Preis gibt Gas

TRIER/BITBURG/WITTLICH. Zwischen guten Wünschen für das neue Jahr fanden die Erdgaskunden der Region in den letzten Tagen eine böse Überraschung im Briefkasten: Die Trierer Stadtwerke teilten mit, den Gaspreis pro Kilowattstunde um fast zehn Prozent anzuheben. Wer sich dem nicht beugen will, kann Widerspruch einlegen – braucht in diesem Fall allerdings einen langen Atem.

Fünf Cent vor Jahresfrist, vier Cent im Oktober - und zum 1. Januar haben die Stadtwerke Trier (SWT) nun erneut vier Cent auf jede Kilowattstunde Erdgas aufgeschlagen. Manche Kunden der SWT, die auch Bitburg, Speicher, Binsfeld, Wittlich, Bernkastel und Thalfang versorgen, wittern Abzocke. Ein TV-Leser spricht in Anspielung auf den zwielichtigen russischen Energieriesen gar davon, "dass wir hier in Trier unsere eigene kleine Gazprom" haben. Was ihn besonders aufregt: "Die Stadtwerke ließen mir die Preiserhöhung 33 Stunden vor Inkrafttreten zustellen. Ist das überhaupt legal?" Darauf gibt es eine klare Antwort: Ja. "Die Kunden der Trierer Stadtwerke sind sogar privilegiert. Bei den meisten Versorgern gibt es keinerlei individuelle Benachrichtigung", sagt Hans Weinreuter, Energie-Referent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Weniger eindeutig liegen die Dinge bei der Preiserhöhung selbst - mit der sich die Stadtwerke übrigens bundesweit in guter Gesellschaft befinden. Johann Meyer, stellvertretender SWT-Marketing- und Kommunikationsleiter, ist von der Notwendigkeit des erneuten Aufschlags überzeugt. Wegen der Ölpreisbindung reagierten die Gaspreise mit Verzögerung auf die Rekordpreise beim Öl, erklärt er. Die Erhöhung sei moderat. Zur Debatte habe auch eine Anhebung um fünf Cent gestanden, doch man habe gute Einkaufskonditionen erreicht und könne es so bei vier Cent belassen. "Bei einem normalen Haushalt, der 20 000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, macht das gerade mal 2,2 Cent pro Tag aus", rechnet Meyer vor. Der Preis für Erdgasimporte sei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2005 um 29,1 Prozent gestiegen - während die Preise für die Erdgaskunden in der Region im Laufe des Jahres um rund 14 Prozent nach oben gegangen seien. Die jüngste Erhöhung betrage 9,9 Prozent. Verbraucherschützer machen eine andere Rechnung auf: Der Einkaufspreis für Gas stelle nur 25 bis 30 Prozent der Kosten für den Endverbraucher dar, die hohen Steigerungen seien deshalb so nicht zu rechtfertigen. Sie kritisieren, dass der Gaspreis nicht genehmigt werden muss und dass Privatkunden bisher nicht zwischen mehreren Gasversorgern wählen können. Verbraucherschützer: Protest einlegen

Energie-Experte Weinreuter weist allerdings auf die Kette von Gas-Importeuren, Zwischenhändlern und Versorgern hin. Die Preiserhöhung sei nicht unbedingt den Stadtwerken anzulasten. "Wo in der Kette das Geld hängen bleibt, ist die Frage." Weinreuter empfiehlt Kunden, die die Gaspreise für überhöht halten, dem Versorger schriftlich mitzuteilen, dass man die Erhöhung für "unbillig" hält und nicht zahlt, bis das Gegenteil erwiesen ist. Einen Musterbrief und ausführliche Infos gibt es im Internet unter www.verbraucherzentrale-rlp.de oder unter Telefon 0180/5640564 (12 Cent pro Minute). Der Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass sich ein solcher Streit hinziehen kann.