1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Plattkolumne Trierisch balaawern von Horst Schmitt

Trierisch Balaawern : Straoß: Straße oder Gurgel?

Nicht „oder“, sondern beides, denn im Trierischen besitzt die Straoß beide Bedeutungen. Die Straoß als solche wäre kaum einer Erwähnung wert, hätte sie nicht eine kleine Besonderheit aufzuweisen.

Manchmal wohnt man nicht in der Straße, sondern obb der Straoß, auf der Straße. Datt Marjann öss obb der Wewerbaach derhaam. Mein Tand haott hiren Laoden obb der Simjunsstraoß, nicht in der Simeonstraße.

In einem anderen Zusammenhang ist obb der Straoß auch gebräuchlich Haoss de geheert, de Bärend leit obb der Straoß. Bernd ist jetzt arbeitslos oder wohnungslos geworden.

Wird man am Hauptmarkt nach der Pochda gefragt, heißt es: Giet de Straoß nao der Naos, da stiet dir vir hir. Gehen Sie einfach geradeaus.

De gaastlich Straoß gien bedeutet jedoch nicht vom Hauptmarkt in Richtung Dom oder Liebfrauenkirche gehen oder den Kreuzweg zum Petersberg hinaufsteigen. Die Landstreicher suchten bei ihren Betteltouren nacheinander die Pfarrhäuser auf, um etwas Essbares zu tärmenören, also zu ergattern.

Neben der Straße bedeutet de Straoß auch die Luftröhre oder die Gurgel. Watt haott hän fir en Straoß. Sieh dir mal dessen Gurgel an! Den August haott neist gespaort. Hän haott alles de Straoß ronner gejaocht. August hat keine finanziellen Reserven. Der ganze Verdienst wurde fürs Trinken verschwendet.

Ganz ohne önn der Straoß geht es dennoch nicht. Marju, watt haonn eisch ebbes önn de Straoß kriet. Es war kaum auszuhalten, als ich Speisereste in die Luftröhre bekam. Es ist nochmal gut ausgegangen.

Josef Marx ist Autor des Trierer Wörterbuches, das im Trier-Verlag  erschienen  und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Horst Schmitt  hat er über 12.000 Stichworte  Trierisch-Hochdeutsch und Hochdeutsch-Trierisch zusammengetragen.