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Petrisberg Trier im Wandel: Militärstützpunkt wird Wohnquartier

Stadtentwicklung : Trierer Petrisberg im Wandel der Zeit - vom Militärstützpunkt zum attraktiven Wohn- und Arbeitsquartier

Der Petrisberg ist nicht nur bei Touristen wegen seiner großartigen Aussicht über Trier beliebt, sondern mittlerweile auch bei den Einheimischen, die hoch über dem Moseltal leben und arbeiten.

Wo liegt der Petrisberg in Trier?

Der Petrisberg zu Trier ist östlich der Innenstadt gelegen und hat eine Höhe von rund 265 Meter. Sowohl bei Einheimischen als auch bei Auswärtigen genießt der Petrisberg eine hohe Beliebtheit als Aussichtspunkt über die rund 100 Meter tiefer liegende Stadt. Nördlich des Petrisbergs liegt das Avelertal im Stadtteil Kürzen, im Süden grenzt der Berg an das Olewiger Tal. Tarforst, ein Stadtteil mit 7000 Einwohnern liegt im Osten und westlich ist der Stadtteil Mitte-Gartenfeld mit knapp 12.000 Einwohnern zu sehen.

Woher hat der Petrisberg seinen Namen und was hat er mit den alten Römern zu tun?

Zurückzuführen ist der Name des Petrisbergs auf den Eigentümer eines dort ansässigen Bauernhofes. Im Mittelalter wurde der Petrisberg über den Dächern Triers maßgeblich als Viehweide genutzt. Die alten Römer nutzten den Berg um 30 vor Christus als Militärlager, ehe sie die Stadt Augusta Treverorum bauten und damit den Grundstein für das heutige Trier legten. Lange Zeit galt der Petrisberg als ältestes Militärlager der Römer in Deutschland, ehe unweit davon in Hermeskeil die Überreste eines 26 Hektar großen römischen Garnisonslagers gefunden wurden, das wohl in der Endphase des gallischen Kriegs zwischen 53 und 50 vor Christus errichtet wurde. Es beherbergte in seinen Hochzeiten bis zu 10.000 Soldaten. Es ist das bis dato älteste bekannte römische Militärlager in Deutschland, eines von dreien aus der Zeit des römischen Staatsmannes Gaius Julius Caesar.

Wie wurde der Petrisberg nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt?

1936 errichteten die Nationalsozialisten auf dem Petrisberg einen Militärkomplex. 1938 wurde in der fertiggestellten Kemmelkaserne das Stammlager Stalag XII D der Wehrmacht eingerichtet. Ein Kriegsgefangenenlager, in dem vor allem beim Westfeldzug ab Sommer 1940 vor allem Belgier, Franzosen und Niederländer inhaftiert wurden. Auch sowjetische Kriegsgefangene wurden auf dem Petrisberg eingesperrt. Die Gefangenen wurden von den Nazis nicht alle gleich schlecht behandelt: Der französische Teil, der von dem russischen Trakt durch einen Elektrozaun getrennt war, durfte Hilfspakete mit Lebensmitteln von den Angehörigen erhalten, während die Gefangenen im russischen Lager von Hunger und Krankheiten geplagt waren. Der berühmteste Insasse im Gefangenenlager auf dem Petrisberg war der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre. Während seiner Gefangenschaft von August 1940 bis März 1941 verfasste Sartre auf dem Petrisberg sein Mysterienspiel „Bariona oder der Sohn des Donners“.

Nach dem Krieg wurde der Militärstützpunkt von den französischen Streitkräften genutzt. 1950 ließ der Sender Trier einen neuen Mittelwellensender auf dem Berg errichten, der allerdings acht Jahre später auf den Markusberg verlegt wurde. Mittlerweile hat die Telekom einen 132 Meter hohen Fernmeldeturm auf dem Petrisberg installiert. Nach dem Abzug der französischen Armee im Jahr 1999 wurde der Petrisberg als Konversionsfläche umgestaltet. 2004 fand hier die Landesgartenschau statt. Mittlerweile ist auf dem Berg über dem Moseltal auf 700.000 Quadratmetern ein neuer Stadtteil entstanden, mit einem attraktiven Wohngebiet im Grünen, vielen Freizeitmöglichkeiten und einem innovativen Wissenschaftspark.

Welche Sehenswürdigkeiten kann man in Trier vom Petrisberg aus sehen?

Vom Petrisberg aus hat man bei schönem Wetter einen wunderbaren Ausblick über die Stadt Trier mit den Weinbergen zu Füßen und der Mosel, die sich durch das Tal schlängelt. So gut wie alle Sehenswürdigkeiten, die die alte Römerstadt an der Mosel zu bieten hat, können aus 265 Metern Höhe bestens gesichtet werden, wie etwa die Porta Nigra oder der Trierer Dom Sankt Petrus, die Römerbrücke oder die Liebfrauen Basilika. Bei besonders schönem und wolkenfreiem Wetter kann man vom Petrisberg aus sogar bis nach Luxemburg schauen. Bei Einheimischen ist der Petrisberg auch als „Knutschkurve“ bekannt, ein romantischer Ort, der bei Verliebten und Romantikern vor allem bei Sonnenuntergang sehr gefragt ist.

Was hat die Landesgartenschau am Petrisberg verändert?

Zur Vorbereitung auf die Landesgartenschau im Jahr 2004 wurde ein 44 Hektar großes Areal auf dem Petrisberg in Trier in einem enormen Kraftakt umgestaltet. Neue Wiesen wurden angelegt, tolle Spielplätze für Kinder gebaut, eine Skaterbahn und Kultur-Bühnen entstanden. Auf 4000 Quadratmetern wurden Blumenbeete mit über 175.000 Pflanzen angelegt und der beliebte Aussichtspunkt umgestaltet, sodass der Petrisberg im Rahmen der Landesgartenschau eine einzigartige Freizeitlandschaft erhielt.

Was ist das Projekt „Neuer Petrisberg“?

Das Projekt „Neuer Petrisberg“ ist ein bundesweites Vorzeigeprojekt für Konversion, also einer Umwandlung eines militärisch genutzten Areals zu einem modernen Wohnviertel und repräsentativen Arbeitsstandort. Die Gesellschaft für urbane Projektentwicklung „EGP GmbH“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den ehemaligen Militärstandort Petrisberg in einen lebenswerten Stadtteil zu verwandeln. Eine gute Ausgangslage bot die Umgestaltung des Areals im Rahmen der Landesgartenschau im Jahr 2004, bei der die Stadt Trier auf 44 Hektar des ehemaligen Militärgeländes eine einzigartige Freizeitlandschaft errichtete. Die EGP kümmert sich nun darum, den Petrisberg als attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu entwickeln. Entstanden sind seitdem nicht nur architektonisch interessante Wohnviertel, sondern vor allem auch ein riesiger Wissenschaftspark, in dem über 190 Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Beratung, Medien und IT mit rund 1.350 Mitarbeitern beheimatet sind.