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Pfingstzeltlager des Pfadfinder-Stamms Santa Cruz aus Trier verzichten die Teilnehmer auf Handy und Strom.

Nachhaltigkeit in der Praxis : Trierer Pfadfinder verbringen Pfingsten ohne Strom und Handy

30 Kinder und Jugendliche verzichten ein Wochenende lang auf viele Annehmlichkeiten des Alltags – und freuen sich darauf! Geschafft hat das der Pfadfinder-Stamm Santa Cruz aus Trier-Heiligkreuz, der erstmals ein nachhaltiges Zeltlager in Welschbillig anbietet.

Vor der Kirche Sankt Maternus in Trier-Heiligkreuz toben Kinder, fröhlcihes Lachen ist zu hören. Die Jungpfadfinder vom Stamm Santa Cruz haben sich zur Planung ihres Pfingstzeltlagers versammelt und sind bester Laune. Elf Mädchen und Jungen zwischen neun und 13 Jahren tollen über die Wiese, Tannenzapfen und Stöcke fliegen durch die Luft.

Bei so viel  Energie muss der organisatorische Teil des Treffens warten. Gruppen- und Stammesleiterin Nadine Kintscher schlägt erst einmal ein Bewegungsspiel vor. Die Jungpfadfinder (Jufis) sammeln Vorschläge und entscheiden sich demokratisch für ein Spiel Namens „Stock im Pot“. Rasch werden Äste aus dem Gebüsch gezerrt und die Kinder beginnen, über die Wiese zu flitzen. „Meist haben sie mehr Spaß an den Spielen, die sie selbst vorschlagen“, erklärt Nadine Kintscher. Die gemeinsame Gestaltung der Gruppenstunden von Kindern und Gruppenleitern gehöre zum Konzept der Pfadfinder. Ziel der pfadfinderischen Methode ist, dass die Kinder sich selbst und ihre Ideen in die Gruppe einbringen und mitbestimmen dürfen.

So wirken die Jufis auch bei der Vorbereitung des bevorstehenden Pfingstzeltlagers mit. Inspiriert von der Jahresaktion der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) „Vollkostbar“ steht das diesjährige Pfingstlager der Santa Cruz unter dem Motto „Gesundheit und Nachhaltigkeit“. 30 Wölflinge, wie die jüngsten Stammesmitglieder heißen, Jungpfadfinder und Pfadfinder zwischen sieben und 18 Jahren wollen dazu mit ihren Gruppenleitern vier Tage lang auf fließendes Wasser, Handys und Strom verzichten. Der verantwortungsbewusste Umgang mit der Natur und Lebensmitteln soll den Kindern damit näher gebracht werden.

„Wir werden Wasser aus mitgebrachten Kanistern und das Essen über Foodsharing beziehen“, erzählt Nadine Kintscher. Der englische Begriff Foodsharing heißt soviel wie Essen teilen und bezeichnet eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln engagiert. Über verschiedene Internetplattformen können Privatpersonen, Bauern und Läden übriggebliebene, da oft unästhetische Lebensmittel wie krumme Gurken oder verbeulte Äpfel vor dem Verderben verschenken. Mit dabei sind auch Lebensmittelläden und Bauern aus der Region. Sie unterstützen die Pfadfinder vom Stamm Santa Cruz während des Pfingstzeltlagers mit  Lebensmittelspenden.

Die Kinder fiebern dem Abenteuer entgegen. Jodie (9 Jahre) freut sich besonders auf Stockbrot und Lagerfeuer. Die Jungs hoffen hingegen auf sportliche Aktivitäten und Spiele. In Gruppenarbeit schmieden sie Pläne für das Tagesprogramm, erarbeiten unter der Leitung von Nadine Kintscher und ihren beiden Kollegen eine Packliste und kümmern sich um die Anfahrt zum Zeltplatz.

Hier muss die Gruppe kurzfristig umorganisieren. Denn das eingeplante Grundstück in Mertesdorf wurde kürzlich verkauft und steht nicht mehr für das Pfingstzeltlager zur Verfügung. Schnell musste ein neues Grundstück her. „Über Pfingsten so spontan einen Zeltplatz zu finden, war gar nicht so einfach“, erzählt der aus Saarburg stammende zweite Gruppenleiter Daniel Gehlen. Glücklicherweise habe sich dann doch noch eine Gelegenheit gefunden: Die Gruppe wird ihr Lager an der Grillhütte Welschbillig aufschlagen.

Um die dadurch entstehenden Zugkosten für die Teilnehmer auf ein Minimum zu reduzieren, werden die Pfadfinder von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und der Stadt Trier finanziell unterstützt. Denn das nachhaltige Pfingstlager soll für seine Teilnehmer ein (Fast-)Umsonst-Lager bleiben.

Am Ende des Treffens haben die Jufis eine Zugverbindung nach Ehrang herausgesucht, und die Vorschläge für das Tagesprogramm stehen: Die Ideen reichen von Frühsport über Gemüsewettessen bis hin zu einer Müllsammelaktion. Die Jungpfadfinder der Santa Cruz scheinen das Nachhaltigkeitskonzept verinnerlicht zu haben.