Präsident der Reformen

Nur knapp vier Jahre hatte Bert Hofmann (65), um die Fachhochschule (FH) Trier als Präsident zu lenken. Unter seiner Regie wurde die FH durch Reformen und strukturelle Veränderung im Eiltempo fit für die Zukunft gemacht.

Trier. Kein einfaches Amt hatte Bert Hofmann Anfang 2004 übernommen. Die FH musste sich verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Kraftakt. Auch im Wissen, dass er aus Altersgründen keine Neuwahl werde bestehen müssen, legte Hofmann ein ordentliches Tempo vor. "Meine Hochschule hat sicher darunter gelitten, weil ich eine neue Veränderungskultur etablieren wollte und musste. Aber ich habe deren Notwendigkeit gesehen und mich stets als ersten Diener der FH verstanden." Gegen die Pläne, die Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen zu schließen und weitere Angebote zu kürzen, ging er selbst mit den Studenten auf die Straße und hielt Brandreden vor der Porta Nigra. Mit der Reduzierung von zehn auf fünf Fachbereiche am Standort Trier sowie der Eingliederung einiger Fächer in andere Bereiche erreichte er gesteigerte Interdisziplinarität und Synergie-Effekte: "Das war für mich Dreh- und Angelpunkt der Reform, und erste Erfolge zeigen, dass eine bessere Zusammenarbeit funktionieren kann und allen nutzt."Als eine der ersten Hochschulen in Rheinland-Pfalz konnte die FH das komplette Studienangebot auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge umstellen. In den Bereichen E-Learning, Teilzeit- und Fernstudium sieht er weiteren Handlungsbedarf: "E-Learning etwa soll die Präsenzlehre nicht ersetzen, aber ein neues und individuell gestaltetes Lernen ermöglichen." Gerade dabei biete die Kooperation mit der Uni gute Möglichkeiten.Die Förderung der Verbindung von FH und Wirtschaft hatte Vorrang auf Hofmanns Präsidentschafts-Plan. Denn: "Zwei Drittel unserer Studenten kommen aus der Region, und bis zu 90 Prozent der Abschlussarbeiten entstehen in Kooperation mit der heimischen Wirtschaft."Große Freiheit und ein Traum

1984 folgte Hofmann nach acht Jahren in der stahlverarbeitenden Industrie dem Ruf als Professor für Stahlbau und Statik nach Trier. Seine Arbeit als frei beratender Ingenieur, die er neben dem Professorenamt beibehielt, musste er reduzieren, als er mehr Aufgaben in der Hochschul-Selbstverwaltung als Abteilungsdekan übernahm.Auf den Weg in den Ruhestand hat sich Hofmann seit der Wahl seines Nachfolgers Jörg Wallmeiers im Juni vorbereitet. "Ich kann loslassen. Ich habe jetzt große Freiheit abseits von Terminen, Zwängen und Pflichten." Sport, Reisen und das Ehrenamt stehen ebenso auf seinem Tagesplan wie Italienisch zu lernen und die Suche nach einem Grundstück, um sich seinen Traum vom neuen, altersgerechten Haus zu erfüllen. "Einen Anschluss-Job brauche ich nicht", sagt er. Aber sein Ingenieurbüro will der 65-Jährige wieder beleben: Nach 24 Jahren in Lehre und Forschung zieht es ihn zurück in die Praxis.