Pionier auf neuen Pfaden

Fast 2000 Konzerte hat Ingo Popp organisiert. Den Veranstalterjob gibt er nun auf, um in der Neustraße ein Kaufhaus zu eröffnen. Ein Wechsel mit Wut im Bauch: "Ich habe als Kulturmacher nicht unbedingt Dankbarkeit erwartet, wohl aber Wertschätzung. Und die ist seitens der Stadt zunehmend ausgeblieben."

Das veränderte Aussehen passt zu den neuen Plänen: Ingo Popp trägt die Haare jetzt kurz. Der Ärger aber ist immer noch da. Verärgerung über die Stadt, die ihm "mehr Steine in den Weg legt, als dass sie mir entgegenkommt". Das Verbot, mit Plakaten im öffentlichen Raum für seine Veranstaltungen zu werben ("Wofür ich selbstverständlich Gebühren zahlen würde"), war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: "Andere kommerzielle Veranstalter dürfen Plakate aufhängen - ich nicht. Jetzt reicht\'s endgültig."
Popp-Concerts besteht weiter


Konsequenz: Zum 31. Dezember steigt der 50-Jährige aus dem Veranstaltergeschäft aus. Seine Firma Popp-Concerts besteht als Sechs-Mann-Firma weiter, mit dem langjährigen Junior-Partner Oliver Thome (34) als Geschäftsführer. "Aber ich ziehe mich aus dem operativen Geschäft zurück. Wenn ich persönlich überhaupt noch einmal ein Konzert in Trier veranstalte, dann allenfalls im Amphitheater."
Der Groll ist verständlich. Binnen 30 Jahren hat Popp annähernd 2000 Konzerte organisiert, darunter das legendäre Open-Air 1992 mit Prince im Moselstadion. Die Toten Hosen, die Ärzte oder Seeed - sie alle brachte Popp vor deren Karrierebeginn in seine Heimatstadt. Unvergessen die Freiluftkonzerte mit José Carreras, Montserrat Caballé oder Udo Jürgens auf dem Domfreihof. Popp war es, der antike Stätten wie die Kaiserthermen oder eben das Amphitheater wiederbelebte und exklusiv bespielte. Die Reaktion auf diese Pionierarbeit sei "Bürokratismus" einer "Verwaltung ohne kulturelle Visionen".
Popp hat "insofern die Faxen dicke", will seiner Heimatstadt aber erhalten bleiben. Neues Betätigungsfeld: ein Kaufhaus - "und zwar ein ganz klassisches". Das breite Angebot soll von Bekleidung über Schreib- und Spielwaren, Bücher, Kleinmöbel und Deko-Artikel bis hin zu Kosmetik, Backwaren und Feinkost reichen - alles hergestellt in Deutschland. Dazu hat Popp Geschäftsräume im Haus Neustraße 22 angemietet, die ab Anfang 2013 frei sind. Das Kaufhaus Popp mit 270 Quadratmeter Verkaufsfläche ("klein und fein") soll am 1. März seine Türen öffnen.
Es ist nicht der erste Ausflug des Veranstalters in andere kaufmännische Gefilde. Gastro-Projekte wie Popp-Kantine oder das Engagement im Casino-Club standen unter keinem guten Stern. Beim Kaufhaus soll das anders sein: "Ich kümmere mich vollkommen selbst um alles und werde auch vor Ort sein. Dann funktioniert\'s."

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