Platz für Humboldt-Schüler

Entspannung für das aus allen Nähten platzende Trierer Humboldt-Gymnasium: Das nahe Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule wird für 390 000 Euro so hergerichtet, dass ein Oberstufen-Jahrgang dorthin ausgelagert werden kann.

Trier. Die Bibliothek des Humboldt-Gymnasiums Trier (HGT) am Augustinerhof ist in den Keller ausgelagert, um oben Platz für drei Klassenräume zu schaffen. Die Mensa ist im ehemaligen Fahrradkeller untergebracht. Trotzdem reicht es hinten und vorne nicht: Fällt der Sportunterricht in der Arena wegen einer Veranstaltung in der Großraumhalle aus, kann die Klasse nicht einfach in ihrem Zimmer bleiben - denn dieses ist während des Sportunterrichts an eine andere Klasse vergeben. "Wir nutzen jeden Raum zu jeder Zeit", beschreibt Schulleiter Ralf Borschel das Platzproblem. Die Entscheidung des Stadtrats, dass das HGT künftig das nahe Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule in der Kaiserstraße mitnutzen kann (der TV berichtete), "nimmt ganz viel Druck aus unserem Betrieb", sagt Borschel.
Die Stadtverwaltung hatte dem Rat am Dienstag ein entsprechendes Konzept vorgelegt: In den nächsten Monaten soll das Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule für 390 000 Euro so hergerichtet werden, dass das HGT ab Herbst 2015 dort zunächst sieben Unterrichts- und zwei naturwissenschaftliche Räume nutzen kann.
Voraussichtlich wird ein kompletter Oberstufen-Jahrgang dorthin umziehen. Bislang ist die neunte Klassenstufe des HGT in die Barbara-Schule in Trier-Süd ausgelagert. Zum Fachunterricht kommen die Neuntklässler ins HGT am Augustinerhof. "Ein Fußweg für Lehrer und Schüler von rund 15 Minuten", sagt Borschel. "Bis zum Robert-Schuman-Gebäude sind es fünf Minuten - das macht einen Riesenunterschied."
Der Stadtrat hat die städtische Vorlage einstimmig beschlossen. Auf Antrag der SPD entschied der Rat zudem, dass die Verwaltung bis Juni 2015 ein Konzept für die umfassende Sanierung und dauerhafte Nutzung des Robert-Schuman-Gebäudes vorlegen soll. Eine solche Sanierung - bei der das Gebäude unter anderem durch einen Aufzug barrierefrei erschlossen würde - würde rund 3,4 Millionen Euro kosten. Der bislang avisierte neue Anbau an das HGT würde mit rund neun Millionen Euro zu Buche schlagen. "Zwar würden wir uns einen solchen Neubau wünschen. Aber wir sind realistisch und sehen, dass das bei der Finanzlage der Stadt wohl nicht möglich sein wird", sagt Borschel.
Wird das Robert-Schuman-Gebäude umfassend saniert, könnte das HGT dort wohl bis zu zwölf Räume nutzen. Den Vorschlag der SPD, dass zusätzlich die Barbara-Grundschule in die Kaiserstraße verlegt werden könnte und das dann frei werdende Barbara-Gebäude der nahen und ebenfalls unter Platznot leidenden Nelson-Mandela-Schule zugeschlagen wird, lehnte der Stadtrat mit knapper Mehrheit ab. Den Ergänzungsantrag der FDP, die Egbert-Schule aufzugeben, wies der Rat ebenfalls zurück (siehe Extra und TV-Bericht von Mittwoch).Meinung

Pest und Cholera
Mit der Weiternutzung des Robert-Schuman-Gebäudes ist eine dringende Entscheidung gefallen. Eine andere steht aus: Schuldezernentin Angelika Birk muss schnellstmöglich vorlegen, wie sie sich die Zukunft der Egbert-Grundschule vorstellt! Sie hat dabei die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das neue schwarz-grüne Bündnis im Stadtrat wünscht sich dem Vernehmen nach einen Neubau, der bis zu fünf Millionen Euro kosten würde. Folgt die grüne Dezernentin dem Bündniswunsch, dürfte sie größte Probleme haben, dafür die notwendige Zustimmung ihrer Kollegen im Stadtvorstand zu erhalten. Eine bloße Wiederherrichtung der Schule, sodass Unterricht wieder stattfinden könnte, würde rund zwei Millionen Euro kosten. Nachhaltig wäre diese Investition allerdings nicht. Das Gebäude bliebe energetisch unsaniert. Dagegen dürfte nicht nur die Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde als Finanzaufsicht der Stadt Einspruch erheben. Die dritte Variante wäre, den jetzigen Standort der Egbert-Schule in Trier-Ost aufzugeben und den Betrieb in die Schulen in Olewig und Kürenz zu verlegen. Das würde die Eltern in Trier-Ost schmerzen. Aber Millionen in die Lösung eines einzigen der unzähligen Trierer Schulprobleme zu investieren, obwohl dieses auch anders angegangen werden kann, macht angesichts der desolaten Finanzen der Stadt keinen Sinn. Und dürfte bei den Lehrern, Eltern und Schülern anderer sanierungsbedürftiger Schulen auch nicht auf Verständnis stoßen. c.wolff@volksfreund.deExtra

Die FDP forderte nicht nur die Aufgabe des jetzigen Standorts der Egbert-Grundschule gefordert, sondern schlug auch vor, wie es weitergehen könnte: Die stillgelegte Grundschule Kürenz, in der die Egbert-Kinder seit über einem Jahr unterrichtet werden, würde zur neuen Egbert-Schule. Die Schulbezirksgrenzen würden so geändert, dass ein Teil der Kinder im Gartenfeld in die neue Egbert-Schule in Kürenz eingeschult würde und ein Teil in die Grundschule Olewig. Die Zuordnung von Alt-Kürenz zur Grundschule Ambrosius würde teilweise aufgehoben, so dass Kinder, die in der Nähe wohnen, wieder in die Kürenzer Grundschule eingeschult würden. Würde die alte Egbert-Schule in Trier-Ost saniert oder neu gebaut, vergingen bis zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs sechs bis zehn Jahre. Bis dahin müssten die Trier-Ost-Kinder ohnehin in Kürenz unterrichtet werden. "Dieser Zustand wird sich in dieser langen Zeit so verfestigen, dass einer Überführung in einen dauerhaften Zustand keine ernsthaften Bedenken entgegengehalten werden können", argumentiert FDP-Chef Tobias Schneider. woc

Mehr von Volksfreund