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Plattkolumne von Horst Schmitt

Kolumne Trierisch Balaawern : Wie der Deiwel ett wöll!

Früher konnten sich die Menschen unter Engeln und dem Teufel noch etwas ziemlich Konkretes vorstellen. Dafür sorgten über Jahrhunderte Maler, Bildhauer und Prediger. Besonders der Teufel fachte deren Fantasie mächtig an, und was sich in der Hölle alles so an Fürchterlichem abspielte, und womit man zu rechnen hatte, wenn man da landete, wurde den einfachen Leuten drastisch vorhergesagt.

Die Existenz des Teufels als konkretem Wesen war allen Leuten vollkommen einleuchtend. Deshalb musste man sich auch immer in Acht nehmen, weil der Teufel sich überall ins Leben einmischte, sich sogar im Haus herumdrückte und verbarg. Andererseits war die Gegenwart des Teufels aber auch praktisch, denn alles was man unangenehm, lästig oder unglaublich fand, konnte man ihm zur Last legen. So gibt es in der Mundart zahllose Redewendungen, bei denen der Teufel eine Rolle spielt. Und so harmlos, wie sie sich heute anhören, waren sie zur Zeit ihres Entstehens sicher nicht gemeint. Die Aufforderung zum Verschwinden „Gie bei der Deiwel!“ (Geh zum Teufel) ist ursprünglich eine Verfluchung. Bei einem unglücklichen Zufall heißt es: „Wie der Deiwel ett wöll!“ (Wie es der Teufel so will!). Und dann gibt es auch die Feststellung „Dän Deiwel mischt obb kaa klaane Kubben.“ (Der Teufel macht auf keinen kleinen Haufen, sinngemäß: er ist ungerecht großzügig). Diese Redensart ist immer dann zu hören, wenn jemand, der es ganz und gar nicht nötig hat, noch ein zusätzliches Glück hat, zum Beispiel wenn ein Großverdiener noch einen dicken Lottogewinn einfährt. Der Teufel bringt auch den Tod. Wer „dem Deweil vonn der Schöbb gespronng öss“ (dem Teufel von der Schippe gesprungen ist), ist gerade so dem Tod entronnen. Dingen, die Ärger machen, wird unterstellt, dass sie der Teufel verhext habe. Deiwelskraom ist verflixtes Zeug. „Datt öss emm Deiwel sein Arbeit!“ sagt der Handwerker, wenn die Arbeit ihm über den Kopf wächst. Und Sachen, die bösartig sind, empfiehlt man dem Teufel gleich zum „Mitholen“ in die Hölle: „Aanes Daachs schmeißen eisch die Boormaschinn noch bei der Deiwel!“ Schließlich wird auch manches, was ungewöhnlich oder herausragend ist, als teuflisch angesehen. Einem „Deiwelskäärel“ werden besondere Leistungen bescheinigt, ein Schnaps ist „stark wie der Deiwel“, ein Gewürz ist „scharf wie der Deiwel“ und eine Verletzung „duut wie (tut weh) wie der Deiwel.“

Dann gibt es noch eine treffende Redensart, die ein gar nicht so seltenes psychologisches Phänomen beschreibt, und die lautet: „Straoßen­engel – Hausdeiwel!“ Damit werden Mitmenschen beschrieben, die in der Öffentlichkeit durch ihre Höflichkeit und Freundlichkeit auffallen, sich andererseits aber als Haustyrannen/-tyranninnen herausstellen. Der Deiwel soll se hollen!!

Schließlich noch eine merkwürdige sprachliche Besonderheit zum Thema Teufel: Im Trierer Platt lautet der männliche Artikel, wie wir wissen, den (z.B. der Teufel = den Deiwel). Wenn es aber um Flüche und Verwünschungen geht, dann (und nur dann!) wird im Platt aus diesem den Deiwel plötzlich ein der Deiwel: Wie der Deiwel ett wöll! / Aanes Daachs schmeißen eisch die Boormaschinn noch bei der Deiwel! / scharf wie der Deiwel / Der Deiwel soll se hollen! Waaß der Deiwel, warum das so ist!

                                 Horst Schmitt

Weitere Kolumnen finden Sie im Buch „Platt ist nicht platt“ von Horst Schmitt, Verlag Michael Weyand, 14,95 Euro.