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Politikwissenschaftler Professor Markus Linden über Corona-Proteste in Deutschland

Kostenpflichtiger Inhalt: Expertengespräch : Totalablehner sind die Köpfe der Corona-Proteste

Wer hinter den deutschlandweiten Corona-Protesten steckt und wie gefährlich sie für die Demokratie sind, erklärt der Politikwissenschaftler Prof. Markus Linden.

(cmk) Die Trierer Gruppe ist nur ein sehr kleiner Teil der bundesweiten Proteste gegen die Maßnahmen der Länder und des Bundes zur Eindämmung der Corona-Pandemie.  Für kommenden Samstag wurde zum Beispiel in Stuttgart eine Kundgebung mit 500 000 Teilnehmern angekündigt. Über die Frage nach den Köpfen der neuen Bewegung und eine politikwissenschaftliche Einschätzung der Demonstrationen hat der TV mit Prof. Markus Linden, Politikwissenschaftler an der Universität Trier gesprochen. Linden beschäftigt sich seit Langem intensiv mit Verschwörungstheorien, alternativen Medien und deren Bedeutung.

Der Politikwissenschaftler geht davon aus, dass Rechtsradikale und rechtspopulistische Akteure bei den aktuellen Protesten eine große Bedeutung einnehmen. Aber: „Der derzeitige Protest ist heterogen.“ Es lasse sich ein Wiedererstarken des verschwörungstheoretischen Protestspektrums erkennen.

Hinzu kämen „Totalablehner und Verschwörungstheoretiker, wie etwa Ken Jebsen.“ Das Besondere daran: „Diese Akteure instrumentalisieren eine Proteststimmung, die auch aus liberalen Motiven erwächst.“ Auch die AfD positioniere sich nach anfänglichem Zögern. Nachdem sie zunächst nicht gewusst habe, wie sie mit Corona umgehen solle, versuche sie sich nun an die Spitze der Bewegung zu setzen.

„Bedenklich ist, dass die neue Corona-Protest-Querfront ausgesprochen aggressiv auftritt“, sagt Linden. „In Reden werden etwa seriöse Wissenschaftler diffamiert.“ Der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Homburg spreche etwa von „Panikmache“ und von „Fake News der Bundesregierung“. Linden meint: „Diese Kritik geht erheblich über eine natürlich legitime sachliche Kritik hinaus.“

Die Protestbewegung versammelt aus Sicht des Trierer Politologen „Totalablehner, für die Corona eine willkommene Gelegenheit ist, um mit dem politischen System an sich abzurechnen“. Bedenklich sei, dass manche Politiker diesen Ton gerne teilten, um Pluspunkte zu sammeln.

 Insgesamt seien die Corona-Proteste oft unsachlich. Linden: „Es wird von angeblichen Unterdrückungsplänen schwadroniert, die es gar nicht gibt.“

Eine Ursache aus Lindens Sicht: „Letztlich hat die Politik mit ihrem eigenen Erfolg zu kämpfen. Da Lagen wie in Italien und Frankreich vermieden werden konnten, halten manche die Maßnahmen nun für übertrieben.“