Polizei zieht junge Trinker aus dem Verkehr

Die Polizei startet zusammen mit den Jugendämtern der Stadt Trier und des Kreises Trier-Saarburg eine Offensive für Jugendschutz und Sicherheit im Karneval. Angetrunkene Kinder und Jugendliche sollen zentral betreut, zu ihren Eltern gebracht oder von diesen abgeholt werden.

Trier. Tausende Menschen werden am Weiberdonnerstag, 11. Februar, die Übergabe des Trie rer Stadtschlüssels an Prinz Ralf I. und den Start in die heiße Karnevalsphase feiern. Um das früher an diesem Tag übliche Scherben-Meer zu verhindern, gilt auf dem Trierer Hauptmarkt zum dritten Mal ein Glasverbot (von 11 bis 18 Uhr). Dazu kontrollieren die Ordnungskräfte wieder an den verschiedenen Zugängen die Taschen der Passanten.

Geschäfte und Kneipen unter Beobachtung



Doch damit nicht genug: Ein neues Konzept soll dazu führen, dass sich weniger Kinder und Jugendliche mit alkoholischen Getränken versorgen und im schlimmsten Fall mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen. Deshalb wollen Polizei und Jugendämter sowohl Geschäfte und Gaststätten als auch die Jugendlichen noch intensiver als bisher kontrollieren - schon ab 7 Uhr morgens. "Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz verfolgen wir konsequent", kündigt Polizei-Sprecher Karl-Peter Jochem an.

Kinder und Jugendliche, die deutlich angetrunken oder mit für sie verbotenem Alkohol angetroffen werden, können ins Beratungszentrum der Polizei in der Palaststraße gebracht werden. Das Büro liegt ganz in der Nähe des Hauptmarkts. Dort kümmern sich Mitarbeiter des Jugendamts und des Sachgebiets Jugend der Polizeidirektion Trier um die Betroffenen. Das Team organisiert bei Bedarf eine ärztliche Versorgung und informiert die Erziehungsberechtigten. Sie sollen ihre Kinder im Beratungszentrum abholen.

Auf Eltern können Kosten zukommen



Sollten die Eltern dazu nicht in der Lage oder nicht erreichbar sein, bringt die Polizei die Minderjährigen unter Umständen selbst nach Hause. Als letzte Notmaßnahme gibt es die Option, ein Kind vorübergehend in einer Jugendhilfeeinrichtung wie Don Bosco oder Maria Goretti unterzubringen - im Zweifelsfall sogar über Nacht. "Für eine solche Inobhutnahme müsste eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes gegeben sein", erklärt Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf auf TV-Anfrage. "Dafür bräuchten wir das Einverständnis der Eltern oder des Familiengerichts."

In jedem Einzelfall wird geprüft, ob anfallende Kosten den Erziehungsberechtigten in Rechnung gestellt werden können. "Das hängt zum Beispiel vom Alter und Zustand der jungen Leute ab", sagt Jochem. "Wir wollen keine Drohgebärden aufbauen, sondern im Vorfeld an Eltern appellieren, auf ihre Kinder zu achten."

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Meinung

Die Pflicht zu handeln

Wer den bekannten Alkoholexzessen an Weiberdonnerstag nicht tatenlos zusehen will, muss handeln. Das tun Polizei, Ordnungs- und Jugendämter in und um Trier seit einigen Jahren zunehmend offensiv. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Vorbeugung. Verkäufer und Wirte müssen mit Kontrollen rechnen. Jugendliche sind konkret gewarnt, sich zurückzuhalten. Eltern wissen, dass sie bei Auswüchsen zur Verantwortung gezogen werden können. Die jüngste Ankündigung, Kinder unter Umständen sogar in Jugendeinrichtungen unterzubringen, hörte sich zunächst extrem an. Doch dies ist weder so ohne weiteres rechtlich möglich noch von den Behörden gewollt. Dieser Sonderfall ist nur der Vollständigkeit halber miterwähnt. Denn in einer akuten Gefahrenlage sind Behörden sogar verpflichtet, Minderjährige nicht sich selbst zu überlassen. m.hormes@volksfreund.de