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"Piloten dürfen keine Narrenfreiheit haben"

"Piloten dürfen keine Narrenfreiheit haben"

Der Gemeinderat Hetzerath fordert Konsequenzen aus dem Flugzeugabsturz mit vier Toten vom 12. Januar. Pilot Norbert Klippel will zwischen Bürgern und Flugbehörden vermitteln und sich für bessere Flugrouten einsetzen.

Hetzerath/Föhren. Keine Düsenflugzeuge mehr am Flugplatz Trier-Föhren und Schließung des Flugplatzes bei schlechtem Wetter. Diese Kernforderungen, die der Hetzerather Ortsbürgermeister Werner Monzel bereits nach dem tragischen Flugzeugabsturz Mitte Januar erhoben hatte, hat nun der Gemeinderat Hetzerath offiziell bekräftigt. Gegen technisches und menschliches Versagen gebe es keine Mittel, sagte Monzel am Dienstagabend vor 25 Zuhörern im Bürgerhaus, aber man könne die Rahmenbedingungen am Flugplatz verbessern. Piloten dürften keine Narrenfreiheit über Hetzerath haben.
Der Ortsbürgermeister machte deutlich, Hetzerath strebe keine Flugplatzschließung an. Jedoch müssten geltende Regeln eingehalten werden. Auch unter Piloten gebe es schwarze Schafe. Laut Monzel haben sich Hetzerather Bürger mehrfach bei der Flugaufsicht auf dem Flugplatz Hahn und bei der Flugleitung am Föhrener Tower über Verstöße gegen die Flugrouten beschwert - erfolglos. "Die Betroffenen kriegen oft nicht mal eine Antwort." Das bestätigt der Hetzerather Alfons Spang: "Da passiert nichts. Viele Piloten, die von der Mosel anfliegen, wenden verbotenerweise über dem Ort. Die Drehzahl der Maschinen ist hoch und sie sind sehr laut; auch besteht die Gefahr, dass bei diesen Manövern die Tragflächen abbrechen."
Einstimmig fordert der Gemeinderat Hetzerath, dass der Flugplatz Föhren bei schlechtem Wetter, insbesondere bei Nebel, geschlossen wird. Für Düsenflugzeuge wie die verunglückte Cessna Citation sollte Föhren gesperrt werden. Ferner müssten ortsunkundige Piloten angewiesen werden, bei Nebel auf andere Flugplätze auszuweichen. Das Wetterphänomen tritt in Föhren relativ häufig auf. Auch beim Absturz einer Propellermaschine im Jahr 1995, bei dem ein Ehepaar aus Föhren ums Leben kam, hatte dichter Nebel geherrscht.Nicht zulasten der Nachbarn


Dankbar haben Ortsbürgermeister Monzel und der Hetzerather Rat das Angebot von Pilot Norbert Klippel angenommen, in der Sache zu vermitteln. Klippel (siehe Extra) will die Flugaufsicht und die Flugplatz Trier-Föhren GmbH dafür gewinnen, Flugrouten so zu ändern, dass die Bewohner von Hetzerath weniger Emissionen abbekommen. Der Rat legt allerdings Wert darauf, dass dies nicht zulasten der Nachbarorte gehen darf. Auch Bürger Alfons Spang möchte, dass alle Flugplatzanrainer von den Neuerungen profitieren. "Wichtig ist, dass wir miteinander ins Gespräch kommen. Dann haben wir schon viel gewonnen."Meinung

Sieg der Besonnenheit
Die Hetzerather machen es richtig. Sie malen den Teufel nicht an die Wand, sondern sprechen die Probleme, die sie mit dem Flugplatz Föhren haben, sachlich und besonnen an. Den Dialog, den sie einfordern, gibt es schon bald. Flugbehörden, Betreiber und Bürger werden unter Vermittlung eines erfahrenen Piloten über Lösungen sprechen. Verbesserte Flugrouten scheinen der Königsweg zu sein. Mehr dürfte nicht drin sein, denn die Forderungen des Gemeinderats, den Flugplatz bei Nebel zu schließen und Düsenflugzeuge zu verbannen, sind schlichtweg nicht durchsetzbar. Im Notfall muss ein Anfliegen gewährleistet sein. Und das geht nur mit Hilfestellung aus einem besetzten Tower. Turbinenflugzeuge gelten als die sichersten Flugzeuge überhaupt. Sie auf einem stark frequentierten und häufig von Geschäftsleuten genutzten Kleinflughafen verbieten zu wollen, wird schon rein rechtlich nicht funktionieren. Aber bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom. a.follmann@volksfreund.deExtra

Pilot Norbert Klippel (62, Foto Willy Speicher) ist ein Mann der ersten Stunde am Flugplatz Trier-Föhren. Seit der Eröffnung 1978 dabei, verfügt der Fluglehrer über eine große Erfahrung. Mehr als 30 000 Starts und Landungen hat er in Föhren absolviert. Klippel will die Luftfahrtbehörden, den Betreiber (Flugplatz GmbH) und Vertreter der Bürgerschaft an einen Tisch bringen. Gegenüber dem TV erläutert er seine Ziele: "Ich schlage eine neue Route für die Platzrundflüge der drei Flugschulen vor. Dabei soll Hetzerath nicht mehr überflogen werden." Die Flugschulen sind mit ihren rund 8000 Starts und Landungen im Jahr für etwa 30 Prozent aller Flüge verantwortlich. "Ich bin überzeugt, dass das funktioniert und alle mitmachen", meint Klippel. Weiterhin möchte er erreichen, dass der Flugplatz beim Landeanflug via Hetzerath höher angeflogen werden muss. Das verringere den Lärm. Auch dies sei problemlos umsetzbar, glaubt der 62-Jährige. alf