Polizei beklagt einen zunehmenden sorglosen Umgang mit Drogen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Nach Trierer Razzia: Polizei beklagt sorglosen Umgang mit Drogen

Neue Details zu der Drogenrazzia im Trierer Palastgarten: Laut Polizei wurden viele der mit Drogen erwischten Jugendlichen kurz nachdem sie kontrolliert worden waren, erneut erwischt, als sie „Stoff“ kauften.

Mit einer großangelegten Aktion ist die Polizei in Trier gegen Drogendealer vorgegangen. Am späten Dienstagnachmittag kontrollierten mehrere Beamte zahlreiche Personen im Palastgarten und am Hauptbahnhof. Im Mittelpunkt standen 24 Drogendealer, die schon länger im Visier der Ermittler standen, und gegen die zum Teil bereits Haftbefehle bestanden. Aber auch gegen die Abnehmer der Drogen, darunter laut Polizei viele Schüler, wird wegen des Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmitteln ermittelt. Viele hätten kein Unrechtsbewusstsein gehabt. Kurz nachdem sie kontrolliert und wegen Drogenbesitzes angezeigt worden seien, seien einige erneut beim Kaufen von Stoff er­wischt worden. Ein Sprecher des Trierer Polizeipräsidiums beklagt den zunehmend sorglosen Umgang mit Betäubungsmitteln. Vielen seien die Gefahren und die strafrechtlichen Folgen bei Besitz und dem Konsum von Cannabis nicht bewusst. Die Debatte um Legalisierung und angebliche Straffreiheit bei cannabishaltigen Produkten befördere diese Sorglosigkeit zusätzlich.

Insgesamt kontrollierten die Beamten bei der Razzia 51 Personen. Dabei wurden sieben mit Haftbefehlen gesuchte Dealer verhaftet und eine weitere Person vorläufig festgenommen. Nach Informationen unserer Zeitung observierte die Polizei das Geschehen im Palastgarten, wo Dealer unter anderem Drogenverstecke angelegt haben sollen, seit Wochen von einer benachbarten Behörde aus. Bei der Razzia seien Cannabisprodukte in geringer zweistelliger Grammzahl sichergestellt worden.

Seit September vergangenen Jahres laufen bereits die Ermittlungen, nachdem bei einer ähnlichen Aktion wie am Dienstag mehrere Personen kontrolliert, kleinere Mengen illegaler Drogen sichergestellt und zwei Männer aufgrund bestehender Haftbefehle festgenommen worden waren.

Laut Andreas Stamm. Leiter der Suchtberatungsstelle Die Tür in Trier, gibt es in der Stadt keine offene Drogenszene, etwa Heroinabhängige, die offen Drogen konsumierten. Drogen würden hier eher auf privaten Treffen, Konzerten und gelegentlich an öffentlichen Plätzen oder Schulhöfen konsumiert. Die Polizei bestätigt ebenfalls, dass es keine echten Drogen-Hochburgen in der Region gebe. Auch gebe es keine Hinweise auf einen organisierten oder bandenmäßigen Drogenhandel.

Trotzdem ist Drogenkriminalität in der Region an der Tagesordnung. Bei der Staatsanwaltschaft Trier wurden im vergangenen Jahr insgesamt 4191 Ermittlungsverfahren wegen Drogendelikten geführt, in diesem Jahr bislang 2779. Die Richter des Trierer Landgerichts führten im vergangenen Jahr insgesamt 83 Drogen-Verfahren.

Zu den am meisten konsumierten illegalen Drogen zählen laut Stamm vor allem Cannabis, Amphetamin und Ecstasy. An erster Stelle stehe aber bei Jugendlichen Alkohol „als beliebtestes, leicht verfügbares Mittel“. Im vergangenen Jahr starben in Rheinland-Pfalz 58 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums.

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