Positives Echo auf Theaterpläne der Triwo
Trier · Einem möglichen Zweitsitz des Trierer Stadttheaters auf dem Walzwerkgelände stehen viele Kürenzer positiv gegenüber - wenn da nicht der zusätzliche Verkehr und die Parkplatznot wären. Bei der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend machten viele Anwohner ihre Sorgen deutlich.
Trier. Metallstäbchen für Damenkorsetts, Motorzubehör, Munition, Kriegsgeld: Mehr als 100 Jahre produzierte das Walzwerk Eisen- und Stahlteile im Herzen von Kürenz. Ende 2014 gingen auf dem Gelände allerdings die Lichter aus. Der Trierer Bauriese Triwo kaufte das Areal vom letzten Besitzer, dem indischen Stahlmagnaten Tata-Steel.
Am Dienstagabend stellte Triwo-Chef Peter Adrian seine Pläne für das Gelände vor der Sitzung des Ortsbeirats vor. Kernstück: In eine der beiden großen Werkshallen könnte ein zweiter Standort für das Trierer Stadttheater entstehen mit Studiobühne, Werkstätten für die Requisiten, Proberäumen und Büros (der TV berichtete). Die Pläne sind Zukunftsmusik: Der Trierer Stadtrat hat zwar grundsätzlich zugestimmt, dass das Theater einen Zweitstandort erhalten soll. Wo, ist allerdings noch völlig offen.Angst vor Verkehrschaos
Dagegen, dass das Theater nach Kürenz kommen könnte, stellte sich keiner der mehr als 60 Besucher der Ortsbeiratssitzung. Sorgen bereitete vielen allerdings, wie der Stadtteil den zusätzlichen Verkehr verkraften könne. "Auch und gerade am Wochenende wird der Theaterstandort viel zusätzlichen Verkehr ins Viertel ziehen - da habe ich große Bedenken", sagte Manfred Maximini, Ex-Ortsvorsteher von Kürenz. Eine Anwohnerin merkte an, dass bei den Theateraufführungen, die es bislang schon auf dem Gelände gegeben habe, teilweise ein großes Verkehrs- und Parkchaos rund ums Walzwerk geherrscht habe.
Triwo-Chef Adrian erklärte, dass das Gelände adäquat für den Verkehr erschlossen werden müsse. Zum einen von der unteren Brühlstraße aus, direkt hinter der Unterführung, unmittelbar auf das Gelände und auf die dort geplanten Parkplätze. Eine zweite Zufahrt soll von der Mitte der Brühlstraße aufs Areal führen und auch von Rosen- und Nellstraße aus seien Zufahrten grundsätzlich möglich. Details stünden allerdings noch nicht fest. "Aber wenn der Bebauungsplan aufgestellt wird, werden wir genau nachweisen müssen, wie die Verkehrsprobleme zu lösen sind", sagte Adrian.
Ortsvorsteher Bernd Michels merkte an, dass dem Stadtteil nicht nur mit dem Walzwerk große Veränderungen bevorstehen. "Die Stadtwerke bauen ihren Energie- und Technikpark am Grüneberg, die ART zieht in die Metternichstraße um - damit werden ohnehin neue Erschließungsstraßen nötig ", betonte Michels. Außer dem potenziellen zweiten Theaterstandort sollen auf dem Gelände laut Triwo bis zu 200 Wohnungen in Neubauten entstehen. "Hauptsächlich Zwei- bis Drei-Zimmerwohnungen, aber auch größere", sagte Adrian. Einen Teil der zweiten großen Industriehalle hat die Triwo für die Einrichtung zweier Basketballfelder reserviert, einen anderen Teil für Gastronomie. In einer rund 500 Quadratmeter großen Nebenhalle könnte die Trierer Skaterszene ihre neue Heimat finden. Ortsvorsteher Michels und Triwo-Chef Adrian betonten, dass die Entwicklungspläne vorläufig seien. Weder Stadt noch Stadtrat haben bis dato eine Entscheidung gefällt, wo der Nebenstandort des Theaters entstehen soll.Extra
Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Walzwerks hat die Triwo bereits an den Palais e.V. vermietet. Der Sozialverein betreut dort jugendliche Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind. In der Ortsbeiratssitzung informierte Palais-Chef Reinhold Spitzley über das Projekt. Zurzeit wohnen rund 30 Jugendliche in dem Gebäude, aufgeteilt auf drei Gruppen. Eine vierte Gruppe ist geplant. Die Jugendlichen werden vom Palais e.V. durch die sogenannte Clearingphase begleitet, die rund zwei Monate dauert. In dieser Zeit werden die persönlichen Umstände geklärt und geschaut, wo die Jugendlichen dauerhaft untergebracht werden können. "Die Jugendlichen haben vormittags Sprach- und Integrationsunterricht und am Nachmittag freiwillige Angebote, etwa Sport", sagte Spitzley. Die Jungen stammten vorrangig aus Syrien und Afghanistan. woc