Premiere Erstes Kunstherz im Trierer Herzzentrum erfolgreich implantiert

Trier · Erstmals ist in Trier erfolgreich ein neuartiges Kunstherz-System implantiert worden. Schon nach wenigen Tagen konnte der Patient die Intensivstation wieder verlassen. Ein Meilenstein für das Herzzentrum am Brüderkrankenhaus Trier.

 Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team implantiert der Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie im Herzzentrum Trier, Professor Dr. Assad Haneya (Mitte), einem Patienten das neuartige Kunstherz.

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team implantiert der Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie im Herzzentrum Trier, Professor Dr. Assad Haneya (Mitte), einem Patienten das neuartige Kunstherz.

Foto: Brüderkrankenhaus Trier

Das Herz gilt als „Motor des Lebens“, fortdauernd pumpt es Blut durch den Körper und stellt so die lebenswichtige Versorgung aller Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen sicher. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz jedoch schwächelt der faustgroße Hohlmuskel. Eine besonders schwere Herzschwäche führt zum Tod, wenn sich nicht rechtzeitig ein Spenderherz findet. Da die Zahl der benötigten Spenderorgane deutlich höher liegt als die der Spenderherzen, braucht es Systeme, um Zeit überbrücken und den Patienten wieder zu einer verbesserten Lebensqualität verhelfen zu können.

Beides leistet das aus Frankreich stammende Kunstherz-System – ein „Total Artificial Heart“ (TAH) – das nun erstmals in Rheinland-Pfalz am Herzzentrum Trier durch Professor Dr. Assad Haneya erfolgreich implantiert wurde. Anders als bisherige Herzunterstützungssysteme, die primär zur Unterstützung der linken Herzkammer dienen, ermöglicht ein TAH auch beim Versagen beider Herzkammern eine Stabilisierung des Patienten durch einen kompletten Ersatz des Herzens. Wie ein echtes Herz erzeugt das TAH einen pulsierenden Blutfluss und reguliert sich selbst. So wird dem Patienten das Leben verlängert, bis ein reguläres Spenderherz zur Verfügung steht.

Haneya nennt einen weiteren wesentlichen Vorteil des Systems, das in Deutschland bislang nur in wenigen großen Herzzentren implantiert wird: „Der Hersteller hat das Kunstherz so konzipiert, dass es ausschließlich über biologische Oberflächen verfügt. Der Patient muss deshalb nicht mehr dauerhaft blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, womit das Risiko schwerer Blutungen deutlich reduziert wurde.“

Nach der OP in Trier: Neues Kunstherz bedeutet deutlich mehr Lebensqualität

Das Herz des ersten Patienten, der in Trier davon profitiert, hatte zuletzt nur noch eine Pumpleistung von rund zehn Prozent. Trotz intensivmedizinischer Maßnahmen konnte keine Stabilisierung mehr erreicht werden. „Das Kunstherz verhilft dem Patienten nun wieder zu einer deutlich höheren Lebensqualität“, erklärt Professor Dr. Nikos Werner, Chefarzt Kardiologie und Leiter des Herzzentrums Trier. Zugleich macht er deutlich, dass die Implantation eines Kunstherzens als „ultima ratio“ zu verstehen und erst dann medizinisch geboten sei, wenn alle anderen Behandlungsoptionen keinen Erfolg mehr versprächen. Ziel bleibe, dass der Patient schnellstmöglich ein Spenderherz erhalte. Bis dahin gelte es, die bereits durch die Herzschwäche geschädigten Organe zu stabilisieren und einer weiteren Schädigung vorzubeugen.

Professor Haneya war im Sommer vergangenen Jahres vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ans Brüderkrankenhaus gewechselt. 2021 hatte er in Kiel die bundesweit erste erfolgreiche Implantation dieses neuen Kunstherzens geleitet. Die Implantation von Kunstherzen zählt gemeinsam mit der innovativen und minimalinvasiven Herzchirurgie zu den klinischen Schwerpunkten des Arztes. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team von Herzchirurgen aus Deutschland und Frankreich, darunter dem ebenfalls von Kiel nach Trier gewechselten Leitenden Oberarzt Dr. Philipp Kolat, nahm der 45-Jährige nun auch den Eingriff im Brüderkrankenhaus vor. Die sehr aufwendige Operation verlief ohne Komplikationen.

Das interdisziplinäre Intensivteam unter Leitung von Dr.Thomas Gehrig, Leitender Oberarzt der Kardiologie im Herzzentrum Trier, kümmerte sich gemeinsam mit spezialisierten Pflegefachkräften am Anfang rund um die Uhr um den Patienten. Schon nach wenigen Tagen konnte der Patient die Intensivstation wieder verlassen. Chefarzt Haneya und spricht von einer „beachtlichen Teamleistung“.

Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzschwäche

Schätzungsweise vier Millionen Menschen leiden nach Angaben der Deutschen Herzstiftung an Herzschwäche. Mit fast einer halben Million Fälle im Jahr zählt diese Diagnose in Deutschland zu den häufigsten Gründen für einen stationären Klinikaufenthalt. Je nach Ursache und Ausprägung lassen sich Grunderkrankung und Herzinsuffizienz unterschiedlich behandeln. Das Spektrum reicht hierbei von medikamentösen bis interventionellen Therapien wie etwa Klappenersatz und -Reparatur sowie das Implantieren von Herzschrittmachern und Defibrillatoren.

Führen diese nicht zum Erfolg, ist die Implantation von Herzunterstützungssystemen neben der Herztransplantation eine letzte Behandlungsoption. Da diese Systeme jedoch vor allem der Unterstützung der linken Herzkammer dienen, kommen sie bei Patienten an ihre Grenzen, bei denen beide Kammern stark geschädigt sind. Hier setzt das Kunstherzsystem an, das beide Herzkammern ersetzt.

Markus Leineweber (Direktor Unternehmenskultur) und Thorsten Eich, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhauses sind stolz auf die Möglichkeit für eine solche Behandlung an ihrer Klinik. „Das zeigt auch, dass wir mit dem Herzzentrum des Brüderkrankenhauses eine wesentliche Größe in der überregionalen kardiologisch-herzchirurgischen Versorgungsstruktur sind.“

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