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Polizisten am Pranger, Bürger im Einsatz

Polizisten am Pranger, Bürger im Einsatz

Das allgemeine Spardiktat macht auch vor der Polizei nicht halt: Nach Berechnung der Gewerkschaft der Polizei gibt es landesweit nur noch 8700 Vollzeitstellen. Weil die Beamten völlig überlastet seien, rufen die Gewerkschafter die Bevölkerung zum Protest auf.

Trier. Am Samstagmittag in der Trierer Fußgängerzone: Tausende Menschen strömen bei sonnigem und gar nicht so kaltem Wetter durch die Fußgängerzone. Mitten unter ihnen: lauter augenscheinliche Verbrecher - mit Sturmhauben, schwarzen Kapuzenpullis, Brecheisen schwingend. Die Polizei? Steht am Pranger. Völlig zu Recht, könnte man meinen. Dabei steht sie da ganz freiwillig, mit einem Infostand, und die Panzerknacker-Typen sind auch nur verkleidete Kollegen: "Wir brauchen Verstärkung", schallt es aus einem Lautsprecher, und damit ist die Kernforderung wiedergegeben, die die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nicht nur hier erhebt: "Die Anzahl der Polizisten im Land soll von derzeit rund 9000 auf 10 000 erhöht werden", erklärt GdP-Landesvorstand Dieter Engemann. Eine 2012 von der rot-grünen Koalition eingeleitete Reduzierung der Stellen bedeute mittlerweile einen Raubbau an den Beamten: "Wir sind nicht mehr in der Lage, den regulären Wechselschichtdienst so auszufüllen, dass die Kollegen dabei nicht krank werden und wenigstens noch einen Hauch an Freizeit haben!", warnt Engemann. "Die Kollegen springen von Dienst zu Dienst und können froh sein, wenn sie nur ein Wochenende im Monat frei haben."
Der Gewerkschafter garantiert zwar, dass seine Kollegen die innere Sicherheit jederzeit aufrecht erhielten - allerdings ginge das nur um den Preis von unter anderem bald zwei Millionen aufgelaufenen Überstunden landesweit.
Dabei kämen zur Personalknappheit immer mehr Zusatzaufgaben, für die Beamte aus dem regulären Dienst abgezogen würden: So habe die Landesregierung "die letzten 250 Kollegen" aktiviert, um in den Kommunen die Flüchtlinge zu betreuen. "Damit wurden aber wirklich alle Reserven verbraucht", sagt Engemann. Damit es nicht so weitergeht, setzt die Gewerkschaft auf Hilfe der Bevölkerung: Über eine spezielle Internetseite kann nach Eingabe der Postleitzahl eine E-Mail an ausgewählte Bundestagsabgeordnete versandt werden. In einem vorformulierten Schreiben werden die Politiker dann aufgefordert, sich für eine Verstärkung der Polizei einzusetzen.
Am Trierer Pranger können die Bürger das an Ort und Stelle machen - und sie machen reichlich mit: Unterstützer Christian Pöllu aus Baumholder hat gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht: Ein halbes Jahr, nachdem er in Triers Partnerstadt Weimar bestohlen wurde, hat er seine Brieftasche samt Papieren zurückerhalten. "Und das, obwohl ich nicht einmal eine Anzeige aufgegeben hatte!"
Auch Edgar Hau findet eine gut aufgestellte Polizei wichtig. Der Gusterather schaut gerne Fußball im Stadion und hat schon einige brenzlige Situationen erlebt. "Da ist man schon froh, wenn genug Polizei da ist. Das wäre vielleicht sonst manches Mal nicht gut ausgegangen!"
Wer die Forderung der Polizeigewerkschaft nach mehr Personal unterstützen möchte, findet die Aktionsseite im Internet unter der Adresse
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