Pflanzenklärwerk vor dem Aus

Pflanzenklärwerk vor dem Aus

Ende der 90er Jahre galt die Pflanzenkläranlage in Franzenheim als zukunftsweisend, nun wird sie wegen eines umstrittenen chemischen Werts ausgemustert. Erbauer Franz Marx, der auch zwei Anlagen in der Verbandsgemeinde Kell am See geplant hat, muss zusehen, wie seine Bankbürgschaft für den Bau einer Nachfolge-Kläranlage herangezogen wird.

Franzenheim. Franz Marx (69) aus Konz-Kommlingen ist ein handwerkliches Allround-Talent. Er rodete Weinberge, sprengte Bunkeranlagen, befreite Bahnstrecken von Bewuchs und baute Kläranlagen. Zeitweise beschäftigte er 40 Leute, die benötigten Maschinen entwickelte Marx überwiegend selbst.

Die erste Pflanzenkläranlage, die Marx 1989 in seinem Garten errichtete, schien der Beginn einer erfolgreichen Karriere auf dem Gebiet der umweltfreundlichen Abwasserbeseitigung durch pflanzliche Stoffwechselprozesse und Mikroorganismen zu werden. Das "System Marx" kommt mehrfach in der Region zum Einsatz, etwa in Hentern und Obersehr (Verbandsgemeinde Kell am See). Marx baute, die Natur regelte.

1997 bekam Marx auch den Auftrag über 680 000 Mark zum Bau der Kläranlage in Franzenheim. Der Kommlinger Unternehmer war sich der Qualität seines Produkts so sicher, dass er gegenüber den Verbandsgemeindewerken Trier-Land in eine Bankbürgschaft über 350 000 Mark einwilligte - eine Rückstellung für den Fall, dass Nachbesserungen nötig wären. Die Anlage lief gut, nur ein Wert machte Probleme: Ammonium. Es entzieht dem Wasser Sauerstoff und wird zu Nitrat umgewandelt - eigentlich ein erwünschter Selbstreinigungseffekt in der Natur, aber giftig für Fische. Den Grenzwert von zehn Milligramm pro Liter Ammonium hielt Marx selten ein, bei zwölf Messungen im Jahr 2003 verfehlte er ihn elf Mal. "Mit dem Ammonium-Wert musste ich noch Erfahrungen sammeln", sagt Franz Marx heute. Sonst habe er die Vorgaben übererfüllt.

Reiland: Schade, dass es so gekommen ist



Noch während er 2004 an Lösungen für das Ammonium-Problem tüftelte, musste Marx Insolvenz anmelden. Die Bahn hatte im Zuge von Sparmaßnahmen die Heckenschnitt-Aufträge eingestellt, Marx' wichtigstes Standbein brach weg. Damit nicht genug: 2005 begann ihm die Pflanzenkläranlage Franzenheim aus den Händen zu gleiten: Der Insolvenzverwalter habe im Mai den Werken mitgeteilt, die Firma Marx sei nicht mehr in der Lage, Nachbesserungen an der Kläranlage auszuführen, berichtet Trier-Lands Bürgermeister Wolfgang Reiland. Man sollte sich doch wegen der Bürgschaft an die Bank wenden, was die Werke auch taten. Die Bank zahlte 160 000 Euro - Grundstock für die 345 000 Euro teure Nachfolge-Einrichtung, eine Scheibentauchkörper-Anlage, die jetzt gebaut wird (siehe Extra).

"Es ist schade, dass es so gekommen ist", findet Bürgermeister Reiland, "vom Grundsatz war das eine gute Sache." Dieser Meinung ist auch die Aufsichtsbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord. "Wir haben Marx jahrelang höhere Ablasswerte zugestanden und Fristen zur Nachbesserung eingeräumt", sagt Bereichsleiter Winfried Wagner. Für Wagner liegt das Problem an dem zu kleinen "Vorfluter", dem Franzenheimer Bach. Wenn er wenig Wasser führe, könne der Kläranlagen-Ablauf leicht die Hälfte der Gesamt-Wassermenge ausmachen.

Alle Versuche von Franz Marx ("Die verbauen jetzt mein Geld"), die Bürgschaft für ein Forschungsprojekt mit der Uni Trier loszueisen, um es in die Optimierung der Franzenheimer Anlage zu stecken, scheiterten. Marx fühlt sich als Opfer von "Behördenwillkür". Für Ammonium gebe es bei Kläranlagen bis 5000 Einwohner - die Anlage in Franzenheim ist für 450 Einwohner ausgelegt - keine gesetzlichen Grenzwerte. Die lägen im Ermessensspielraum der SGD. Dagegen seien hochgiftige Stoffe wie Phenole für die Betriebserlaubnis von Kläranlagen unrelevant, sagt Marx. Auch auf das Aufbringen von belastetem Klärschlamm auf Feldern sehe der Gesetzgeber großzügig hinweg.

Meinung

Tragischer Held

Franz Marx ist ein tragischer Held. Eigentlich ein Musterschüler, verfehlte er das Klassenziel dennoch, weil er in einem Fach ein "Ungenügend" hatte. In der Schule hätte er dies mit guten Noten in anderen Fächern ausgleichen können, die Aufsichtsbehörden sind da strenger. Es stellt sich die Frage, ob hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde. Es kam ja offenbar kein einziger Fisch zu Schaden und die gleiche Behörde, die jetzt auf der Einhaltung eines Parameters besteht, hat diese Anlage immerhin genehmigt und jahrelang mit zu hohen Ammonium-Werten weiterlaufen lassen. Schade, dass ausgerechnet der Geduldsfaden riss und man sich für einen Neubau entschied, als ein vielversprechendes Forschungsprojekt mit der Uni vor der Tür stand. a.follmann@volksfreund.deEXTRA Scheibentauchkörper-Kläranlage: Sie besteht aus rotierenden Scheiben aus Polyethylen, auf denen sich mit der Zeit ein Biofilm aus Pilzen und Bakterien entwickelt. Vorgeschaltet ist eine mechanische Stufe, nachgeschaltet ein Absetzbecken, das zur Abtrennung von Abbauprodukten aus der biologischen Stufe dient. (alf)