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Polizei geht in die Offensive und fragt, wie sicher sich die Menschen fühlen

Polizei geht in die Offensive und fragt, wie sicher sich die Menschen fühlen

Dunkle Ecken, gewaltbereite Gruppen, rücksichtslose Raser: Darüber machen sich die Menschen in Trier und Umgebung Sorgen, wenn es um ihre Sicherheit geht. Um mehr über diese Nöte zu erfahren, geht die Polizei neue Wege - mit einer Straßenumfrage und Gruppenarbeit.

Arbeit an der Basis - so könnte das Vorhaben betitelt werden, das die Trierer Polizei angestoßen hat. Sie will wissen, wo den Menschen in Trier und Umgebung der Schuh drückt. Teil eins des Plans: In einer Straßenumfrage in der Trierer Innenstadt interviewten Beamte 145 Passanten zu Orten, Menschen und Situationen, die bei ihnen Unsicherheit auslösen. Entwickelt und ausgewertet wurde dieser Fragebogen von Professor Dr. Rüdiger Jacob und seinem Team vom Fachbereich Soziologie der Universität Trier.

Teil zwei des Plans setzte das Polizeipräsidium am Dienstagabend im Sitzungssaal der Kreisverwaltung Trier-Saarburg um und bediente sich dabei eines cleveren pädagogischen Tricks: "Wir wollen auch den Stilleren unter Ihnen Gehör verschaffen", kündigte Ralf Krämer, Leiter der Polizeiinspektion Trier und Moderator des Bürgerforums, zu Beginn an. Und so wartete er nicht auf Wortmeldungen, sondern teilte die rund 40 Gäste in Gruppen ein. Wo die Hemmschwelle, die eigenen Sorgen mitzuteilen, geringer war.

Die Probleme der Teilnehmer sind zwar nicht neu, zeigen aber, dass einige Orte in Trier Dauerbrenner in Sachen Angstraum sind: Palastgarten und Hauptbahnhof zum Beispiel. Wenn dann noch Dunkelheit, Alkohol und eine Gruppe von Männern mit Aggressionspotenzial hinzukommen, fürchten sich Männer und Frauen gleichermaßen. Zwar bezogen sich die benannten Orte ausschließlich auf Trier, eingeladen hatte die Polizei aber auch die Kollegen aus Schweich, Saarburg und Hermeskeil. Denn Raser, schlecht beleuchtete Ecken, vermehrte Waffenkäufe und erhöhte Gewaltbereitschaft - weitere Unsicherheitsfaktoren bei den Teilnehmern - gibt es schließlich nicht nur in Trier, sondern im ganzen Kreis.

Die Ergebnisse des Bürgerforums "Partner im Dialog" deckten sich weitgehend mit denen der nicht repräsentativen Straßenumfrage, sagte Professor Jacob. "Die Befragten fühlen sich in Trier relativ sicher, insbesondere nachts aber unsicher." Auch seien als Orte, an denen sich die Menschen unsicher fühlen, der Palastgarten und Hauptbahnhof genannt worden - dicht gefolgt von Trier-West und -Nord. Hier gab es eine Überraschung: Diese Stadtteile bezeichneten auch Menschen als unsicher, die dort selbst leben. "Wir dachten eigentlich, dass Trier-West und -Nord ein schlechtes Image bei denjenigen haben, die dort nicht wohnen", erläuterte Jacob.

Und wovor hatten die Befragten am meisten Angst? Platz eins belegen die Raser - 57,8 Prozent fühlen sich durch zu schnelle Autofahrer verunsichert.

Schließlich wollte die Polizei auch wissen, wie ihre eigene Arbeit beurteilt wird. Hier ergibt sich ein unklares Bild: Während 47,9 Prozent der Befragten die Polizeipräsenz als ausreichend empfinden, gaben 52,1 Prozent das Gegenteil an. So kam bei den Teilnehmern des Bürgerforums dann auch der Wunsch nach mehr Fußstreifen auf. Krämer: "Wir versuchen immer, im Dienstplan Fußstreifen aufzunehmen."

Viele Antworten also. Eine Frage, die aber bleibt: Was fängt die Polizei nun mit den Erkenntnissen an? Das kündigte Polizeipräsident Lothar Schömann an: "Wenn mit der Sorge, die Sie äußern, ein Sicherheitsproblem verbunden ist, werden wir uns darum kümmern. Das ist eine Zusage."Extra

Hans Berg (Schweich): Wir haben in Sachen Einbruchschutz schon Maßnahmen getroffen, wollen aber sicher sein, dass wir diesbezüglich auf dem neuesten Stand sind. Deshalb finde ich diese Veranstaltung sehr gut. Wir werden uns zu diesem Thema auch noch weiter beraten lassen.
Frank Theis (Kasel): Mir ist aufgefallen, dass beim Flohmarkt im Messepark sehr viel geklaut wird. Ich kenne Leute, die dort schon keinen Stand mehr aufbauen. Insgesamt ist es in anderen Städten sicher schlimmer als in Trier. Aber als älterer, alleinstehender Mensch würde ich mich schon etwas unsicher fühlen.
Helen Neunert (Trier): Ich wohne direkt in der Innenstadt und halte mich nachts dort nur in gut beleuchteten Bereichen auf. Da ich ein Geschäft in der Brotstraße betreibe, interessiere ich mich besonders für Statistiken, die zeigen, wie oft in Geschäfte eingebrochen wird. Denn es ist ja klar, dass dort nachts niemand ist.
Manfred Jochen (Konz): Ich finde es gut, dass eine Veranstaltung in dieser Form angeboten wird. Ich fühle mich noch sicher, allerdings zunehmend unsicherer. Ich möchte aber betonen, dass das nichts mit Flüchtlingen zu tun hat. (bec)/TV-Fotos (4): Friedemann VetterExtra

Polizei geht in die Offensive und fragt, wie sicher sich die Menschen fühlen
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
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Ein weiterer Schwerpunkt des Bürgerforums lag - passend zur dunklen Jahreszeit - auf dem Thema Einbruchschutz. Wie sich Betroffene und Beobachter richtig verhalten (keine Alleingänge, aufmerksam bleiben, den Tatort nicht verunreinigen) und wie man das eigene Heim schützen kann, darüber sprachen Klaus Nohn, stellvertretender Leiter der Trierer Banden-Ermittlungsgruppe, und Wilfried Plohmann, Leiter der Zentralen Prävention im Polizeipräsidium Trier. "Die Zahl der Einbrüche ist rückläufig, es gibt aber keine Entwarnung", sagte Nohn. Gab es 2015 vom 1. Januar bis 30. September in der Stadt noch 180 Einbrüche (davon 62 Versuche), waren es 2016 im gleichen Zeitraum 79 (40 Versuche). Die Aufklärungsquote (AQ) hat sich von 12 auf 16,5 Prozent gesteigert. Im Kreis Trier-Saarburg gab es 2015 noch 145 Einbrüche (69 Versuche, AQ 10,3 Prozent). In diesem Jahr meldet die Polizei 109 Fälle (66 Versuche, AQ 26,6 Prozent). Infos zum Einbruchschutz: Polizeipräsidium Trier, Telefon 0651/9779-1256 (Beratung ist auch zu Hause möglich), und unter nicht-bei-mir.de