Polizei: 170 Frauen arbeiten im Rotlichtgewerbe

Polizei: 170 Frauen arbeiten im Rotlichtgewerbe

Rund 170 statt 250: Die Stadt Trier ist offenbar doch nicht eine der "Hurenhauptstädte" Deutschlands. Das ergibt die Recherche bei der Polizei.

Trier. 250 Prostituierte in der Stadt Trier, macht 237 auf 100 000 Einwohner und bringt der Stadt Trier den wenig ruhmreichen zweiten Platz bei einer Liste der "Hurenhauptstädte" Deutschlands ein. Damit gingen die Zeitungen Welt am Sonntag und Bild am Wochenende hausieren.
Vor allem im Internet sorgte das für rege Diskussionen. Prostituierte müssen sich nirgends registrieren, daher gibt es auch keine offiziellen Zahlen. Die Stadt Trier hält die von der Welt am Sonntag ermittelte Zahl für deutlich zu hoch (der TV berichtete am Mittwoch). Nun scheint klar, wie sie zustande gekommen ist: durch einen Fehler. Die Anfrage der Welt sei bereits im Mai beantwortet worden, sagt Karl-Peter Jochem vom Polizeipräsidium Trier. Das Präsidium habe auf die Anfrage hin eine Schätzzahl von 250 Prostituierten angegeben - allerdings nicht für die Stadt, sondern für den Präsidiumsbereich. Der umfasst aber nicht nur die 105 000 Einwohner Triers, sondern rund 620 000 Bewohner im ehemaligen Regierungsbezirk Trier und im Landkreis Birkenfeld. "Auch wir haben keine statistische Erfassung", sagt Jochem, "die Zahl ergibt sich als Schätzung aufgrund der Erfahrung von Kontrollen und Einsätzen." Für die Stadt Trier schätzt die Polizei die Zahl der Prostituierten auf rund 170 - also deutlich weniger als 250. Rechnet man diese Zahl auf 100 000 Einwohner um, landet man bei 162.
Legt man die 162 zugrunde, dann landet Trier bei der Übersicht der Welt am Sonntag nicht mehr auf Platz zwei, sondern, gemeinsam mit Saarbrücken auf Platz acht- falls die anderen Recherchen des Blatts stimmen. Hoch ist die Zahl demnach dennoch. Metropolen wie Hamburg (122 pro 100 000 Einwohner), Köln (138), Düsseldorf (118) oder Stuttgart (82) haben eine deutlich geringere Zahl von Prostituierten.
Verwunderlich ist es nicht, dass das Gewerbe in Trier blüht - aufgrund der Grenznähe zu Luxemburg und auch zu Frankreich. In Luxemburg wird Prostitution zwar geduldet. Bordelle und Zuhälterei sind jedoch verboten. Ähnlich ist es in Frankreich, wo Bordelle und Straßenstriche und das öffentliche Anwerben von Freiern verboten sind. Diese Rechtslage dürfte viele Freier nach Trier treiben - bekanntlich legen Freier für den Bordellbesuch auch größere Entfernungen zurück, um unerkannt zu bleiben.
Möglicherweise gibt es bald größere Transparenz über die Zahl von Prostituierten in Deutschland - bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin wird über eine Genehmigungspflicht für Bordelle diskutiert (siehe Hintergrund).Extra

Prostitution spielt auch bei den laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin eine Rolle: Union und SPD planen eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes. "Die brutale Ausbeutung von Prostituierten, die heute massenhaft in Deutschland stattfindet, muss beendet werden. Menschenverachtende Praktiken wie Flatrate-Sex gehören verboten", sagte SPD-Vize Manuela Schwesig. Außerdem müsse den betroffenen Frauen geholfen werden, etwa mit einem eigenständigen Aufenthaltsrecht. Die Vorsitzende der Frauenunion, Maria Böhmer (CDU), sagte: "Freier, die Zwangsprostituierte ausnutzen, wollen wir bestrafen. Vor allem junge Frauen unter 21 Jahren müssen sich persönlich beim Amt melden." Bordelle sollten genehmigungspflichtig werden. Für Prostituierte solle es Pflicht werden, sich regelmäßig von unabhängigen Ärzten untersuchen zu lassen. Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zufolge suchen täglich 1,2 Millionen deutsche Männer Prostituierte auf. dpa/mic

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