Peter Fritzen bringt Inkunabel aus 15. Jahrhundert wieder nach Trier

Antiquität : Aufgespürt: Seltene Schrift nach Jahrhunderten zurück in Trier

Der Trierer Antiquar Peter Fritzen hat in einem Auktionshaus eine seltene Inkunabel entdeckt. Das Buch aus dem 15. Jahrhundert stammt aus einem Trierer Kloster, vor rund 200 Jahren aber verschwindet es aus der Stadt.

Als der Trierer Antiquar Peter Fritzen im vergangenen Herbst den Katalog eines Auktionshauses durchblättert und eine Inkunabel aus Trier sieht, ist ihm sofort klar, dass es sich um ein besonderes Buch handelt. Bücher werden als Inkunabeln bezeichnet, wenn sie vor dem Jahr 1500 mit beweglichen Lettern gedruckt worden sind. Vor 1480 sind sie selten. Das Buch, das Fritzen entdeckt hat, wurde nicht nach 1475 gedruckt. Er fährt beim Auktionshaus vorbei. Bei welchem, möchte er nicht verraten. Ein großer Teil seiner Arbeit ist das Aufspüren von besonderen Stücken. Vor Ort findet er heraus, dass die Inkunabel aus dem Trierer Kloster St. Maria ad Martyres stammt, wie zwei handschriftliche Eigentumsvermerke belegen – dem heutigen Exhaus.

Der schwere, großformatige Band hat einen Holzdeckel und ist mit blindgeprägtem Rindsleder überzogen. An der Seite sind Metallschließen und an den Ecken alte Kantenbeschläge. Der Einband stammt möglicherweise aus der Trierer Abtei St. Maximin. Darauf deutet ein Rundstempel mit dem Initial „M“ hin, der in der dortigen Werkstatt verwendet wurde. Die Inkunabel ist zweispaltig in gotischer Type auf schwerem vielfach unbeschnittenem Papier gedruckt und mit roten und blauen, handschriftlichen Initialen verziert.

Es ist eine Predigtensammlung von Leonardus de Utino aus Udine, Italien, und trägt den Titel „Sermones quadragesimales de legibus“. Das Buch erschien erstmals 1473. Ein, zwei Jahre später wurde es in Köln nachgedruckt. Dieses Exemplar findet Fritzen. Weltweit gibt es davon weniger als 50 Exemplare. „Leonardus de Utino war extrem beliebt. Seine Werke sind sehr schnell und weit verbreitet worden“, sagt die stellvertretende Amtsleiterin der Stadtbibliothek, Eva Seidenfaden.

1802 wurde das Kloster St. Maria säkularisiert und fast vollständig abgerissen. Die Inkunabel gelangte zur Stadtbibliothek Trier, wie ein Eintrag ihres ersten Direktors, Johann Hugo Wyttenbach, belegt. Dann lösen sich ihre Spuren auf. Sie verschwindet. Oberbürgermeister Wolfram Leibe vermutet, dass das Buch verkauft wurde, um Schulden zu tilgen.

Peter Fritzen ist auch stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier, aber ihm ist klar, dass die Bibliothek so ein Buch nicht aus ihrem Etat finanzieren kann. Also ersteigert er das Buch erst einmal selbst im Herbst für 11 000 Euro. „Ich dachte mir, das Buch ist so interessant für Trier, das muss nach Trier. Ich habe es gekauft, um auf der sicheren Seite zu sein.“

Im März schaut dann Wolfram Leibe bei Fritzen vorbei. Zufällig. Die beiden kennen sich von Basketballspielen der Gladiators. Fritzen führt ihn herum. Ob er denn etwas Besonderes habe, fragt Leibe. Fritzen zeigt ihm die Inkunabel. Leibes Interesse ist geweckt.

Mit Hilfe des Fördervereins der Stadtbibliothek sowie der Sparkasse Trier kauft die Bibliothek das Buch von Fritzen zum Selbstkostenpreis von 11 000 Euro. 6000 Euro bringt der Förderverein auf, 5000 Euro die Sparkasse.

Josef Peter Mertes, Vorsitzender des Fördervereins, ist „sehr froh, dass wir diese Inkunabel für die Stadt Trier erwerben konnten“. An die 3000 Inkunabeln besitzt die Bibliothek Trier, aber wenige so seltene. „Die Inkunabel ist für unsere Geschichte unendlich viel wert“, sagt Oberbürgermeister Leibe.

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