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Pluwiger Kinder lernen, sich zu verteidigen

Pluwiger Kinder lernen, sich zu verteidigen

Ein Kind soll ein Mann verfolgt, ein anderes aus dem Auto heraus angesprochen haben. Diese Nachricht hatte sich Ende November wie ein Lauffeuer in der Umgebung von Pluwig verbreitet. Gefasst wurde der Mann bislang noch nicht. In Pluwig sind jetzt über 80 Kinder in Sachen Selbstsicherheit geschult worden.

Pluwig. "Ich hatte eigentlich keine Angst", sagt der achtjährige Felix (Name geändert). "Ich wusste ja, wie ich reagieren soll, wir haben in der Schule darüber gesprochen." Auch wenn er selbst nicht direkt von den jüngsten Vorfällen in Pluwig betroffen war, hatte seine Mutter ihn und seinen jüngeren Bruder zum Selbstsicherheitstraining in die Pluwiger Mehrzweckhalle gebracht. Die Frau berichtet davon, dass sie ihre Kinder zum Schulbus begleitet und sie nicht mehr alleine zum Spielen nach draußen gelassen habe.
"Es gibt keine Sicherheit fürs Leben", sagt Cheftrainer Stefan Krebs, Gründer von Iemas (Individual Effective Martial Arts System, zu Deutsch: Individuelles effektives Kampfkunst-System) in Trier-Feyen. "Mit unserem Selbstsicherheitstraining wollen wir die Kinder mit einem gewissen Notfallkoffer ausrüsten. Angst soll in gesunde Furcht umgewandelt werden. Gleichzeitig darf natürlich der Respekt vor der Situation nicht verloren gehen", erklärt er. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Pluwig haben Krebs und sein Team mehr als 80 Kinder aus dem Gebiet Pluwig, Schweich und Konz geschult.
Neben einer selbstbewussten Körperhaltung und Überlegungen zum richtigen Fluchtplan hat der Nachwuchs dabei gelernt, wie wichtig Überraschungsmomente in Gefahrensituationen sein können. Ein gezielter Tritt gegen das Schienbein, ein Biss in den Unterarm oder das Abwehren von Händen am eigenen Hals.
Der Pluwiger Ortsbürgermeister und Bundespolizist Wolfgang Annen steht voll hinter der Aktion: "Solange im TV darüber berichtet wird und die Polizei hier verstärkt unterwegs ist, wird der Kinderansprecher einen Teufel tun, sich hier bei uns blicken zu lassen", sagt er. "Dennoch müssen die Leute rundum sensibilisiert werden. Solche Menschen sind krank, und es scheint mehr von ihnen zu geben - irgendwo wird auch dieser Mann wieder auftauchen." Die Gemeinde stelle daher Überlegungen an, innerorts Rettungsinseln zu bilden. Damit die Kinder immer wissen, wohin sie im Notfall schnell und sicher flüchten können.
Von dem mutmaßlichen Täter, der im November mit den beiden Vorfällen für Aufsehen sorgte, fehlt weiter jede Spur. "Unsere Kollegen waren mehrmals in Pluwig im Einsatz. Doch leider ist bisher alles ins Leere gelaufen", sagt Reinhard Rothgerber, Pressesprecher der Trierer Polizei.
Die Kleinen jedenfalls haben das Training ganz begeistert verlassen. Die neunjährige Julia (Name geändert) meinte nach zwei Stunden Schulung: "Ja, ich fühle mich jetzt auf jeden Fall besser gerüstet. Ich weiß jetzt, wie man sich gegenüber so jemandem verhält."