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Polizeigewalt Lützerath: Das sagt Aktivistin Iza Hofmann aus Trier

Protest gegen Braunkohleabbau : Widersprüchliche Angaben zu Verletzten in Lützerath: Das sagt die Trierer Demosanitäterin Iza Hofmann zu den Vorwürfen

Bei den Protesten in Lützerath ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Trierer Aktivistin und Demosanitäterin Iza Hofmann sagt, die Beamten seien brutal vorgegangen. Was die Polizei sagt und wieso auch die Kliniken im Blick sind.

Die Proteste gegen den Braunkohleabbau in Lützerath haben am Wochenende einen traurigen Höhepunkt gefunden. Am Samstag reisten tausende Aktivisten in das nordrhein-westfälische Dorf, um ein letztes Mal gegen den Abbau zu protestieren. Dabei kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen sowohl Polizisten als auch Demonstrierende verletzt wurden.

Klima-Aktivistin Iza Hofmann aus Trier erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei bei Protesten in Lützerath

Iza Hofmann, eine 18-jährige Klima-Aktivistin aus Trier, war am Samstag wieder als Demosanitäterin in Lützerath. Vergangene Woche sprach sie mit unserer Redaktion über die Situation im Protestcamp und warf der Polizei ein brutales Vorgehen vor.

Am Sonntag war Iza dann bei einer Pressekonferenz der Aktivisten zu sehen und sagte: „Die Polizei hat nicht nur in Einzelfällen, sondern systematisch auf den Kopf von Aktivisten geschlagen.“ Laut der Klima-Aktivistin seien einige Demonstranten lebensgefährlich verletzt worden. Diese harten Vorwürfe wurden daraufhin sofort von einigen Medien, darunter dem WDR, überprüft. Auch die Polizei bezieht Stellung und widerspricht der Klima-Aktivistin.

Zahl der Schwerverletzten kann nicht bestätigt werden

Der WDR kontaktiert nach Izas Aussage vier Krankenhäuser in der Nähe von Lützerath. Keins von ihnen kann bestätigen, dass bei ihnen lebensgefährlich verletzte Demonstranten eingewiesen wurden. Die Polizei äußert sich ähnlich. Sie wisse zwar von neun Protestierenden, die mit Rettungswägen in Krankenhäuser gebracht wurden. Die schwebten aber nie in Lebensgefahr. Laut der Polizei wurden außerdem auch einige Beamte durch die Demonstranten verletzt.

Vorwurf Polizeigewalt: Deshalb beharrt die Klima-Aktivistin auf ihrer Aussage

Da die Medienberichte und Polizeiaussagen an Izas Anschuldigungen zweifeln lassen, konfrontieren wir die 18-Jährige damit. Auf die Frage, warum die Krankenhäuser Izas Aussage über die lebensgefährlich verletzten Demonstranten nicht bestätigen, antwortet die Demosanitäterin: „Die Aktivisten verschleiern ihre Identität im Krankenhaus, damit die Polizei sie dort nicht verhaften kann.“ Die Demosanitäter würden den Protestierenden dabei helfen. „Wir verwischen die Zusammenhänge zwischen Verletzung und Aktivisten, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen.“ Dass dem medizinischen Personal keine Informationen über schwerverletzte Demonstranten vorliegen, sei dementsprechend ein Erfolg für die Aktivisten.

Beweise für die von ihr beschriebene Brutalität durch die Polizei will Iza nicht preisgeben. „Die Sicherheit der Aktivisten ist wichtiger als die Öffentlichkeit“, sagt die 18-Jährige. Diese Begründungen teilt Iza auch auf ihrem Twitter-Profil. Dort ist die Aktivistin sehr aktiv, veröffentlicht immer wieder ihre Meinung zu den Protesten in Lützerath. Dass sie keine Beweise für ihre Aussagen vorlegen möchte, wird von einigen Nutzern stark kritisiert. Einer schreibt: „Wenn es keine Daten und Fotos gibt, wird man dir verständlicherweise nicht glauben.“

Vorwürfe der Gewalt werden rechtlich überprüft

Was genau bei den Demonstrationen in und um Lützerath passiert ist, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Wochen klären. Ein Polizeisprecher gibt an, dass bereits 150 Strafverfahren gegen Protestierende laufen, unter anderem wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch. Im Gegensatz dazu will das Netzwerk „Leipzig nimmt Platz“ die Aachener Polizei anzeigen. Das berichtet der MDR. Das Netzwerk wirft den Beamten eine überzogene Gewaltanwendung und schlechte Kommunikation vor. Laut der Aachener Polizei ist die Anzeige noch nicht bei ihnen eingegangen.

In Lützerath sind seit Sonntag keine Demonstranten mehr. Die Polizei konnte das Dorf komplett räumen. Auch die zwei Aktivisten, die sich in den Tunneln unter dem Dorf verschanzt hatten, verließen ihren Posten.