Infos zu weiteren Stolpersteinen", sagt Nürnberger. Ende des Jahres soll es die App auch für Android-Smartphones geben.
Weitere Infos:
www.stolpersteine-guide.de