Pfarrheim Biewer steht auf der Kippe

Pfarrheim Biewer steht auf der Kippe

Der St.-Jakobus-Gemeinde in Trier-Biewer fehlt Geld - etwa 3000 Euro sind es im kommenden Jahr. Pfarrer Siegmund Pawlicki hat die Ortsvereine, die das Pfarrheim für Proben nutzen, deshalb vor die Wahl gestellt: Entweder sie zahlen Miete - oder das Heim wird geschlossen.

Trier-Biewer. Wenn die Stühle, so wie in den Tagen um Weihnachten, ordentlich gestapelt in der Ecke stehen, dann wirkt der Raum kalt und leer und auch ein wenig unbewohnt. Wenn es gut läuft im kommenden Jahr, wird dieser Eindruck ein Flüchtiger bleiben. Wenn nicht, dann ist er womöglich von Dauer.
In der Pfarrgemeinde St. Jakobus in Trier-Biewer geht es ums Geld - so wie an vielen Ecken und Enden des Trierer Bistums, seitdem dessen Verwaltungsrat vor rund zweieinhalb Jahren ein Sparpaket von rund 40 Millionen Euro beschlossen hat. In Biewer machen sich die Sparbemühungen nun an exponierter Stelle bemerkbar: Das Pfarrheim steht auf der Kippe. Private und kirchliche Vereine, die es nutzen, sollen ab dem kommenden Jahr Miete zahlen. Etwa 3000 Euro müssen zusammenkommen. Egal wie.
Kirchenchöre und Musikverein


Gelingt das den sechs Hauptnutzern nicht, könnte sich die Gemeinde vom Pfarrheim trennen. Zwei Kirchenchöre hätten dann keinen Probenraum mehr, der Biewerer Musikverein ebenso. Kritikern wie dem Biewerer Ortsvorsteher Gerd Kirsch zufolge, droht dem Stadtteil ein "Verlust des kulturellen Lebens". Wie gesagt: wenn es schlecht läuft im kommenden Jahr.
Die Sparpläne veranlassten das Bistum zu Beginn dieses Jahres dazu, sein Modell zur Finanzierung der Gemeinden zu überarbeiten: Sie bekommen nun ein festes Budget zugeteilt - und müssen zusehen, wie sie damit klarkommen. Für die Pfarreiengemeinschaft in Biewer, Ehrang und Pfalzel gibt es ab dem neuen Jahr eine weitere Änderung: Bislang war das Personal, das in den drei Gemeinden beschäftigt war, direkt beim Bistum angestellt. Ab 2013 übernimmt die Pfarreiengemeinschaft die Beschäftigten., Sie werden aus dem Budget bezahlt, dass die Gemeinschaft zugewiesen bekommt.
Zuschuss sinkt deutlich


Deshalb steht allerorts weniger Geld für andere Dinge zur Verfügung. Der Zuschuss für Sachkosten reduziert sich für die Biewerer Jakobus-Gemeinde im kommenden Jahr von 5580 auf 1885 Euro. Und da liegt das Problem.
Um einen Teil des Fehlbetrags auszugleichen, sollen sich die Nutzer des Pfarrheims in der Biewerer Straße in Zukunft beteiligen - ganz gleich, ob es sich um eine private Sportgruppe handelt oder um den Kirchenchor. "Ich brauche 3000 Euro Cash im kommenden Jahr", sagt Pfarrer Siegmund Pawlicki - und droht, das Pfarrheim notfalls zu schließen. "Wenn die Vereine sich nicht beteiligen wollen, können wir das Heim eben nicht mehr halten."
Die Debatte in Biewer wird nur in Teilen öffentlich geführt, viele wollen sich nur hinter vorgehaltener Hand äußern. Im Verwaltungsrat der Jakobus-Gemeinde ist man darauf bedacht, es sich mit keinem zu verscherzen - nicht mit dem Bistum und nicht mit den Vereinen. In einem internen Rundbrief schreibt ein Verwaltungsratsmitglied deshalb lieber von einer "leidigen Frage". Das klingt kritisch genug, um sich mit den Plänen des Bistums nicht unbedingt gemeinzumachen, und freundlich genug, um dem Pfarrer, der die Beschlüsse umsetzen muss, nicht in den Rücken zu fallen.
Zu der "leidigen Frage" finden einige Vereinsvertreter klare Worte: "Es ist nicht so toll, wenn Leute, die sich ehrenamtlich in der Liturgie engagieren, auch noch zahlen sollen", sagt Gaby Zenner. Sie steht dem Kirchenchor vor, der einmal wöchentlich im Pfarrheim probt. Einer Modellrechnung zufolge müsste der Chor im kommenden Jahr etwa 600 Euro Miete bezahlen. Woher dieser das Geld nehmen soll, weiß Zenner noch nicht.
"Ich will das Geld sehen"


Auch in anderen Gruppierungen kommen die Pläne nicht gut an: Von einer "ganz schlechten Sache" ist die Rede, die sogar dazu führen könne, dass einzelne Vereine oder Musikgruppen "zugrunde gehen" könnten.
Pfarrer Siegmund Pawlicki ficht das nicht an: "Wenn die einen Aufstand machen, verstehe ich das nicht", sagt er. Und fügt hinzu: "Es ist mir egal, wer was für die Gemeinde tut: Das Geld fehlt, und das will ich sehen."Extra

Der Verwaltungsrat in Biewer informierte die betroffenen Gruppierungen am 11. Dezember über die anstehende Änderung bei der Pfarrheim-Nutzung. "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, mit den Plänen völlig überrumpelt", sagt Gaby Zenner. Dass die Betroffenen kritische Fragen stellen, verstimmt auch Einzelne im Verwaltungsrat. So schreibt ein Ratsmitglied seinen Kollegen per Rundschreiben, er sei zwischenzeitlich "überfallartig mit Fragen bombardiert" worden. Die Gemeinde hätte die Biewerer Vereine nach TV-Informationen bereits drei Wochen früher über die Pläne in Kenntnis setzen können. Am 19. November hatte der Rat den Haushalt für das Jahr 2013 beschlossen. Im Vorbericht dazu steht, dass "über eine finanzielle Beteiligung der Ortsvereine an den Kosten des Pfarrheims nachgedacht werden" sollte. Zum Ausgleich des Fehlbetrags wird über Spendenkonzerte und Sonderkollekten in der Kirche nachgedacht. Der Sachkostenzuschuss im Biewerer Ortsteilbudget umfasst zwar nur 600 Euro, aber Ortsvorsteher Gerd Kirsch würde es den Vereinen zur Not überlassen. Wenn der Ortsbeirat denn mitspielt. kbb

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