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Pluwigerin baut Schulen in Nepal auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Entwicklungshilfe : Pluwigerin baut Schulen in Nepal auf

Lisa Gubernator hat dabei geholfen, Kindern Bildung zu ermöglichen. Das asiatische Land ist immer noch von dem Erdbeben vor fünf Jahren gezeichnet.

Einen ganzen Tag lang dauert die Reise von Pluwig nach Kathmandu, doch selbst dann ist Lisa Gubernator noch nicht am Ziel. Nach ein paar Tagen in der nepalesischen Hauptstadt fährt sie mit einem Bus sieben Stunden nach Sindhuli. Dort holt ein Fahrer sie mit einem Geländewagen ab und bringt sie in die Ausläufer des Himalayas. Über Schotterpisten passieren sie Ziegenherden, winkende Kinder und Hütten, vor denen Menschen kochen. Am frühen Abend des 2. Februar kommt Gubernator endlich an. Es ist kalt, aber die Menschen sind herzlich. Sie fühlt sich wohl.

Im April und Mai 2015 verwüsteten mehrere Erdbeben mit einer Magnitude von bis zu 7,8 Nepal und die Himalaya-Region. Laut nepalesischer Regierung starben fast 9000 Menschen. Es gilt als die tödlichste Katastrophe in der Geschichte des Landes.

Unzählige Gebäude wurden zerstört, darunter viele Schulen. Seit damals ist die US-amerikanische Hilfsorganisation All Hands and Hearts im Land und hat laut eigenen Angaben mit rund 4000 Helfern 21 Schulen erdbebensicher wiederaufgebaut. Lisa Gubernator will ihren Teil beitragen.

Lisa Gubernator aus Pluwig engagiert sich über die Hilfsorganisation All Hands and Hearts beim Schulbau in Nepal. Foto: privat

Nach ihrem Abitur reiste sie fast ein Jahr durch Zentralamerika und Kuba. Wieder zu Hause angekommen, wurde ihr klar, dass sie noch einmal reisen und sich zudem für eine gute Sache engagieren möchte: Freiwilligenarbeit. Am liebsten in der Konstruktion.

Ihr Vater betreibt eine Tischlerei, in der sie oft mitangepackt hat. Und die Waldorfschule, die sie besuchte, legte viel Wert auf sowohl künstlerische als auch handwerkliche Arbeit. Gubernator stößt auf All Hands and Hearts. Die Organisation hilft in verschiedenen Ländern, nach Naturkatastrophen Gebäude wiederaufzubauen.

Lisa Gubernator aus Pluwig engagiert sich über die Hilfsorganisation All Hands and Hearts. Foto: privat

Gubernator sieht, dass in Nepal Helfer gesucht werden. Das reizt sie. Im Dezember 2019 kurz vor Weihnachten bewirbt sie sich. Zwei Tage später kommt die Zusage. Den Flug zahlt sie selbst, Unterkunft und Verpflegung werden gestellt. Das ist nicht überall üblich. Sie sagt erst einmal für einen Monat zu.

Das Camp des Projektes besteht aus mehreren Gebäuden und Zelten am Rand eines Dorfes. Die Unterkünfte bestehen wie in einem Hostel aus Mehrbettzimmern. 60, 70 Menschen leben in dem Camp. „Bei der Ankunft wurden wir super nett begrüßt“, sagt Gubernator. Beim Team-Meeting vor dem Abendessen stellen sich die Neuankömmlinge vor.

Nach dem Essen sitzen alle am Lagerfeuer zusammen. Die freiwilligen Helfer kommen aus aller Welt, etwa aus Vietnam, Japan, Indien, China, den USA, Großbritannien, Chile, Deutschland, Ecuador. „Wir waren 20 bis 30 verschiedene Nationalitäten. Alle hatten viel zu erzählen. Mich hat komplett überrumpelt, dass alle super herzlich waren. Alle haben den ganzen Tag körperlich gearbeitet, wurden schmutzig, hatten aber immer ein Lächeln auf den Lippen.“

Am nächsten Morgen geht es um 7.15 Uhr los. Bei einem Meeting werden die Aufgaben für den Tag vorgestellt, der Fortschritt und Sicherheitshinweise besprochen. Die Helfer können aussuchen, in welchem Team sie arbeiten möchten. Es gibt zwei Baustellen, zehn und 45 Minuten entfernt, auf denen mehrere Schul- und Toilettengebäude errichtet werden. Während es abends nur wenige Grad über null ist, klettern die Temperaturen am Tag schnell über 20 Grad. Von Woche zu Woche wird es wärmer.

Gubernator transportiert Backsteine mit einer Schubkarre, gräbt Sickergruben für die Toilettengebäude und baut Baugerüste aus Bambus. In regelmäßigen Abständen wird das Mauerwerk mit einer Schicht aus Stahlstreben verstärkt, um es sicherer gegen Einstürze zu machen. Es gibt eine Hierarchie vor Ort.

Ein angestellter Konstruktionskoordinator leitet die Baustelle. Dazu gibt es Konstruktionsaufseher mit Berufserfahrung, Freiwilligenhelfer mit Erfahrung, Teamleiter und die einfachen Helfer. Dazu kommen die nepalesischen Angestellten, die vor allem die Mauern hochziehen.

Nach einer Woche wird Gubernator Teamleiterin. Die Arbeit ist hart, macht sie aber glücklich. Nach der Arbeit trinken die Helfer ein Bier in der Dorfkneipe. Es gibt Bier und den Reisschnaps Raksi. Sechs Tage wird gearbeitet, samstags ist frei.

Am 8. März fährt Gubernator mit anderen nach Kathmandu zum Fest der Farben. Am 12. März entscheidet sie sich, zu bleiben, bis das Projekt im Mai abgeschlossen ist. Einen Tag später meldet sich der CEO von All Hands and Hearts. Wegen des Coronavirus werden alle Baustellen geschlossen.

Alle Helfer müssen umgehend abreisen. Die Organisation kümmert sich um den Rücktransport nach Kathmandu und bezahlt allen für drei Nächte eine Unterkunft, damit jeder seine Rückreise organisieren kann. „Es ging alles so schnell“, erinnert sich Gubernator. „Wir hatten zwei Stunden, um unsere Sachen im Camp zu packen. Ich habe den ganzen Tag geweint. Wir haben in dieser Blase gelebt und waren ein paar Tage vorher noch von Hunderten Menschen umringt am Feiern. Ich habe gar nicht verstanden, was passiert.“ Am Samstag, 21. März, hebt ihr Flugzeug um 20.30 Uhr Ortszeit ab. Am Tag drauf wird der Flughafen von Kathmandu geschlossen.

„Trotz des traurigen Endes bereue ich es keine Sekunde, dort gewesen zu sein“, sagt sie. „Es war die beste Zeit meines Lebens.“ Sie schwärmt von den Menschen, die sie getroffen hat und wie sehr die Arbeit sie erfüllt hat.

„Es ist die Kombination aus körperlicher Arbeit, etwas Gutes zu tun, und dem kulturellen Austausch. Alle haben ein Ziel.“ Zurück in Deutschland ist Gubernator nun auf der Suche nach einer Ausbildung als Tischlerin.

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, werden die Schulen in Nepal fertiggestellt. Gubernator wäre gerne dabei, um die Arbeit zu beenden.