1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Premiere für die schwarze Erde

Premiere für die schwarze Erde

An den Steillagen der Mosel wird das Verfahren schon seit Jahren angewandt: Schwarze Kompost-Erde schützt die Böden vor Korrosion und vermindert den Einsatz von Kunstdünger. Nun feiert das Verfahren auch in den Lagen der Ruwer Premiere.

Waldrach. Ungewöhnliche Aktivitäten sind in der Lage oberhalb des Waldracher Friedhofs zu beobachten: Ein LKW kippt eine Ladung pechschwarzer, stark aromatisch riechender Erde auf dem engen Weinbergsweg aus. Erwartet wird das Material dort von einem Maschinen-Trio: Ein kleiner, wendiger Radlader, eine handelsübliche Motorwinde für Steillagenmaschinen und eine Art Lore auf Gummirädern, die an der Winde hängend im Hang operiert. An der Mosel und am Mittelrhein ist die Bearbeitung der Weinberge mit Bio-Humus schon seit sechs Jahren Standard. Der Humus besteht zu 70 Prozent aus Grüntonnen-Kompost und zu 30 Prozent aus kompostiertem Grünschnitt. Auf den Hängen der Ruwer wird das schwarze Material nun zum ersten Mal aufgetragen. Dies geht auf die Initiative von Rainer Krämer zurück, dem Waldracher Ortsvorsitzenden des Bauern- und Winzerbandes. "Ich habe unsere Winzer angesprochen und ihnen die Vorteile dieses Verfahrens erläutert. Sechs Betriebe aus dem Ruwertal sind nun dabei. Bearbeitet werden rund fünf Hektar Fläche, die dazu nach der Bioabfall-Verordnung bei der Struktur- und Genehmigungs-Direktion Koblenz angemeldet werden mussten", sagt Krämer. Auch wenn Material und Auftragen insgesamt 23,50 Euro pro Tonne kosten, liegen die Vorteile für ihn auf der Hand: Im Vordergrund steht der Schutz vor Korrosion - richtig aufgetragen, kann die Humusschicht bei Starkregen 35 Liter pro Quadratmeter aufnehmen, ohne dass es zur Bodenkorrosion kommt. Weitere Effekte sind der Schutz vor zu schneller Austrocknung der Böden im Sommer und der sinkende Bedarf an Mineraldüngern. Außerdem schützt die stark federnde Humusschicht den Boden beim Einsatz von Weinbergsmaschinen. Bernd Klein (Firma Kleterra) aus Mehring hat das Verfahren, das er nun auch im Ruwertal anwendet, entwickelt. Auch das am Winden-Drahtseil hängende Streugerät, das von Mitarbeiter Günther Benör hangauf- und hangabwärts geführt wird, ist ein Eigenbau. "Rund 50 Tonnen Humus sind pro Hektar erforderlich. Das hält dann für fünf Jahre", sagt Klein, der nach eigenen Angaben an Mosel und Mittelrhein jährlich rund 10 000 Tonnen Humus aufträgt. Das Zeitfenster für die Arbeiten liege zwischen dem Ende der Lesezeit im Herbst und Mai.