"Pfusch am Bau": Streit um gesperrte Trierer Sporthallen wird heißer

"Pfusch am Bau": Streit um gesperrte Trierer Sporthallen wird heißer

In zwölf der 34 Trierer Sporthallen darf zurzeit kein Ball fliegen, denn die Decken sind ein Sicherheitsrisiko. Die Stadtverwaltung spricht von Pfusch am Bau und schiebt die Schuld auf die damals verantwortlichen Handwerksfirmen. Doch jetzt schlägt ein Handwerksmeister zurück. Er war in den 70ern als Subunternehmer am Bau zweier Hallen beteiligt.

Trier. Bärbel Schädlich ist mächtig sauer, man sieht es ihr deutlich an. "Die Stadtverwaltung schädigt bewusst den Ruf des regionalen Handwerks." Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg weist jeden Murks oder Pfusch am Bau mit Entschiedenheit zurück. "Die damaligen Verantwortungsträger der Stadtverwaltung hatten die Pflicht, nach der Fertigstellung der Hallendecken in den 70ern die Arbeit abzunehmen. Aber von handwerklichen Fehlern war jahrzehntelang gar keine Rede. Bis heute."

Ein kurzer Blick zurück: Im September 2014 sperrte die Verwaltung völlig überraschend die Mäusheckerhalle. Eine Routinekontrolle der Trennwände habe Schäden an der Deckenkonstruktion ergeben, lautete die Begründung. Der damals entstandene Verdacht, dass mit den Zwischendecken in den Trierer Hallen generell etwas nicht stimmen könnte, sollte sich bestätigen: Eine Kontrolle aller 34 Hallen endete mit zwölf entweder komplett geschlossenen oder zumindest nur eingeschränkt einsetzbaren Sportstätten (siehe Extra).

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Ende Januar präsentierte das Baudezernat seine Theorie über die Ursachen der Schließungsserie auf einer Pressekonferenz (der TV berichtete) am Beispiel von zwei der gesperrten Hallen - Feyen und Trier-West.
Es sei nicht mehr ermittelbar, wer vor mehr als 40 Jahren die Zwischendecken in die beiden Hallen eingezogen habe. Aber wer es auch war: Er habe gepfuscht. Die angewandte Technik habe schon damals die Anforderungen an Sicherheit und Statik nicht erfüllt, betonte Gutachter Erik Thees, unterstützt von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani.

Die Stadt hätte nicht besonders lange suchen müssen, um einen der damals verantwortlichen Handwerker zu finden. Herbert Tschickardt, Kreishandwerksmeister Trier-Saarburg, meldet sich zu Wort. "Ich war damals als Subunternehmer am Bau der Hallen Trier-West und Medard beteiligt", sagt Tschickardt. "Generalunternehmer war die Firma Geiermann und Weiand."

Tschickardt betont: "Mit den Formulierungen Pfusch und Murks am Bau stellt die Stadtverwaltung völlig falsche und sehr gefährliche Vorwürfe in den Raum." Die Zwischendecken in den beiden Hallen seien "nach dem damals geltenden Fachregeln" montiert worden.

"Es ist natürlich Blödsinn, zu erwarten, dass in den 70ern schon mit Techniken und nach Normen gearbeitet worden ist, die damals noch gar nicht erfunden waren", sagt der Kreishandwerksmeister. "Der Vorwurf, wir hätten gepfuscht, ist nichts anderes als Rufschädigung."

Nach Tschickardts Ansicht liegt der Fehler bei der Stadt. "Man muss sich doch die Frage stellen, warum hier über Jahrzehnte die Sorgfaltspflicht offenbar nicht nur verletzt, sondern komplett ignoriert wurde." Ein mögliches Sicherheitsrisiko will auch Tschickardt nicht ausschließen. "Die Zwischendecken sind wurf-, aber nicht schusssicher", sagt er. "Das waren sie nie. Auch moderne Zwischendecken halten keinen Dauerbeschuss aus."Meinung

Pauschal und unberechtigt
Die Argumentation der Stadt ist sehr schwach, das war sie von Anfang an. Selbst wenn in den 70ern eine oder mehrere Handwerksfirmen beim Bau der Zwischendecken gepfuscht haben sollten, bleibt die Frage offen, warum die Stadt Trier als Trägerin dieser Hallen das Problem erst 40 Jahre später bemerkt hat. Denn offenbar sind die Decken von Beginn an ein Sicherheitsrisiko gewesen - für jeden Schüler und Sportler, der sich jemals mit einem Ball am Fuß unter ihnen bewegt hat. Die Stadt hat alle Verantwortung auf das Handwerk geschoben, doch sie selbst war in der Verantwortung, deren Arbeit abzunehmen. Der pauschale und unberechtigte Vorwurf des Pfuschs am Bau trifft eine Branche, in der ein guter Ruf eine fundamentale Geschäftsgrundlage ist. Fazit: Der Vorwurf des Pfuschs am Bau ist ebenso fahrlässig wie die Qualitäts- und Sicherheitskontrollen es offenbar über Jahrzehnte waren. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Diese Hallen sind gesperrt: Mäusheckerweg, Bezirkssportanlage West, Bezirkssportanlage Feyen, Grundschule Barbara (alle aufgrund der Decken), Grüneberg (wegen Schimmels). In diesen Hallen ist Ballsport verboten: Grundschule Ehrang, Grundschule Mariahof, Grundschule Ruwer, Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Humboldt-Gymnasium, Unter Gerst, Medard. Über diese Hallen ist noch nicht entschieden: Zewen, Euren, Pfalzel, Max-Planck-Gymnasium, Kurfürst Balduin, Nelson Mandela. Für diese Gebäude stehen die Auswertungen der Untersuchung noch aus. Sperrungen oder Einschränkungen sind möglich. So verlief der Streit bisher: Der Vizepräsident des Sportbundes Rheinland, Michael Maxheim, hat der Stadt Mängel im Krisenmanagement vorgeworfen. Die Verwaltung hat diesen Vorwurf als "unzulässige Unterstellung" zurückgewiesen. jp Betroffene Hallen auf Googlemaps

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