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Pop für Alle - Musikprojekt für Jungendliche in Trier

TRIER : Pop für alle – Im Eiltempo auf die Bühne

An einem ganz besonderen Musikprojekt haben Jugendliche in der Trierer Modern Music School teilgenommen. Innerhalb von nur drei Tagen sollten sie eine Band gründen und zum ersten Mal auftreten.

Zwei Bands stehen auf der Bühne im Innenhof des Bürgerhauses Trier-Nord. Der Schlagzeuger gibt den Takt vor, die E-Gitarre spielt ein Intro, Sängerinnen setzen ein. Die Musikerinnen und Musiker sind zwischen zehn und 14 Jahren alt. Das Besondere: Bis vor drei Tagen haben die allermeisten von ihnen noch nie ein Instrument gespielt.

„Pop für Alle“ heißt das Ferienprojekt, bei dem 20 Jugendliche in kürzester Zeit das Lied „Geiles Leben“ der Band „Glasperlenspiel“ einstudiert haben – unterstützt von vier professionellen Musiklehrern.

Franziska Wonnebauer hat die Ferienfreizeit für den Verein KRASS gemeinsam mit dem Bürgerhaus Trier-Nord und der Modern Music School organisiert. Musikalischer Leiter, Keyboard-Dozent und Bandcoach war Marc Rohles.

„Es war die Intention, dass alle mitmachen können. Egal woher sie kommen, egal, ob sie Vorkenntnisse haben oder ob die Eltern Geld haben“, sagt Wonnebauer. Deshalb war der Kurs auch kostenlos. Wer nicht in die Stadt gebracht werden konnte, wurde abgeholt. Möglich machte das eine Förderung durch die Initiative „Kultur macht Stark“ des Bildungsministeriums und des Bundesmusikverbandes.

Auch das Mittagessen konnte so gratis angeboten werden.

Das hatten sich die Jugendlichen auch mehr als verdient. Denn um in drei Tagen nicht nur ein Instrument zu lernen, sondern darauf auch ein ganzes Lied spielen zu können, braucht es einen straffen Zeitplan: Morgens Rhythmusübungen, danach Instrumententraining in Kleingruppen und zum Abschluss Bandproben. Sieben Stunden am Tag.

Gerade in den Kleingruppen haben Lehrer und Schüler hart gearbeitet. In einem Raum zeigt Gitarrenlehrer Werner Schwarz fünf Jugendlichen gerade einen neuen Griff. „Das geht doch gar nicht!?“ ruft ein Mädchen – es ging dann doch. In einem anderen Raum sitzt Gesangstrainer Myk Snow am Klavier. Er spielt eine immer länger und schneller werdende Tonfolge, die Mädchen sollen einzeln dazu singen. So sollen sie lernen, auch unter Stress die Ruhe zu bewahren, erklärt er.

Aus jedem Winkel der Modern Musik School hört man das Lied, das am Ende aufgeführt werden soll – stundenlang.

Doch die Jungen und Mädchen hätten am liebsten noch härter geprobt, sagt Johannes Fettes. Er hat vieren von ihnen das Schlagzeugspielen beigebracht. Nur einer davon hatte schon Vorwissen. „Ich hatte auf jeden Fall ein bisschen Bedenken, dass so nach zwei, drei Stunden vielleicht schon die Luft raus ist“, sagt er. Ein solches Projekt, bei dem die Kinder von null an in kürzester Zeit etwas lernen müssen, habe er vorher auch noch nicht gemacht. „Aber die hatten alle Bock.“ Selbst in den Pausen war aus dem Übungsraum noch das metallische Klappern eines stummgeschalteten Elektro-Schlagzeugs zu hören.

Das kann Chantal Rangel Dietz nur bestätigen. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt die 14-Jährige grinsend. Sie gehörte zu den wenigen, die auch vor dem Workshop schon ein wenig Klavier spielen konnten. Mit der Auswahl des Liedes ist sie sehr glücklich. Ein paar Stunden vor dem Konzert ist sie auch noch nicht nervös.

Dazu gibt es auch keinen Grund. „Die haben sich gut vorbereitet gefühlt, da war die Aufregung erst kurz vor dem Auftritt wieder da“, sagt Franziska Wonnebauer.

Etwa siebzig Verwandte und Freunde sind am Nachmittag des letzten Tages an das Bürgerhaus Trier-Nord gekommen. Beide Bands, die „Infrarotlichter“ und „The Wild Eleven“, sagen sich an und performen ihr Lied. Später spielen auch die Musiklehrer noch einige Stücke, die sie spontan noch eingeübt haben. „Es waren alle zufrieden danach – mit strahlenden Gesichtern und stolz auf sich“, sagt Franziska Wonnebauer. Ein gelungener Abschluss.

Ob es im nächsten Jahr wieder ein solches Angebot geben wird, ist noch offen. Ohne die Fördermittel wäre es nicht möglich. Doch die meisten würden gerne noch mal mitmachen, sagt Wonnebauer. Und auch den Organisatoren ist die Lust nicht vergangen. „Vor allem, weil das Feedback so positiv ist“, sagt sie.