1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Plattkolumnist Horst Schmitt über die französischen Einfüsse in der Trierer Sprache

Trierische Balaawern : Bulljong ö Pariss: Französisch in Trier

Wer heute gescheit daher reden will, schmückt seine Muttersprache gerne mit englischen Wörtern. Auch da, wo das Deutsche durchaus gute eigene Begriffe besitzt. Das ist inzwischen ziemlich schlimm geworden und geht vielen Menschen auf die Nerven.

Warum müssen Kinder jetzt Kids heißen, eine Verabredung Date oder eine Örtlichkeit Location?

Neu ist diese Mode aber nicht. Das gab es schon einmal im 19. Jahrhundert. Nur war es damals nicht das Englische, sondern das Französische, das in die Deutsche Sprache eindrang. Bei uns in Trier sogar besonders intensiv, denn während der Franzosenzeit (1794-1811) war diese Sprache Amtssprache, und auch danach brachten die Preußischen Beamten und Militärs viel französisches Sprachgut mit.

Das hatte großen Einfluss auf die Hoch- und Umgangssprache, die massenweise Französische Wörter aufsogen. Inzwischen gibt es im Hochdeutschen aber nur noch wenige Hinterlassenschaften aus dieser Zeit. Sie sind vergessen worden, so wie es den heutigen Anglizismen eines Tages hoffentlich auch gehen wird. Im Trierer Platt sind aber viele dieser alten Wörter erhalten geblieben und heute noch gebräuchlich. Ich bekomme ganz leicht ein paar Dutzend zusammen.

Eine kleine Auswahl: Bei = Biene (franz. abeille), Buddig = Geschäft, Laden (franz. boutique), Klausder = Vorhängeschloss (franz. clôitre = Kloster), Mäggo = Zigarette (franz. mégot), Schandarm = Polizist (franz. gendarme), Mossder = Senf (franz. moutarde), Ramasser = Schrottsammler (franz. ramasser = einsammeln), tschö = auf Wiedersehen (franz. adieu), tuddschen = leicht anstoßen (franz. toucher= berühren), Wällo = Fahrrad (franz. vélo).

Wen es interessiert, dem schicke ich auch einmal gerne eine komplette Liste. (schmittzelholz@web.de)

Abschließend noch ein passendes Trierer-Platt-Zitat ohne Übersetzung: „Wie eisch letzt ö Pariss waor, hätt eisch mer gären emaol enn Flaaschbrie beställt. Eisch wosst aawer nött, watt Bulljong obb franziesisch haast.“

Horst Schmitt

Weitere Kolumnen finden Sie im Buch „Platt ist nicht platt“ von Horst Schmitt, Verlag Michael Weyand, 14,95 Euro, im Buchhandel erhältlich.