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Per Zug, Seilbahn und Tram ins Ländchen

Per Zug, Seilbahn und Tram ins Ländchen

Auf Triers westlicher Bahnstrecke werden wohl erst 2018 Personenzüge nach Luxemburg pendeln. Eine Standseilbahn soll dann die Pendler von einem neuen Bahnhof im Luxemburger Pfaffenthal auf den Kirchberg bringen. Aber auch auf deutscher Seite sind noch einige Hausaufgaben zu erledigen.

Trier. Rechts überholen, Drängeleien im ständigen Stau und Beschimpfungen von Autofenster zu Autofenster: Was Luxemburg-Pendler über ihren täglichen Arbeitsweg erzählen, ist nicht beneidenswert. Und auch die laut Mitfahrern überfüllten und im Winter häufig ungeheizten Shuttle-Busse sind mitunter unangenehm. Echte Abhilfe schaffen könnten Personenzüge, die auf der sogenannten Westtrasse von Trier-Ehrang bis nach Luxemburg fahren.
Zurzeit rollen auf der Strecke nur Güterzüge. Für die politisch von Land und Trierer Stadtrat gewollte Reaktivierung des Personenverkehrs hatte der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bislang "2015 plus" als zeitlichen Horizont angegeben. Mittlerweile wird SPNV-Chef Thomas Geyer konkreter: "Ich bin sehr optimistisch, dass 2018 Personenzüge auf der Strecke fahren."
Das schon bis 2015 zu schaffen, wäre ohnehin schwierig geworden: Denn die vier Haltepunkte, die alleine am durchs Trierer Stadtgebiet laufenden Streckenabschnitt noch gebaut werden sollen (Mäusheckerweg/Hafenstraße, Trier-West, Messeplatz, Zewen) sind bislang noch nicht konkret geplant, geschweige denn finanziert. Zudem soll auch die direkte Anbindung der Eisenbahntrasse an das Luxemburger Banken- und Gewerbeviertel Kirchberg - ohne die der Pendlerzug wohl nicht ausgelastet wäre - erst 2018 fertig werden. Denn das Vorhaben, die Pendler vom Luxemburger Hauptbahnhof per neuer Eisenbahnlinie über Flugplatz und Messegelände auf den Kirchberg zu bringen, sind ad acta gelegt. "Aus Kostengründen", erklärt Marc Hoffmann, Vorstandsmitglied der Luxemburger Staatsbahn CFL. Stattdessen plane man einen neuen Bahnhof an der bestehenden Eisenbahnlinie durchs Pfaffenthal. Unterhalb der Großherzogin-Charlotte-Brücke, besser bekannt als Rote Brücke, soll die neue Haltestelle entstehen. "Von dort werden die Pendler dann per Standseilbahn auf den Kirchberg befördert", erklärt Hoffmann die Pläne. An der oberen Station dieses Schrägaufzugs (siehe Extra) am westlichen Ende des Kirchberg-Plateaus, in Nähe der Philharmonie, soll dann eine neue Straßenbahn die Pendler zu ihren jeweiligen Arbeitsstätten bringen. "Wir investieren in Bahnhof und Aufzug rund 100 Millionen Euro", erklärt CFL-Chef Hoffmann. Realistisch betrachtet, könnte die neue Infrastruktur Anfang 2018 bereitstehen. "Vor diesem Zeitpunkt würde die Reaktivierung der Westtrasse in Trier nur wenig Sinn machen", sagt SPNV-Chef Geyer. Schließlich müsse sich die Strecke vorrangig über die Pendler finanzieren.
Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen will die Sache trotzdem vorantreiben. Nachdem Anfang Dezember statt 2015 das neue Datum 2018 vom SPNV ins Gespräch gebracht worden war (der TV berichtete), vereinbarte Jensen einen Termin mit Landesverkehrsminister Roger Lewentz (SPD). "Herr Lewentz hat Oberbürgermeister Jensen dabei die feste Zusage gegeben, dass der Bau der Strecke in Mainz weiter Priorität hat - und durchaus schon früher als 2018 fertiggestellt werden könnte", erklärt Rathaus-Sprecher Ralf Frühauf.
Im städtischen Etat für 2012 stehen 150 000 Euro bereit, um zumindest die Planung der Trie rer Haltepunkte anzugehen. Jeder der Bahnhöfe kostet laut SPNV-Chef Geyer rund zwei Millionen Euro. Mindestens 85 Prozent davon soll das Land übernehmen.Extra

Standseilbahnen überwinden auf kurzer Strecke starke Höhenunterschiede. Die Wagen fahren auf Schienen und werden durch Drahtseile bewegt. In Deutschland gab es die erste Standseilbahn bereits 1877 in Zeiz in Sachsen-Anhalt. In Rheinland-Pfalz ist eine Standseilbahn in Bad Ems in Betrieb. Die Luxemburger Standseilbahn soll auf einer Strecke von 250 Metern eine Höhe von 50 Metern überwinden. woc