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Poller in Trier: Auffällige Farben sollen sie besser sichtbar machen

Sicherheit : Grelle Farben sollen Poller besser sichtbar machen

Der Verein Pro Retina setzt sich für eine klare Kennzeichnung ein, damit sehbehinderte Menschen profitieren.

Der Trierer Stadtrat hat das „Konzept für urbane Sicherheit“ mit großer Mehrheit befürwortet. Für sechs Millionen Euro sollen zahlreiche Poller errichtet werden (der TV berichtete).

Anlässlich des Tages der Sehbehinderung lud Pro Retina, die Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhautdegeneration, Politiker und Pressevertreter ein, um auf die Problematik von üblichen Pollern für Sehbehinderte aufmerksam zu machen.

„Die grauen Poller auf dem grauen Bodenbelag sind für Menschen mit Seheinschränkung so gut wie unsichtbar“, erklärt Marion Palm-Stalp, Leiterin der Pro-Retina-Regionalgruppe Trier. Mit selbstgestrickten Poller-Mützen im gelb-schwarzen Muster soll veranschaulicht werden, wie mit kleinen Änderungen Schritte für die Inklusion von Sehbehinderten gemacht werden können. Gelb-schwarze Poller stehen übrigens vor der Kreisverwaltung am Willy-Brandt-Platz.

Das Bewusstsein der Menschen soll auch geändert werden: „95 Prozent der gesetzlich als blind geltenden Menschen haben noch ein Restsehvermögen, mit dem sie sich orientieren können, zwischen einem und zwei Prozent Sehschärfe. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst“, erklärt Marion Palm-Stalp. Von einer neuen visuellen Auslegung würden damit viele profitieren.

Die Teilnehmer bekamen Brillen ausgehändigt, die Augenkrankheiten simulieren. Mit diesem praktischen Ansatz wurden sie zu Problemzonen in Trier geführt.

An den Ampeln in der Trierer Innenstadt gibt es laut Pro Retina zu wenige Signalgeber über Berührung oder Hören. Sie fehlten unter anderem in Nordallee und Feldstraße. Die Schaltungen der Ampeln seien in der Innenstadt zu kurz. Straßenbeläge seien teilweise sehr marode, und Markierungen an Gefahrstellen wie Bordsteinkanten und Treppen fehlten, hieß es.

Die Fahrradwege bieten nach Ansicht von Pro Retina zu wenig Kontrast, und Fußgängerüberwege seien teilweise verblasst. Ebenfalls wichtig für die Gruppe ist der Ausbau öffentlicher Toilettenanlagen, insbesondere behindertengerechter WC.

Baudezernent Andreas Ludwig bestärkt den Einsatz der Gruppe und betont, dass mit ihren Vorschlägen weitergearbeitet werde: „Das ist leider nichts, was von heute auf morgen passieren kann. Es ist ein langwieriger Prozess.“

Ludwig befürwortete den praktischen Ansatz mit der Visualisierung durch Mützen in auffälligen Farben. Abzuwarten bleibt, inwiefern die Initiative der Gruppe Einfluss auf das Sicherheitskonzept der Stadt haben wird. Die Poller sollen in erster Linie die urbane Sicherheit in der Stadt erhöhen, um Ereignisse wie die Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 zu erschweren oder möglichst zu verhindern.

Dezernent Ludwig nannte das Anliegen von Pro Retina berechtigt. Mit künftigen Schritten werde die Innenstadt von Trier zu einem Ort mit erhöhter Rücksicht für Sehbehinderte. Ludwig betonte, dass das Konzept bereits reflektierende Poller vorsehe. Diese seien von der Funktionalität her sehr zufriedenstellend, da sie bei Tag und Nacht visuelles Feedback böten. Um eine mögliche Lösung zu demonstrieren, wurden den Pollern in der Innenstadt für den Tag der Sehbehinderung gelb-schwarze Mützen aufgesetzt.