Polizei überwacht Jecken in der Stadt Trier - Blick hinter die Kulissen
Trier. · Noch niemals in der Geschichte des Trierer Straßenkarnevals ist die Polizei mit einem so hohen technischen und personellen Aufwand in den Weiberdonnerstag gestartet. Überwachungskameras und doppelt so viele Beamte wie normal sollen für Sicherheit und Frieden sorgen. Das übernimmt dann das Wetter ganz umsonst.
Die Szene ist bunt, ein bisschen tragisch und absolut typisch für einen Weiberdonnerstag, über den in der Ruhmeshalle des Trierer Karnevals wohl keine Lieder erschallen werden. An einer Bushaltestelle in der Simeonstraße drängt sich eine kleine Gruppe junger Narren zusammen. Ein Känguru, zwei sexy Polizistinnen, zwei vom Kostüm her undefinierbare Gestalten und eine Nonne warten auf ihren Bus. Sie sind durchnässt und frieren - und sie haben ihrer Körperhaltung nach zu urteilen vorerst genug vom Straßenkarneval. Es ist 15.30 Uhr. Im Katastrophenjahr 2012 fing der Ärger zu dem Zeitpunkt erst richtig an.
200 Polizisten im Einsatz
"Das ist Polizeiwetter", sagt Kriminaldirektor Norbert Hausen. Der Chef der Polizeidirektion Trier leitet den Großeinsatz von über 200 Ordnungshütern auf den Straßen und an den Bildschirmen. "Eine Witterung wie diese lässt zwar leider keine richtige fröhliche Stimmung aufkommen, das tut uns auch leid für die vielen engagierten Karnevalisten. Aber der Regen und die Kälte dämpfen eben auch Impulse, die in Gewalt ausarten können."
Hausen hat zentrale Punkte der Innenstadt im Blick, ohne das Dienstgebäude der Polizeidirektion in der Karthäuser Straße verlassen zu müssen. Vier große Bildschirme zeigen qualitativ hervorragende Bilder vom Hauptmarkt, der Treverispassage, dem Kornmarkt und dem Parkplatz des Trierer Berufsschulzentrums, wo die beiden Jugendzentren Exhaus und Mergener Hof am Nachmittag eine große Party starten wollen. Nur auf dem Hauptmarkt regt sich sichtbar karnevalistisches Leben.
Ein Team von Beamten hat alle Bildschirme ständig im Blick. Sollte sich irgendwo Unruhe ankündigen, kann die Polizei sofort reagieren. Hausen: "Unsere Einsatzkräfte sind strategisch so verteilt, dass sie in der Innenstadt in den meisten Fällen zu Fuß eingreifen können." Ein schneller Zoom bringt das Bild ohne einen Verlust an Schärfe und Qualität von der Vogelperspektive auf Straßenhöhe. Die eingesetzten Kameras sind offensichtlich hochwertige Hardware. Sie zeigen ein nasses und windiges Trier.
Sebastian Dahm und 19 seiner Kollegen sind mittendrin. Dahm gehört zu dem Team von Beamten, die mit einer Body-Cam in Trier unterwegs sind - einer an der Uniform befestigten Kamera. Diese Geräte laufen nicht ständig, sondern werden nur aktiviert, wenn eine Überprüfung oder ein Einsatz ansteht.
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"Für die Polizei Trier ist das ein Pilotprojekt", sagt Dahm. Da die Body-Cams deutlich zu sehen sind, werden viele Menschen darauf aufmerksam und sprechen die Beamten an. Nur einmal muss Dahm sie zwischen 11 und 17 Uhr tatsächlich aktivieren. "Das war eine Personenüberprüfung", erklärt er. "Wir haben dem Betroffenen angekündigt und erklärt, dass wir die Kamera einsetzen, und er hat es ohne Probleme akzeptiert."
Der zunächst schwerste Zwischenfall des Tages ereignet sich schon früh. Am Stockplatz greifen gegen 11.50 Uhr drei angetrunkene Männer im Alter von 23 bis 27 Jahren den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes an und verletzen ihn. Die Männer werden von den Einsatzkräften gestellt und in Gewahrsam genommen. Die über den gesamten Tag hinweg laufenden Jugendkontrollen ergeben einen Missetäter: Ein 17-Jähriger wird mit zu viel Alkohol im Blut bei seinen Eltern abgegeben. Das ist bis 18 Uhr alles. Der Überwachungseinsatz ist zu Ende, die Kameras werden deaktiviert.
Doch der Weiberdonnerstag geht natürlich weiter. Die Kneipen und Lokale der Innenstadt sind voll, das närrische Leben tobt auf engem Raum. Die Spätschicht der Polizei übernimmt und rüstet sich für die wahrscheinlich notwendigen
Einsätze nach Einbruch der Dunkelheit.
Der Überwachungseinsatz mit stationären und mobilen Kameras wird am Rosenmontag weitergehen. Dann gehört auch der Fort-Worth-Platz und damit das Umfeld der Arena Trier, wo die Abschlussfete des Zuges laufen wird, zu den gefilmten Bereichen. Am Freitag, Samstag und am Sonntag bleiben die Kameras der Polizei dagegen aus