Post will über die Gleise wechseln

Post will über die Gleise wechseln

Die Triwo AG will für die Deutsche Post einen neuen Zustell-Stützpunkt am Trierer Bahnhof bauen. Während der Stadtrat das Projekt kritisch bewertet (der TV berichtete), sieht die Triwo darin eine sinnvolle Folgenutzung des Bahngeländes.

Trier. In der jüngsten Stadtratsitzung äußerten Vertreter aller Fraktionen Bedenken gegen den geplanten Bau einer Verteilstation der Post. Als künftiger Standort ist die ehemalige Güterabfertigung am Trierer Hauptbahnhof vorgesehen.

"Das wird kein neues Briefzentrum", stellt Post-Pressesprecher Thomas Kutsch klar. Es gibt bundesweit 82 Briefzentren, eines davon steht im Trie-rer Hafen. Dort werden alle Sendungen für den Postleitzahlbereich 54 sortiert.

Lärmpegel müssen eingehalten werden



Am Bahnhof will die Post nur einen Zustell-Stützpunkt einrichten, an dem rund 80 Mitarbeiter Sendungen für den Bereich Trier sortieren und zur Verteilung vorbereiten. Genau das passiert bisher auf dem benachbarten Ex-Post-Gelände zwischen Reichsabtei und Kürenzer Straße. "Es geht um eine reine Verlagerung und Optimierung", sagt Berthold Breser von der Projektentwicklungs- und Bauträgergesellschaft Triwo.

Die Triwo und das Land Rheinland-Pfalz hatten das Post-Gelände 2006 gekauft. Im Dezember 2008 fiel die Entscheidung, dort nicht wie ursprünglich geplant ein neues Polizeipräsidium zu bauen, sondern die bestehenden Gebäude nach einem Umbau als Präsidium zu nutzen. Die Post-Kundenhalle bleibt erhalten.

Der Brief- und Paketbereich, der über die Gleise auf die andere Bahnhof-Seite wechseln soll, befindet sich größtenteils auf landeseigenem Gelände. Über die Güterstraße sollen künftig nachts mit einigen LKW Sendungen angeliefert werden. Frühmorgens sollen die Fahrer mit insgesamt 24 Kleintransportern Pakete in die Stadt ausliefern. "Die zulässigen Lärmpegel müssen natürlich eingehalten werden", erklärt Breser.

Die Lage in der Stadt sei durchaus sinnvoll und angebracht, da viele Briefträger mit dem Rad oder zu Fuß ausschwärmten. Und: "Auf diesem Grundstück direkt an den Gleisen bekommen Sie sonst wahrscheinlich keine vernünftige Nutzung hin."

Meinung

Fehlstart eines Großprojekts

Kaum ein Bauvorhaben der jüngeren Zeit ist im Trie-rer Stadtrat auf solche Ablehnung gestoßen wie der geplante Zustell-Stützpunkt der Post. Auch vom Oberbürgermeister und von der Baudezernentin kam kein positives Wort dazu, bestenfalls amtliche Neutralität. Triwo und Post haben es offensichtlich versäumt, bei den Entscheidungsträgern im Vorfeld offensiv für das Großprojekt zu werben (oder sie sind bei dem Versuch gescheitert). Eine umfassende Information der richtigen Stellen hätte vielleicht den Boden für eine etwas weniger belastete Diskussion bereitet. Auch wenn es im Kern nur um eine Verlagerung geht: Dimension und Umstände fordern einen gewissen Erklärungsbedarf. Es gibt durchaus Argumente, die Triwo und Post ins Feld führen können. Das Bebauungsplan-Verfahren muss klären, ob die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen die Verwirklichung zulassen. m.hormes@volksfreund.de