Petrusbräu-Biergarten: Bierlaune schmeckt Nachbarn nicht

Trier · Irminenschenke, Mephisto, Cuba Viejo, Delicia: Die Gaststätte mit Biergarten in der Kalenfelsstraße hatte in 111 Jahren Bestehen viele Namen und Betreiber. Seit April hat die junge Trierer Petrusbräu-Brauerei dort ihren Ausschank mit 150 Plätzen im Außenbereich. Nach Anwohnerbeschwerden mussten die Betreiber die Öffnungszeit von 23 auf 22 Uhr verringern. Dennoch fühlen sich einige Nachbarn weiter durch Lärm und Geruch belästigt.

Der Sommer zieht die Menschen am Abend ins Freie. Die Freiluftgastronomie in Trier boomt. Korn- und Viehmarkt, Domfreihof, Zurlauben und Stockplatz profitieren vom schönen Wetter. Alte Biergärten mit Charme allerdings gibt es wenige in der Innenstadt, vor allem, seit 1996 die Tage der Löwenbrauerei gezählt waren. Ihrem Feierabendbierchen made in Trier können die, denen nach Open-Air-Gerstensaftgenuss ist, aber seit April auch wieder im Ex-Mephisto-Biergarten frönen. Nachdem das Mephisto (etwa 300 bis 400 Sitzplätze im Außenbereich) 2003 die Türen für immer schloss, haben die Nachfolgebetreiber der Gaststätte in der Kalenfelsstraße, Cuba Viejo und Delicia, den Außenbereich eher vernachlässigt. Für eine Trierer Brauerei undenkbar. Im Februar hat die Petrusbräu GmbH in dem Traditionshaus ihren Ausschank eröffnet und serviert dort ausschließlich ihre Eigenmarke, natürlich auch im Biergarten (seit 23. April).23, 22.30, 22 Uhr - 20 Uhr?


"Etwa 150 Plätze haben wir im Außenbereich", sagt Wirt Tom Bartel (45). Zunächst konnten Gäste dort bis 23 Uhr unter den alten Bäumen sitzen, einige Wochen später bis 22.30 Uhr. Nach knapp zweieinhalb Monaten müssten sie bereits um 22 Uhr schließen, erklären Bartel und Wolfgang Fritzen (43), zuständig für die Küche im Zum Petrusbräu. Und dass sie sich daran hielten, dass um 21 Uhr die letzte Runde ausgeschenkt werde und sie die Gäste informierten, dass alle den Biergarten pünktlich verlassen müssten.
Erwirkt haben das Nachbarn, die sich mehrmals beim Ordnungsamt über nächtlichen Lärm beschwert haben. "Ich habe nichts gegen den Biergarten", sagt einer von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. "Aber wir leiden hier unter erheblichen Beeinträchtigungen." Die drei Kinder der Familie könnten nicht schlafen, bei offenem Fenster schon gar nicht, dazu sei es zu laut. Die Gäste, die den Biergarten pünktlich verlassen, würden sich noch weiter vor der Gaststätte aufhalten, es sei auch schon vorgekommen, dass sich einige vor dem Nachbargebäude übergeben hätten. Das Problem sei weiter existent, erklärt der Beschwerdeführer. Die Betreiber der Gaststätte berichten, sie würden sich an die gekürzten Öffnungszeiten und die weiteren Auflagen - etwa keine Musik im Außenbereich, Licht sofort um 22 Uhr ausschalten - halten. Aus anfänglich zwei Auflagen sei eine lange Liste geworden.Lärmmessung abgelehnt


"Wir führen Protokoll", sagt einer der Nachbarn, rechtliche Schritte behalte man sich vor. "Wir wissen noch nicht wie, aber wir werden reagieren." Allerdings erklärt er auch, dass die Familie das Angebot des Ordnungsamtes, Lärmmessungen vorzunehmen, bisher nicht angenommen habe.
"Wir geben nicht auf", sagt Tom Bartel. Denn das Petrusbräu-Team sieht in den nicht abreißenden Beschwerden "Schikane und Vernichtungswillen". Mittlerweile hat die Petrusbräu-Mannschaft eine Unterschriftenaktion gestartet. Bis Ende vergangener Woche haben sich innerhalb weniger Tage 500 Trierer auf den Listen eingetragen. 1000 sollen es werden. Diese wollen sie Dezernent Thomas Egger vorlegen und für den Weiterbetrieb des Biergartens kämpfen, der schließlich "wie das Bier ein Kulturgut" sei. "Denn wenn es so weitergeht, droht uns die Schließung um 20 Uhr." Wirtschaftlich wäre das das Aus für den Freiluft-Brauerei-Ausschank.
Edgar Meyer (75) ist froh über die neuen Pächter, sie seien "ideal für diese Gaststätte". Seiner Familie gehört das Haus in der Kalenfelsstraße seit 1904. Schon immer war dort eine Gaststätte, die die Familie, zuletzt seine Mutter, betrieb, er selbst wohnte 30 Jahre über der Gaststätte, kennt die Situation. Als das Nachbarhaus vor etwa zehn bis 15 Jahren gebaut wurde, hätten er und die drei Bauherren einen Vertrag geschlossen. Denn der vorgeschriebene Mindestabstand zu seiner Grundstücksgrenze habe damals nicht eingehalten werden können, berichtet Meyer. Im Gegenzug hätten die Bauherren zugesagt, dass ihre Mieter Rücksicht auf den Biergarten zu nehmen hätten. Mittlerweile befänden sich in dem Gebäude überwiegend Eigentumswohnungen, sagt Meyer, die Käufer seien über diese Vereinbarung nicht informiert worden. Allerdings, so Meyer, sei sie privatrechtlicher Natur und habe vor Gericht sicher keinen Bestand.Meinung

Leben und leben lassen
Das Recht auf Nachtruhe ist schützenswert. Gerade für Kinder ist ungestörter Schlaf wichtig. Und wer den ganzen Tag arbeitet, braucht Erholung. Genau wie die Menschen, die sich diese beim Feierabendbier verschaffen. Aber hier stehen auch Arbeitsplätze auf dem Spiel: 20 bis 25 Menschen verdienen in Brauerei und Ausschank ihr Geld. Drohen die weitere Verkürzung der Öffnungszeiten oder der Verlust der Konzession, haben zwar die Nachbarn Ruhe, die Petrusbräu-Mitarbeiter stehen aber zum Teil auf der Straße, den Machern finanzielle Einbußen ins Haus. Auch der Erhalt eines Traditionshauses ist gefährdet, denn Gastronomen lassen von so einem Objekt die Finger. Beide Parteien haben berechtigte Anliegen. Sie sollten sich einen Schlichter und nach einer Lösung suchen, mit der alle leben können. c.fischer@volksfreund.deExtra

Was gilt? Für Betreiber von Gaststätten mit Außengastronomie ist das Landesimmissionsschutzgesetz verpflichtend. "Grundsätzlich müssen bewirtschaftete Terrassenflächen mit dem Einsetzen der Nachtruhe um 22 Uhr den Betrieb einstellen", sagt Stadtpressesprecher Ralf Frühauf. "Allerdings setzt das städtische Ordnungsamt im Einzelfall auf Antrag (im Normalfall für eine Saison befristet) Ausnahmeerlaubnisse fest." Diese würden nur erteilt, wenn die individuelle Situation dies zulasse. "Das Einhalten der Sperrzeit wird nur anlassbezogen kontrolliert, also nach Beschwerden. In der Hochsaison (so wie derzeit) kann es schon mal durchschnittlich vier Beschwerden am Tag geben." Was passiert bei Beschwerden? Bei Beschwerden werde das Gespräch mit dem Betreiber einer Gaststätte gesucht, er werde rechtlich aufgeklärt und sensibilisiert. Frühauf: "Sollten die Beschwerden nicht abreißen, beauftragen wir den kommunalen Vollzugsdienst mit einer Regelbestreifung. Möglicherweise folgt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren (Verwarnung oder Bußgeld). Der Entzug der Konzession ist der ultimative Schritt im Gaststättenrecht." Wie sieht es auf Triers Plätzen aus? "An den großen Plätzen Viehmarkt, Domfreihof und Kornmarkt gibt es derzeit keine Beschwerden über die Terrassenflächen, am Stockplatz und am Pferdemarkt vereinzelt", ansonsten gebe es Beschwerden über einzelne Betriebe, sagt Ralf Frühauf. cofi