"Perlen" für Trier-Nord

Während mit einer Bebauungsplan-Änderung weitere Bordell-Ansiedlungen im Gewerbegebiet von Trierweiler verhindert werden sollen, steht in Trier-Nord die Eröffnung eines Etablissements bevor.

Trierweiler/Trier. "Club Pearls" steht in großen Lettern auf der Giebelfront des terracotta-farbenen Hauses in der Rudolf-Diesel-Straße. In diesem Anwesen soll am 15. September das dritte Etablissement der Pearls-("Perlen"-)Kette eröffnet werden; Clubs existieren bereits in Prüm und in Trierweiler.

Trierweiler will keinen Rotlicht-Bezirk

Die Neueröffnung im Gewerbegebiet von Trier-Nord kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bordell-Betreiber Rigo Wendt in Trierweiler die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. Er möchte dort nämlich wegen Problemen mit seinem Vermieter in ein anderes Domizil im gleichen Gewerbegebiet umziehen (der TV berichtete). Verhindern möchte dies der zuständige Zweckverband Wirtschaftsförderung im Trierer Tal. Er fürchtet, dass das Image des Gewerbegebiets durch die Ansiedlung weiterer Freudenhäuser leidet und die Immobilien der dort ansässigen Geschäftsleute an Wert verlieren. Die Gemeinde Trierweiler, der Kreis Trier-Saarburg und viele Anwohner (in dem Gewerbegebiet leben auch Familien mit Kindern) unterstützen dieses Vorhaben. Sie haben Angst, dass der Rotlichtbezirk weiter ausufert. Um dieses Ansinnen auch rechtlich abzusichern, soll der Bebauungsplan dahingehend geändert werden, dass eine Ausschluss-Klausel für Bordelle und ähnliche Betriebe aufgenommen wird.

Bestehende Clubs haben Bestandsschutz

Die beiden bestehenden Bordelle, das Pearls und ein Sauna-Club, genießen einen Bestandsschutz, der allerdings nicht personen- sondern objektbezogen ist. Deshalb wird Wendt bei der angestrebten Verlagerung seines Betriebes vom "Keitelsberg" in die Bergstraße wie ein Bewerber behandelt, der ein neues Bordell eröffnen möchte. Seinen Bauantrag hat die Kreisverwaltung einstweilen mit der Begründung zurückgestellt, der Bebauungsplan befinde sich in einem Änderungsverfahren. Die Rechtmäßigkeit dieser Zurückstellung bestätigte das Verwaltungsgericht Trier mit Urteil vom März, nachdem Wendt den Kreis verklagt hatte.

In seiner Sitzung am 7. September will der Zweckverband den geänderten Bebauungsplan beschließen. Wenn die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord danach keine Einwände habe, kann die Neuerung in Kraft treten. "Ich gehe davon aus, dass es problemlos läuft", gibt sich Zweckverbands-Geschäftsführer Lothar Weis zuversichtlich. Doch Rigo Wendt hat möglicherweise noch ein Trumpf-Ass im Ärmel, die Normenkontrollklage. Die wollen seine Anwälte einreichen, um gerichtlich die Wirksamkeit des Plans überprüfen zu lassen. Wendt: "Ich ziehe das Bauvorhaben bis zum bitteren Ende durch."

In dem neuen Etablissement in Trier-Nord tritt der Pearls-Chef nicht selbst in Erscheinung. Ein Geschäftspartner werde den Betrieb leiten, teilt er mit. Im Genehmigungsverfahren für den dritten Pearls-Ableger war der rechtskundige Wendt allerdings an vorderer Front tätig. Es habe bis zur Genehmigung lange gedauert, sagt er, aber die Stadt Trier sei viel unkomplizierter gewesen als der Kreis Trier-Saarburg und habe sich an die "Rechtslage bei Gewerbegebieten" gehalten. Bordelle seien in Trier nur in Misch- oder Gewerbegebieten zulässig, teilt das Presseamt mit.

Meinung

Grenzen des Wachstums

Freudenhäuser spalten die Gesellschaft. Das war schon immer so und wird sich vermutlich auch nicht ändern. Ihre Daseinsberechtigung wird in der heutigen Gesellschaft kaum mehr angezweifelt, aber in der Nachbarschaft, bitteschön, soll sich gefälligst keines ansiedeln. Es könnte ja auf das Viertel, in dem man wohnt, und womöglich dann auf einen selber negative Auswirkungen haben. Die Kernfrage ist, wie viele Bordelle für eine Gemeinde, in der fast jeder jeden kennt, verträglich sind. Für das Gewerbegebiet Trierweiler ist diese Grenze sicherlich bei zwei Bordellen erreicht. Wenn Kunden dort nachts an Türen klingeln oder Kinder nach dem Weg fragen, sind das Alarmsignale, die Kommunalpolitiker aufhorchen lassen müssen. Ist das Maß auf einem Dorf voll, muss das allerdings nicht für eine Stadt wie Trier gelten. Sie verträgt durchaus einen größeren Rotlichtbezirk. Dass Pearls-Betreiber Rigo Wendt so vehement für den Standort Trierweiler kämpft, zeigt, dass das horizontale Geschäft boomt. Ob er Erfolg hat, werden letztlich die Richter entscheiden müssen. a.follmann@volksfreund.de