Perspektiven für Psychatrie-Patienzen

Perspektiven für Psychatrie-Patienzen

Für psychisch kranke Menschen ist das Wohnen außerhalb einer festen psychatrischen Einrichtung ein Schritt zur gesellschaftlichen Eingliederung. Wie das gelingen kann, vermittelte ein Erfahrungsaustausch auf dem Schönfelderhof bei Zemmer.

Zemmer. (ae) 20 Jahre war Klaus Laupichler aufgrund seiner psychischen Erkrankung in Betreuungseinrichtungen untergebracht. "Man hat mir prophezeit, dass ich es keine zwei Stunden draußen aushalten würde", sagt er "damals war die Schublade für mich zu." Jetzt ist sie wieder offen, seit zwölf Jahren wohnt er in einer eigenen kleinen Wohnung, engagiert sich im Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen und findet sein Leben "wert- und sinnvoll".

Eine solche Entwicklung bedinge Mut, Lernwillen, Training und Unterstützung von außen. Sie sei ein langer Prozess, an dessen Ende nicht "Gesundung", aber "selbstbestimmtes leben mit dem eigenen Handicap" stehe. Davon berichtet Laupichler beim Austausch "Der Weg aus dem Heim - aber wie?" auf dem Schönfelderhof bei Zemmer, zu dem Bewohner der regionalen Heime, Mitarbeiter von Betreuungseinrichtungen und Sozialbehörden zusammengekommen sind.

Angestoßen hat den Austausch Roswitha Beck, Ehefrau von Ministerpräsident Kurt Beck, die sich mit der nach ihr benannten Stiftung und dem Verein zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie für die gesellschaftliche Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen einsetzt.

Einen Schlüssel dazu sieht sie in der Entscheidungsfreiheit "zu wohnen wo und wie man will". Noch aber sei die Unterbringung seelisch Erkrankter zu sehr an institutionelle Vorgaben gekoppelt. Beim Schönfelderhof arbeite man am Prozess der Wiedereingliederung, sagt Albert Mandler, Leiter dessen gemeindepsychiatrischer Angebote. 194 der Klienten des Hofs wohnen selbstständig, 57 in gemeindenahen Wohngruppen und nur 113 noch im Heim. Die Grundposition dahinter: "Eigenverantwortung fördern, auf individuelle Bedürfnisse eingehen". Das gilt auch für Menschen, die den geschützten Raum einer stationären Unterbringung nicht verlassen wollen oder können.

Ihnen ist vor allem mit dem Teilhabeplan (THP) geholfen, eines von zwei Instrumenten, die die rheinland-pfälzische Landesregierung zur Unterstützung eines selbstbestimmten Lebens psychisch kranker Menschen eingeführt hat. Christina Nedoma vom Ministerium erklärt den THP als Vertrag, in dem Betroffene festlegen, wo, wie und mit welchen Hilfen sie leben wollen und welches Ziel sie als nächstes ansteuern.

Als zweites Instrument stellt sie das "persönliche Budget" vor, in Abhängigkeit von Einkommen und Ansprüchen an Sozialkassen bewilligte Mittel für individuelle Dienstleistungen, wenn jemand selbstständig wohnen will. Besonders das sei sehr wertvoll, um das Leben zu meistern und billiger als ein Heimplatz dazu, sagt Klaus Laupichler. In diesem Zusammenhang lobt er Rheinland-Pfalz und die Arbeit von Roswitha Beck: "Das ist einmalig in der BRD, hier wird's angepackt, da kann man den Leuten nur Mut machen."

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