1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Podcast präsentiert Geschichte der jüdischen Trierer Familie Loeb

Neues Angebot der Bibliothek : Hörbeitrag zur Geschichte der jüdischen Trierer Familie Loeb

Nach dem Stadtmuseum präsentiert nun auch die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier ihr Programm zum Jubiläum 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Im Mittelpunkt eines ersten Audio-Beitrags, der auf 
www.stadtbibliothek-weberbach.de/aktuelles/podcast-buch-des-monats/ zu hören ist, steht ein Foto der bekannten Familie Loeb von 1895. Es zeigt eine gebildete, wohlhabende und assimilierte Familie, die jüdisch und trierisch ist.

In der Mitte ist der aus dem Hunsrück stammende Patriarch Leopold Loeb zu sehen. Etwa 20 Jahre vor Entstehung des Bildes, das zur Blütezeit der jüdischen Gemeinde entstand, leitete er in Trier mit dem Kaufmann Samuel Blum eine Weinbrennerei und Weingroßhandlung, die als „Leopold Loeb Aktiengesellschaft“ auch international sehr erfolgreich wurde, unter anderem mit einem Tochterunternehmen in London.

Die Kinder von Leopold Loeb und seiner Frau stehen in der letzten Reihe. Links hinten ist der älteste Sohn Sigmund zu sehen, der die Firma übernahm, daneben seine Schwester Caroline mit ihrem Gatten Sigmund Strauss. Zur Rechten des Vaters steht der jüngste Sohn, Albert Loeb mit seinem zwei Jahre alten Sohn Friedrich. Die festliche Kleidung ist besonders auffällig bei den Frauen, darunter in der Mitte Jeanette Kann, Ehefrau von Leopold Loeb. Auch auf anderen Fotos lächelt sie, als wollte sie sagen: „Hier in Trier geht es uns gut.“

Zu sehen sind auch sieben Enkelkinder des Paares. Rechts neben dem Patriarchen sitzt Nelli Loeb, auf dem Schoß die wenige Wochen alte Tochter Dorothea. Nelli, geboren als Ellen Meyer in New York, soll ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet haben. Sie kam in Amerika als Kind eines rheinischen Weinhändlers auf die Welt. Ein Großvater war Isaak Haber, einer der erfolgreichen Textilproduzenten in den USA, der unter anderem Militärbekleidung herstellte.

Die zweite Schwiegertochter Sophie Mayer stammte aus einer Rabbinerfamilie. Ihr Großvater väterlicherseits, Dr. Samuel Mayer, war Rabbiner, Schriftsteller, Theologe und Anwalt. Mütterlicherseits gehört sie zur Familie des renommierten Talmudlehrers und Rabbiners Isaias Heidegger aus Fürth, einem Zentrum des jüdischen Buchdrucks. Sophies Vater Adolph war in Trier Mitbegründer einer Buchdruckerei und eines Verlages für jüdische Literatur.

Der 1897 geborene Hermann Loeb, Enkel des Buchdruckers Adolf Mayer, gründete 30 Jahre später den Kunstbuchverlag Prestel, der noch heute zu den führenden Unternehmen dieser Branche gehört. Auch eine andere für Trier sehr wichtige Persönlichkeit fehlt auf dem Foto noch, der 1898 geborene Otto Loeb. Wie sein Vater und Großvater war er Weinhändler, aber auch drei Jahrzehnte lang Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und lange erster Repräsentant der israelitischen Gemeinde.

Er engagierte sich im Kulturleben, war Förderer der Philharmonischen Gesellschaft. Das Haus der Loebs in der Johannisstraße 10 war ein kulturelles Zentrum der jüdischen Gemeinde. Sigmunds Sohn Otto promovierte 1922 über den Weinhandel an der Mosel, war Mitbegründer und Geschäftsführer des Verkehrsvereins und unterstützte das Trierer Musikleben.

Das NS-Regime machte ab 1933 eine weitere Existenz der Loebs in Trier unmöglich. Otto Loeb emigrierte 1937 nach London, wo er als Weinhändler erfolgreich war. Sigmund Loeb zog mit seiner Frau und der Familie der Tochter Dorothea in die Nähe von Amsterdam. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande wurde die Familie interniert. Nur dank der US-Staatsangehörigkeit Nelli Loebs entkam sie der Deportation in den Osten.

Nicht alle Familienmitglieder hatten so viel Glück: Eine Tochter Leopold Loebs, Caroline Strauß (auf dem Foto hinter ihrer Mutter) und ihre Tochter Hedda (ganz links) kamen im Holocaust ums Leben. Auch Victor, der ganz rechts sitzt, starb 1942. Nur die auf einem weißen Fell sitzenden Lucie und Otto Strauß überlebten. Lucie wohnte vor dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann Hugo Jablonski in Paris.

Ihr Sohn Robert wurde in Frankreich als „Kinderretter von La Guette“ geehrt, da er mehr als hundert jüdische Kinder nach Österreich in Sicherheit bringen  konnte.

Als letztes der auf dem Foto verewigten Familienmitglieder starb Otto Loeb mit 93 Jahren in Paris. Ein halbes Jahr vor seinem Tod war er 1958 zu Besuch in Trier, als die Verdienste seines Vaters Sigmund für die Heimatstadt mit der Benennung einer Straße in Trier-Nord gewürdigt wurden. Später erhielt er stellvertretend für den Vater das Ehrensiegel der Stadt.